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„Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“, meinte Ovid und auf Deutsch heißt dies: „Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen.“ Heute geht es dabei um Lütisburg im Toggenburg, das wir sehr gerne aufsuchen, weil sich in unmittelbarer Nähe der zusammenfluß von Necker und Thur befinden, eine wunderschöne Landschaft im Nagelfluhgebiet. Ich habe ja schon darüber an anderer Stelle geschrieben.

Vor kurzem bin ich auf das Buch von Johann Baptist Isenring aus dem Jahr 1825 aufmerksam geworden, das die Gegend an und um der Thur beschreibt. Glücklicherweise ist die Aquatintaserie „Thurgegenden“ auch im Gemeinschaftsprojekt einiger Schweizer Bibliotheken, e-rara genannt, zur Gänze anzusehen. Das Buch des 1796 in Lütisburg geborenen Schweizer Landschaftsmalers und Daguerrotypisten ist auch heute noch wunderbar und mit großem Gewinn zu lesen. „Man/frau müßte eigentlich einen zeitgemäßen Wanderführer daraus machen, ergänzt um den Wandel der Zeit, aber wertschätzend für das was hier Isenring graphisch und textlich erarbeitet hat“, denke ich und runzle die Stirn. Ich beginne so vieles und stelle so wenig tatsächlich fertig.

Einen kleinen Eindruck will ich Ihnen aber sehr gerne bieten. Dem Bild folgt ein Teil der Erläuterungen, die ebenfalls von Isenring geschaffen wurden. Eine Augen und Lesekostprobe also:

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Lütisburg
Diese romantische Ansicht ist von der Abendseite Lütisburg im Guggenloch aufgenommen. Gerade auf diesem Platze bildet der Gonzenbach, der sich hier in die Thur ergießt, einen schönen Wasserfall, der in unserer Ansicht verdeckt bleiben mußte. Die ganze Gegend zu und um Lütisburg hat mannigfaltig Anziehendes. Ob dem Orte fließt der Necker, com Säntis hersttrömend, in die Thur. Diese windet sich dann zur Hälfte um Lütisburg herum, wo eine gedeckte Brücke sich befindet. Lütisburg liegt selbst auf einer kleinen Anhöhe am rechten Thurufer mit mehreren zerstreuten Häusern auf beyden Seiten der Thur. Rechts aber, wo die Straße steil hinanzieht, liegt das Dörfchen Gonzenbach, mit einem guten Gasthofe.
Lütisburg ist eine paritätische Gemeinde von 670 katholischen und 460 evangelischen Einwohnern, welche sich neben dem weinbau hauptsächlich mit der Baumwollenweberey und dem Handel mit Produkten dieses Gewerbes beschäftigen. Diese Gemeinde verdankt ihren namen dem ehrwürdigen Schlosse, das hier ungefähr im eilften Jahrhundert von den Edeln und Grafen von Toggenburg erbaut, und gewöhnlich von einem Gliede aus der gräflichen Familie dieses Hauses bewohnt worden seyn soll. Das Schloßs wurde 170 von den Landleuten eingenommen. Gegenwärtig steht nur noch ein Seitenflügel, welcher seit 1815 zum katholischen Schulhause eingerichtet worden ist, das ein herrliches Schulzimmer hat, worin die Schule drey Viertheil des Jahres gehalten wird. Das übrige Mauerwerk des ehemaligen Schlosses ist 1811 zu der dortige neuen anmuthigen Kirche worden. In der Höhe jener stehen gebliebenen Mauer befindet sich das noch wohl erhaltene, in Stein gehauene gräfliche Toggenburger – Wappen. Hier ist ein bedeutender Durchpaßs von St. Gallen und Wyl nach Obertoggenburg.