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In Wien ist man mit Natur und Wald ja bestens versorgt, zumindest für eine Großstadt. Wer jedoch die Einsamkeit des Waldes sucht, die nicht ständig von Wanderern, Hundebesitzern, Joggern oder Mountainbikern gestört wird, der muss ein wenig suchen. Schöne, einsame Plätzchen findet man etwa entlang der March, zumindest außerhalb der typischen Outdoorsaison. Deshalb machte ich mich also auf nach Hohenau, einem wenig hübschen Ort, der von den Produktionsanlagen der ehemaligen Zuckerfabrik dominiert wird, aber den Vorteil hat, direkt am Rande der Marchauen zu liegen.

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Im Auwald angekommen, bog ich schon bald vom Hauptweg ab, um mich dann entlang der dort zahlreich vorhandenen Altarme durch die einsame Landschaft zu schlagen. Tatsächlich war ich der einzig störende Faktor dort, schreckte trotz aller Vorsicht friedlich trinkendes Wild auf, verscheuchte das eine oder andere Wildschwein und wurde von Reihern und Schwarzstörchen aufs Heftigste beschimpft. Trocken war es allerorten und das machte mein Fortkommen über die zahlreichen Furten der Nebenarme leicht. Das ist nicht immer so. Auch die Gelsen waren noch nicht aus ihrem Winterschlaf erwacht: eben eine ideale Zeit, die ich mir für den Besuch der Au ausgesucht hatte.

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Das Einzigartige an derartigen Äusflügen ist das völlige Fehlen des Autolärms und das Fehlen von sich auf alle mögliche Art und Weise schnaubend ertüchtigenden Menschen. In den Vordergrund der Aufmerksamkeit drängen sich bloss Geräusche der Natur. Über mir heulte der Wind in den kahlen Wipfeln der morschen Bäume, mit einem Surren, das an den Lärm von Maschinen erinnerte. Das Aneinanderklappern der Äste erzeugte Unsicherheit in mir bei der Entscheidung, an welchem Platz ich sinnvollerweise mein Mittagslager aufstellen sollte. Das Unterfangen war ein wenig riskant: keine Lichtung, nur dichter, brüchiger Auwald allerorten, über mir knochentrocke, sehr brüchig aussehendes Astwerk.

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Aber ich wollte ja meine neue Jerven Fjellduken ausprobieren, wollte eintauchen in die Geräusche des Waldes, wollte hier an diesem magischen Ort bleiben. Und so wagte ich es, spannte meine Fjellduken an der Ridgeline und saß dann vom Wind geschützt mit dem Rücken zum Baum, um meine Mahlzeit zu kochen. Die ersten Brennesselblätter stachen schon und deshalb kamen sie auch gleich in die Miso – Fertigsuppe, um zu einem guten Happen Chlorophyll aufbereitet zu werden. Und dann schlief ich, an den Eichenstamm gelehnt mitten im Vogelgezwitscher, dem Knacken der Bäume und dem Rascheln im Unterholz ein.  Der Wald hatte mich zu sich genommen.

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Stunden können so im Einklang mit der Natur vergehen und wer will, kann sich beim Ruhen im Wald auch weitgehend ungesehen und ungehört verhalten: eine Stealth – Rast also, um zu erfahren, was uns Städter mittlerweile so stark fehlt: Die Ruhe und Konzentration für das, was uns immer schon umgeben hat. Nein, meine Plätzchen und Routen in den Marchauen werde ich selbstverständlich nicht preisgeben: ich will, wie manch andere ungestört mit mir und meiner Umgebung sein. Wir passen, glaube ich, sehr gut zusammen. Zumindest tun wir einander nicht weh.