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Freies Campieren, eine Verwaltungsübertretung. Das ist es, zumindest in Östereich (und Deutschland). Wir wissen, es gibt kein Stück Land, das in diesem Sinne für Jedermann/frau frei nutzbar ist. Das hängt, zumindest in Österreich, mit der spezifischen Tradition der Holznutzung und Forstverwaltung bzw. mit den Eigentümlichkeiten der Jagdverwaltung zusammen und mit der vorherrschenden obrigkeitsstaatlichen Haltung. Wenn sogar offizielle Feuerstellen (etwa auf der Wiener Donauinsel) nur dann benutzt werden dürfen, wenn eine schriftliche Bewilligung der zuständigen Magistratsabteilung vorliegt, wenn dort das Aufstellen von Zelten oder sogar das Auflegen von Schlafsäcken (sic!) verboten ist, dann spricht das eine deutliche Sprache. Freiraum soll nicht mehr verfügbar sein: das gilt nicht nur für den ländlichen sondern insbesondere auch für den städtischen Raum. Kontrolliert werden muss alles, auch vis a vis der immer größer werdenden Gruppe der Nichtseßhaften. Das Rowdytum in Stadt und Land indes wird immer größer.

In Deutschland wurde in einigen Bushcraft Foren die Frage diskutiert, ob nicht  eine Art Outdoorberechtigungsschein entwickelt werden sollte, mit dem freies Campieren und Feuermachen erlaubt sei, ähnlich einem Anglerschein. Ich bin skeptisch, ob dies eine zielführender Vorschlag ist, auch vis a vis einer nicht zu unterschätzenden Lobby von Waldbesitzern, Jägern und Verwaltungsbehörden, die sich erwartungsgemäß gegen eine solche Regelung wenden würden. Und auch dies wäre ein weiterer Schritt zu Vereinsmeierei und Kontrollwut. Ob man das will?

Nicht vergessen darf man bei der Frage, dass das Freizeitvergnügen „Bushcraft“, das aus den USA und den UK zu uns gekommen ist, einen relativ jungen Zweig der Outdoor-Beschäftigungen darstellt und im Bewußtsein der Bevölkerung (aber auch der Naturverbände) kaum präsent ist. Wiewohl es auch Traditionen der Pfadfinderbewegung aufnimmt, ist diese neue Bewegung im Freizeitverhalten der Bevölkerung kaum verankert und nur einigen Individualisten vorbehalten, die sich den „Naturgewalten“ auch freiwillig aussetzen wollen. Vielleicht ändert sich in Zukunft hier einiges und die Akzeptanz gegenüber Feuermachen und wildem Campieren wird größer, eben weil dies immer mehr Personen in klandestinerweise tun. Man sehe sich nur die Bushcraft Channels aus Deutschland oder Österreich an.  Auch die Mountainbiker haben für die Erlaubnis, Forststraßen benutzen zu dürfen, Geduld aufbringen müssen und sind heute eine sellbstverständliche Gruppierung unter den Naturnutzern. Zugegeben, oft nicht zum Wohl der Umwelt, wenn wir an die tiefen Fahrspuren im Wald denken, die rücksichtslose Biker in den Untergrund gerissen haben.

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Derzeit müssen all jene, die das Leben in der freien Natur schätzen und nicht in außereuropäische Gegenden reisen wollen, in Länder mit Jedermannsrecht ausweichen. Auch hier gibt es Regeln, und das ist auch gut so. Naturraum ist knapp, Rücksichtnahme auf die Mitmenschen und den natürlichen Lebensraum ist ein Gebot der Stunde. Zahlreiche Wildnisschulen auch in Österreich weisen den Weg, den auch Bushcrafter einschlagen sollten. Denn die Konsumorientiertheit scheint auch unter dieser Gruppe vorzuherrschen und der Naturraum als brach liegende Ressource für das Ausleben der eigenen Egozentrik genutzt zu werden. Wir hingegen müssen lernen, mit den vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll, das heißt rücksichtsvoll und ökologiebewußt umzugehen. Das Konzept eines Ökologischen Fußabdruckes für Bushcrafter wäre deshalb im Wald immer mitzudenken. Die Konzepte von Leave no Trace sind deshalb von großer Bedeutung.

Kenneth Kramm hat in einem seiner letzten Videos Regeln für Freies Campieren (das in den USA überwiegend erlaubt ist), erörtert. Vielleicht können diese auch als Anregung dafür dienen, wie wir als Bushcrafter in Europa mit der Ressource Natur umgehen sollten, wenn wir uns in ihr bewegen: denn es geht nicht in erster Linie darum, wie wir unseren „Willen“ oder vermeintliches „Recht“ durchsetzen können, sondern darum, wie wir mit der Natur leben sollen und wollen: mit oder ohne Jedermannsrecht! Im Grunde geht es um das gelebte Verständnis für unseren natürlichen Lebensraum.

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