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Als ich mit meinen Streifzügen durch die Landschaften des Thurgaus begann, war ich zunächst enntäuscht. Die hügelige Landschaft war zum Großteil landwirtschaftlich genutzt, asphaltierte Feldwege machten das Wandern nicht gerade zum Genuß. Bis ich auf die Tobel stieß: enge Täler, die sich tief in das Molassegestein eingeschnitten haben und die im Gegenstück zur Hügellandschaft oft stark bewaldet sind: kleine Oasen ursprünglicher Natur, in denen es sich im Sommer vorzüglich lagern und baden läßt. Wald und Einsamkeit liegen also nicht Oben, sondern Unten in den geheimnisvollen engen und gewundenen Auengebieten der Bäche und kleinen Flüsse. Hinter jeder Kurve versteckt sich Neues, Unentdecktes.

Einen solchen Ort suchten wir dieses Wochenende. Dort wo die Necker in die Thur fließt, findet sich eines der weiter geschnittenen Tobel und wer sich dort im Winter auf das Mündungsgebiet einläßt, der findet an den aus Nagelfluh bestehenden Abbrüchen unbeschreiblich schöne, bizarres Eiszapfenvorhänge vor, welche von den Hängen hinabwachsen und genauso gefährlich aussehen wie sie auch sind: wenigstens für diejenigen, die sich an die Wände heranwagen. Hier nisten auch die Fledermäuse und Vögel, gut geschützt vor den Blicken der Menschen.

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Dort in der wärmeren Jahreszeit zu Campieren ist nicht ratsam. Die Necker schwillt rasch an und die Strömung wird reißend. S. war dort einmal in Bedrängnis geraten, weil sie in eine der Engstellen des Flussbettes gelockt worden war und Opfer der Strömung wurde. Zitternd vor Kälte landete sie am anderen Ufer und musste von dort erst mühsam geborgen werden.

Der Herbst jedoch ist die beste Jahreszeit, um sich dort ein wenig umzusehen. Und schon blüht die jungenhafte Entdeckerphantasie. Wie wäre es denn, im Flußbett die Necker hinaufzuwandern, ausgerüstet mit guten Regenstiefeln und einem selbstgemachten Wanderstock? Von Schotterbank zu Schotterbank sich flußaufwärts zu kämpfen, durch das auf seichtem Wasser treibende Laub. Viele Holzbrücken soll es ja geben, die man nun auch von unten betrachten könne.

Heute jedoch sind wir nur mit dem Hund im Mündungsgebiet der Necker. Begeistert nimmt der Hund die Spuren auf, gut gesichert an einem Paracord,  dessen anderes Ende wir an einen Baum gebunden haben. Wir befinden uns ja in einem Naturschutzgebiet. Ist hier Feuer machen erlaubt? Und werden wir einem Necker (=Wassermann) begegnen?

Aus großen Flussteinen habe ich versucht eine Art Reflektor zu bauen, eine Steinmauer vor unserem Hobo-Feuer, die sich aber kaum aufwärmt. Soll und muss sie auch eigentlich nicht, weil es für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm ist. Kaffee und Suppe reichen, Wärme muss nicht unbedingt sein. Es war ja nur eine Übung, um das Gefühl für etwas zu bekommen, was ich bislang nur auf Youtube gesehen habe. Und bewußt haben wir uns für den Hobo entschieden, um so wenig Spuren wie möglich in dieser Landschaft zu hinterlassen.

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