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In das Zentrum des ultrakonservativen Christentums führt uns unser Ausflug am Sonntag. Der Neuen Züricher Zeitung entnehme ich, daß sich dort eine „Katholische Trutzburg“ befinde, an der die „ultrakonservativen Petrusbrüder streng nach altem tridentinischen Ritus predigen und exerzieren“. Welch Ironie des Schicksals, gerade hier sich auf die Suche nach den Resten des Heidentums zu begeben. Fast schon Häresie, die Entstehung der Verehrung einer Schwarzen Madonna auf einen Fruchtbarkeitsritus zurückzuführen, wie dies Kurt Derungs und Christina Schlatter in ihrem Buch Quellen, Kulte, Zauberberge. Landschaftsmythologie der Ostschweiz und Vorarlbergs. tun. Wie schreiben sie in ihrem Kapitel über den Pelagiberg:

„Die schwarze Frau vom Pelagiberg setzt wahrscheinlich eine vorchristliche Ortstradition fort. Dies zeigt der Blick auf die archäologischen und mythologischen Befunde der Umgebung. (….) In landschaftsmythologischer Sicht stellt der Pleagiberg mit seiner ovalen Form yselbst einen natürlichen Grabhügel dar. Es ist der Körperhügel der schwarzen Erdenmutter und Winteralten, wo sich die Anderswelt und das Jenseitsparadies der Ahnen befindet. Gleichzeitig ist der Hügel aber auch ihr schwangerer Erdbauch, aus dem die Ahnfrau neues Leben hervorbringt. Der Ort ist kraftgeladen, unter dem Altar mit der Schwarzen Madonna sollen sich Wasseradern kreuzen.“

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Am Friedhof vor der Pfarrkirche sitzen wir letztendlich, blicken dabei auf den Bodensee und genießen den leichten Wind, der im Baum raschelt. Wir diskutieren über weiße, rote und schwarze Madonnen, Raben als Boten der Anderswelt und den Kampf der Kirche gegen das Heidentum; dass die Marienverehrung historisch gesehen mit ein Instrument der Kirche bei der Neuausrichtung einer matriarchal ausgerichteten Gesellschaft auf das männlich geprägte Christentum war; dass das Schwarz einer Madonna weniger mit ihrer Verschmutzung zu tun hat als mit der Symbolik einer alternden Frau, die auf das Diesseits ausgerichtet ist.

Wir genießen dabei die beeindruckende Stille dieser Landschaft. Nichts erscheint eindeutig in dieser Welt und die Orientierung ist nicht einfach gegeben. An Orten wie diesen jedoch, scheint die Zeit stehenzubleiben und der Kopf und die Seele freizuwerden für den Blick auf uns selbst. Die Widersprüche sind dann plötzlich keine mehr. Heiden unter sich, das sind wir an diesem Ort. Und von der Trotzburg bleibt nur mehr wenig übrig, je sicherer man/frau sich selbst ist. Maria kehrt in ihren eigenen Schoß zurück und wird zur unheiligen Jungfrau. Ich nehme mir vor, dieses Buch zu kaufen.