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Viel Regen, leider. 15134939741_0b01b90318_zEin gutes Pilzjahr, unbestritten! Nicht daß ich ein passionierter Pilzsammler wäre, aber Gelegenheit macht Diebe. Geblendet von dem hohen Steinpilzaufkommen auf den jeweiligen Wochenmärkten ist mein Blick auch auf den Streifzügen durch den Wald entsprechend vorherbestimmt. Und da plötzlich, unter dichtem Blattwerk diese wunderbaren Exemplare, frisch, nicht wurmstichig, verlockend. Und: Es könnte sich ja um Steinpilze handeln, aber wir bleiben skeptisch.

Jetzt gibt es ja diese wunderbare Einrichtung in dem Dorf, in dem ich meine Wochenenden verbringe, namens Pilzbeschau. Zwei nette Pilzexperten sitzen in der alten, mittlerweile ausgedienten Gemeindestube und begutachten die gesammelten Pilze, die die Sammler vorbeibringen. Ein Formular wird ausgefüllt, mit Namen des Sammlers versehen, das Gewicht der mitgebrachten Pilze vermerkt und die Art. Handelt es sich um ungenießbare oder gar giftige Exemplare, werden diese sofort entsorgt, die „Guten“ darf man wieder mit nach Hause nehmen. Wer noch ein wenig bleibt, darf der Fachsimpelei zwischen Sammler und ExpertIn lauschen und mancherlei dabei lernen. Begeistert erzählt mir J., daß sie als Kind regelmäßig zur Pilzbeschau gegangen war, um dort zu staunen und zu lernen. Ja, die Leute sind nett, und ein Pilzsammler hat uns beim Weggehen sogar ein paar seiner „Guten“ angeboten, denn wir waren leider erfolglos dieses Mal: unsere 400 Gramm Pilze waren eben KEINE Steinpilze, sondern wunderschöne, aber ungenießbare Gallenröhrlinge. Man erkennt offenbar sie leicht an der rosa Färbung der Hutunterseite – wenn man es nur weiß. Sei’s drum, es war das Erlebnis wert.

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Illustration von Ellen Willnow aus dem Buch von Wladimir Solouchin: „Die dritte Jagd. Betrachtungen eines Pilzjägers.“ Berlin, 1981.