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In einer Kulturzeitschrift aus dem tiefkatholischen Niederösterreich namens schaufester kultur.region finde ich einen Artikel über des Pflanzensammeln im Sommer und den Brauch, diese am Kräuterweihtag zu Maria Himmelfahrt in der Kirche weihen zu lassen. Dabei handelt es sich in Niederösterreich üblicherweise um ein Sträußchen bestehend aus Hagebutte, Johanniskraut. Kamille, Pfefferminze, Rainfarn, Schafgarbe und Wilde Möhre. Regional verschieden sind natürlich die Kräuter, die man dazu verwendet, auch deren Anzahl kann zwischen den magischen Zahlen (3, 7, 9, 12) variiert werden. Dieser Brauch geht auf einen alten keltischen Brauch zurück. Zu Lughnasad, dem Wesen nach ein Erntedankfest, feierte man zu Ehren des Sonnengottes Lugh, und dabei spielte die dem Sinn nach ein Erntedankfest, bei dem auch die Kräutersegnung eine wichtige Rolle spielte. Diesen alten Brauch transferierte die Kirche einfach zu Maria Himmelfahrt und taufte ihn sozusagen, um ihn für eigene Zwecke zu nutzen.

Extract_from_Burchard_of_Worms'_Decretum

Interessant also , wie die katholische Kirsche mit den alten Bräuchen umging, die in Naturreligionen fußten. Einerseits betrachtete man als mehr als verdächtig, weil offenbar dem Aberglauben zugetan, andererseits machte sich die Kirche altes Brauchtum zunutze, um dieses quasi im christlichen Sinne umzudeuten. In diesem Sinne erscheint mir folgendes Zitat als besonders charakteristisch, das aus dem sogenannten Poenitentialis (Bussbuch) des Burchard von Worms (1010) entnommen ist:

Hast du Heilkräuter unter anderen Gebeten gesammelt als dem Absingen des Glaubensbekenntnisses und des Vaterunsers? Wenn ja, dann hast du zehn Tage bei Wasser und Brot zu büßen.“