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Wm19310b

Es war in der ersten Rauhnacht, die ich am Feuer verbrachte. Oben am Feuerplatz war es unerwartet warm, und die Hitze traf uns unvermittelt, als wir aus dem Auto stiegen. Dunkelheit umgab uns nicht völlig: von unten leuchtete das Dorf hinauf, zuwenig allerdings um die Flächen um uns zu erhellen. Außerhalb des Feuerkreises herrschte Dunkelheit.

Nur wenige Tage zuvor hatte ich vom Tree Ogham gelesen und mir voller Begeisterung vorgenommen, diese zwanzig Bäume aufzusuchen und sie besser kennenzulernen. Das sollte mein Vorhaben für 2014 sein, aber sofort nachdem ich J. davon berichtet hatte, warnte sie mich. Dies sei ein ambitiöses Unterfangen, 20 Bäume innerhalb eines Jahres kennenlernen zu wollen, und ich sollte besser nichts überhasten.

An der Feuerstelle lag ein gefällter Baum, den ich schon bei meinem ersten Besuch an dieser Feuerstelle gesehen hatte, als ich Feuerholz sammelte. Gefällt lag die hohe Tanne vor mir, noch mit ihren Ästen am Stamm. Als ich einige davon mit meiner Handsäge zu entfernen suchte, merkte ich an der Nässe des Holzes, dass es nicht lange her war, dass sie gefällt worden war. Doch nun, mehr als drei Wochen später, hatte man die Äste vom Stamm entfernt. Sie lagen dürr neben dem Stamm, an dem Platz, wo sie durch die Motorsäge vom Stamm getrennt worden waren. Der seit wenigen Tagen herrschende Föhn hatte die Äste noch zusätzlich ausgetrocknet.  Ich schleifte die langen Äste in der Dunkelheit den Hang hinab zur Feuerstelle, hackte die Zweige ab und schnitt die verbleibenden Äste in handlange Stücke. Dann legte ich mit den Holzstücken den Boden der Feuerstelle schachbrettartig aus, um mitgebrachtes Holz (Buche) daraufzulegen. Als Zunderunterlage benutze ich Tannenzweige, darauf legte ich ein mit Vaseline präpariertes Baumwollbällchen. Schnell brannte das Feuer an, loderte hoch und fraß sich langsam durch die Holzschichten nach unten.

Ich fuhr fort, einige lange Äste „meiner“ Tanne zum Feuer zu schleppen, um zusätzliches Brennholz mit meiner Axt vorzubereiten. Einiges konnte als zusätzliches Brennholz dienen, das andere wollte ich samt Reisig in der Höhle sammeln, für Andere oder für ein anderes Mal. J. bat mich dann um einen langen Ast, mit dem sie den Platz rund um die Feuerstelle von den dürren Blättern befreite: die Gefahr, dass sich diese durch die herumfliegenden Funken entzündeten, schien hoch.

Am Feuer sitzend knisterte ein Tannenast in meinen Händen. Ich brach ihn dort, wo er fingerdick war und dann ein weiteres Mal, sodass das Stück gut in meine Faust passte. Das erste Ogham Stäbchen, das einer Tanne, lag in meinen Händen. Ein erster Anfang war gemacht. J. trommelte und es war eine schöne feierliche Stimmung. Irgendwann frischte ein Wind hoch über unseren Köpfen auf und bewegte die Baumkronen mit einem sanft heulenden Geräusch. Äste klapperten gegen einander. Schatten flogen über die hinter dem Feuer liegende Höhle, wo ich einen Teil der Tanne gestapelt hatte. Ein Anfang war gemacht.

Aber schon begannen die ersten Unsicherheiten,  Schwierigkeiten, die  für den Anfänger wohl überall auftreten, wo ein Ritus von einer Region in eine andere verpflanzt wird oder wo die Ursprünge desselben lange zurückliegen. War die Tanne eigentlich eines der 20 Hölzchen, die gefordert waren? Denn die Bezeichnung Fir bezeichnet im Deutschen heute im engeren Sinn die Tanne, im weiteren Sinne jedoch als Pine wohl alle der 50 Kieferngewächse (lat.: pinaceae). Steve Blamires verweist noch dazu darauf, dass der zur Zeit der Kelten die einzig auf den Britischen Inseln heimische Pinienart die Scots Pine, also die Kiefer (Föhre, lat.: pinus silvestris) war. Hatte ich also gar die falsche Baumart gewählt? Er empfieht zu meiner Erleichterung, sich über die verschiedenen Arten keine weiteren Sorgen zu machen:

Go into the woods, find whatever species of fir you can, and get to know it on all three levels. If your intuition tells you that this is an acceptable tree, then that is good enough.