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Schon bei früheren Aufenthalten in Genshagen hatte ich begeistert Spaziergänge in der Wald- und Heidelandschaft von Brandenburg unternommen. Dabei leiteten meinen Schritt die wenigen Geocaches, die sich in Großbeeren, Genshagen und Ludwigsfelde befanden. Fast alle, und das waren nur ein oder zwei Handvoll, hatte ich gesucht und gefunden. Als ich kurz vor der diesjährigen Reise einen Blick auf die Karte tat, stellte ich mit Überraschung fest, dass sich nunmehr in der Landschaft ein Cache neben dem anderen reihte, mehrere Parcours waren hier entstanden, alle die Bezeichnung GUT (Genshagener Urban Trail) im Namen. Diese wollte ich loggen, wohl auch deshalb, um ein wenig „Statistik“ zu machen, wie es in der Sprache der Geocacher heißt. Mein Jahresschnitt 2013 ist katastrophal. Doch das Vorhaben rief in mir einen Zwiespalt hervor. Derartige  Trails implizieren ja auch Trampelpfade in der Landschaft, zerstörte Vegetation und viele Plastikdosen allerorten. Ein weiteres Leiden der Landschaft an einer der vielen Outdooraktivitäten war es, und letztere hatten sich seit Jahren Jahren rasant entwickelt. Insofern bin ich selbst zugleich Kritiker und Täter. Dieses Unbehagen spürte ich diesmal sehr stark in mir. 20131109_135346 Es war also nicht so sehr das Geocachen, das mich antrieb, als vielmehr die Aussicht auf einen Tag in einer mir ungewohnten Landschaft. Ich liess mich dabei völlig von den potentiellen Fundorten auf meinem GPSr leiten, zunächst auf dem Feldrain von Großbeeren nach Kleinbeeren, dann in der Diedersdorfer Heide und schließlich im Genshagener Busch. Der mit mehr als dreißig Caches gespickte Weg Weg führte mich in rund sieben Stunden durch Mischwälder (Erle, Birke und Rotföhre), über alte Betonplattenwege (wohl aus DDR Zeiten) entlang ausgedehnter landwirtschaftlicher Flächen und Windschutzgürtel. Typisch auch die Bewässerungskanäle, die ein freies Herumstreifen jenseits der Wege völlig unterbanden. Mehr Kultur- als Naturlandschaft lag da vor mir, trotzdem genoss ich das, was wir heute nach Jahrhunderten der Domestizierung und Ökonomisierung des Waldes als Natur bezeichnen. Fürwahr, das war keine Wildnis, worin ich in sportlicher und meditaticer Absicht begeben hatte, sondern gestaltete Landschaft über die sich der weite Himmel und dramatische Wolkenberge türmten. 20131109_132049 Durchbrochen wird mein beschauliches und kontinuierliches Suchen, Finden und Loggen durch zwei Ereignisse. Als ich bei einem umgestürzten Baumstamm Rast machte, verwechselten mich zwei frei herumlaufende Suchhunde mit einem Menschen, den es zu bergen galt. Sie stürzten freundlich auf mich zu, kaum zu bändigen durch die Dame, die sie unbeaufsichtigt gelassen hatte. Ich war irritiert und ein wenig böse, weil ich in meiner Ruhe gestört worden war, in wiederholter Weise, wie es sich herausstellte. Erneut kam einer der Hunde auf mich zugestürmt, als sich seine Eigentümerin wieder dem Cachen widmen wollte. Wenig später kam eine Reiterin mit ihren Hunden vorbei: auch diese drohten sich auf mich zu stürzen. Ihnen konnte ich jedoch mit einem bösen Zuruf Einhalt gebieten.

Das zweite Abenteuer begann, als ich mich an einem Mann mit roter Warnweste vorbeischlich, der einen Zufahrtsweg bewachte. Ich war auf eine feuchtfröhliche Jagdgesellschaft getroffen, die eng gepfercht auf Pferdewägen eine in der Ferne stattfindende Treibjagd beobachtete. Bedrohliches Kläffen von Jagdhunden, schrilles Tönen von Hörnern. Ich war mit einem heilfroh, meinen roten Anorak zu tragen, denn auf eine solche Nutzung des Waldes war ich gedanklich nicht vorbereitet gwesen. Später, als schon die Dämmerung hereingebrochen war, scheuchte ich an einer einsamen Stelle Vögel auf, die sich über die Innereinen von erlegten Wildtieren hergemacht hatten. Ein schauriger und mitleiderregender Anblick, welche die Tötungslust von Sonntagsjägern zurückgelassen hatte:

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Der Tag war vorüber. Zwei magische Momente sind noch zu erinnern. Als ich am Morgen den Wald betrat, fühlte ich körperlich sofort, wie ich mich mit der Energie der Umgebung auflud. Und abends, als ich im dunklen und nebeligen Wald eilig dahinschritt, fühlte ich die Lust, mich im Wald zu verbergen. Ich wäre, wenn auch angstvoll, gerne die Nacht über hier geblieben, hätte ich nur geeignete Ausrüstung mit mir gehabt.