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14874804214_25f5a87305_b„Ohne Proviant und Barschaft, ohne Hut und Schuhe, eine auf die Knöchel reichende, kragenlose Eremitenkutte auf der nackten Haut tragend, Wanderstab und Rosenkranz in der Hand, so gieng er davon,“ schreibt Ernst Ludwig Rochholz in seiner 1929 erschienenen Biographie: Die Schweizerlegende von Bruder Klaus von Flue. Daß der Wanderstab ein beliebtes ikonographisches Heiligenattribut ist, das geht bis auf alte antike Überlieferungen zurück.

Überhaupt sind Wanderstöcke Gegenstände mit jahrhundertealter Geschichte.  In ihrer ursprünglichen Form, als hüft- oder schulterhoher Holzstock sieht man ihn aber nur mehr selten. Sehr selten begegnet man noch einem Wandergesellen, der seine Wanderjahre mit einem Stock ausgerüstet, absolviert und schüttel verwundert den Kopf. Den Kindern schnitzt man hin und wieder einen derartigen Stock aus Haselholz, welche diesen aber eher als Wurf-, Stich oder Hiebwaffen zweckentfremden. Pilger auf dem vielbegangenen Jakobsweg verwenden ihn manchmal, um ihre Sinnsuche zu symbolisieren. Sonst scheint diese ursprüngliche Form des Wander- und Spazierstocks ausgestorben und nur mehr in den zahlreichen Fantasyfilmen Verwendung zu finden. Erfurt, Zimmermänner auf der WalzAuch an Bilder aus längst vergangenen Zeiten erinnert man sich: etwa den Jäger mit dem Bergstock, den Hirten, die Bergwanderungen am Beginn des 19. Jahrhunderts. Wanderbegeisterte nutzen heute eher Trekkingstöcke aus Metall bzw. Glasfaser, seit die Firma Leki diese erstmals 1974 auf den Markt gebracht haben. Sie wurden aus Skistöcken entwickelt, die freilich selbst einmal aus Holz gewesen waren. Teleskopstöcke sind leicht, praktisch und gut zu verstauen: der alte Wanderstock aus Holz sieht daneben sperrig, schwer und unhantlich aus. Der Wanderstock ist also wohl nur eines: rettungslos altmodisch.

Und dennoch, der aus Holz bestehende Wanderstab scheint nicht totzukriegen zu sein. Besonders in den USA und England finden sich Hobbyisten, die sich der Kunst des Wanderstock – Erzeugens widmen und dabei wunderschöne Stücke produzieren. Ms. Sticks etwa, die ihre Produkte in einer schier unendlichen Palette anbietet. Auch in Deutschland finden sich noch Wanderstockproduzenten, die neben Stöcken auch zahlreiche Accessoires für dem Wanderstockmacher offerieren. Sammler mögen sich auf den schwunghaften Austausch der typisch „deutschen“ Wanderstockplaketten konzentriert haben, die man noch vereinzelt in Andenkenläden kaufen kann. Ach ja, und ich habe dieses Ding für mich selbst wiederentdeckt und gewöhne mich langsam auf meinen Wanderungen daran.

In unserem Wintergarten stapeln sich auf jeden Fall die geschnittenen Holzstöcke, die im Winter zu Wanderstöcken umgewandelt werden sollen. Das Stöckemachen erfordert ja einige Geduld: so wird allgemein empfohlen, die frisch geschnittenen Stöcke etwa ein Jahr lang unter bestimmten Bedingungen trocknen zu lassen, bevor sie weiterverarbeitet werden sollen. Ein Probeexemplar habe ich schon fertiggestellt, um damit ein wenig herumzuexperimentieren. Davon wird hier bestimmt wieder zu lesen sein.

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