Sommersonnenwende 2018

Dieses Jahr wurde ich von der Sommersonnenwende überrascht. Mein Hauptaufgenmerk lag auf äußerst unangenehmen beruflichen Ereignissen, die mich nicht loslassen wollten und wollen. So kam die nachricht von der Sommersonnenwende überraschend. Eine Kollegin hatte sich dazu geäußert, so ganz nebenbei, und bedauernd gemeint, die Tage würden ab heute immer kürzer werden.

H._kamtschaticum_var._hondoense

Johanniskraut – Wikimedia Commons

Mir bleibt diese Jahr keine Zeit, mit Freunden rauszugehen und das Ereignis zu begehen. Ich begnüge mich also damit, einen Tagebucheintrag von früher zu posten, quasi als Erinnerung an die Energie und Magie, die solch ein Tag schenken kann:

J. leitete das Ritual mit grosser Umsicht. Ihre Stirn hatte sie mit einer strahlend gelben Sonne bemalt, den linken Arm schmückte eine bunte Blume und über die Hand zogen sich fünf Pflanzenarten. Schon einige Tage vorher hatte sie das Waldstück und die besondere Stelle,  wo das Ritual stattfinden würde, ausgesucht und dort auch die Nacht verbracht, um herauszufinden, ob uns die Naturgeister dort willkommen heißen würden.
Wir waren zu viert. J.,  Ch. und A., ich war das erste Mal dabei und wollte das Ritual deshalb so gerne mitmachen,  weil ich noch nie bewusst an einem Naturritual teilgenommen hatte. Rituale, das weiss ich mittlerweile, ziehen mich seit jeher magisch an.
In der Einladung waren wir gebeten worden, Steine für den Feuerring mitzunehmen, dazu auch Dinge,  mit denen wir den Ritualplatz schmücken wollten, Geschenke an die Naturgeister und für die Mitfeiernden und Essen für den Abschluss. Als wir um 19.00 am Ritualplatz ankamen,  erlebten wir eine schöne Überraschung. Eine Kinderspiel-gruppe, die in diesem Wald ihre Feuerstelle hatte, hatte an mehreren Stellen mit den dort gefunden Naturmaterialien gebaut: eine Waldburg, ein Waldmonster und viele andere sorgsam zusammengelegte Gebilde. An unserem noch jungfräulichen Ritualplatz lag ein wunderschönes Mandela, ein schönes Symbol für unser Unterfangen , so fand ich.
Nachdem uns J. gefragt hatte, ob wir Einwände gegen den Platz hätten und wir verneinten, räucherten wir uns und dann nahm J. die Räucherung des Platzes vor. Danach schmückten wir den Platz mit Blumen, die wir am Vormittag auf einem nahegelegenen Pflanzfeld besorgt hatten. Sie hatte 4 bemalte Steine mitgebracht, mit der wir jeder einzeln mit einer Farbe die entsprechende Himmelsrichtung bezeichnete: Gelb den Osten, Blau den Norden, Rot den Süden und Grün den Westen, dort wo wir während der Zeremonie wunderschöne und intensiv die Sonne untergehen sahen. Das fehlende Rund legten wir mit Steinen aus und entzündeten dann das Feuer. Ich reichte J. einen mit Baumharz bestrichenen Zapfen und schon bald brannte ein Feuer das wir wegen der vorherrschenden Trockenheit bewusst klein und niedrig hielten. Es brannte gleichmäßig und intensiv und wir trugen unsere Texte vor. J. hatte Johanniskraut besorgt, die Pflanze, die in diesen Tagen blüht und die der Sommersonnenwende zugeordnet ist. Ch. hatte Steine von einem Meeresufer mit. Schließlich aßen wir von den mitgebrachten Speisen. Hin und wieder musizierten wir: Trommel, Rasseln und Flöte. Es war schön, die Rhythmen aufeinander abzustimmen, gemeinsam den Beginn und das Ende zu begehen.
Mein erstes Naturritual und nichts von Emphase oder Betulichkeit. Ich konnte mich ganz intensiv auf die Natur um uns konzentrieren. Die Sonne ging gleißend im Westen unter und beleuchtete die Spinnweben, die zwischen den Bäumen hingen. Die Mücken verloren sich im Rauch unseres Feuers. Langsam verebbte das wilde Gezwitscher der Vögel. Der längste Tag des Jahres ging langsam zu Ende.