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heißt die Malerei-Installation von Alois Moosbacher im Großen Saal des Linzer Lentos Museum. Nach einer Preisüberreichung im Rahmen der Ars Electronica 2014 zieht es mich dorthin, beunruhigt, daß die Ausstellung nur mehr bis diesen Sonntag geöffnet sein wird. Man/frau versäumt so viel aus Unachtsamkeit!

Im wunderschönen, von oben mit Licht geflutete Ausstellungsraum sind sorgsam die Leinwände platziert, künstlerisch bearbeitete Eindrücke aus dem Wald, die diesem nunmehr seltsam entrückt sind und kaum mehr an den realen Raum Wald erinnern. Es ist, als hätte M. den Wald neu erfinden müssen, mit dem Schwung und der Verve des nunmehr schon in die Jahre gekommenen „Neuen Wilden„,  als der er unvermeidlich immer wieder bezeichnet wird. Jede Romantisierung des Waldes vermeidend, sind Versatzstücke der Zivilisation ins Holz gebaut, die das widerspiegeln, was uns im Wald wohl manchmal stören mag, aber stets mit ihm verbunden ist. Der Wald ist selten anders heutzutage und mich stört dann darum eben der Begriff Wildnis sehr. Die Baumbilder – Serie an der einen Seite der Wand erinnern mich zwar an das Klischee von der Kathedrale Wald, bleiben aber seltsam ineinander verschränkt, stapeln sich übereinander – im Hintergrund von kleinen gemalten (!) Medienbildern durchlaufen.

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Ich bleibe lange in diesem Raum, bewundere die Zeichnungen, aber:  „…. es ist künstlich und gemacht, eine artifizielle Geschichte ….“, wie der Künstler im Gespräch mit Clarissa Ujvary meint. Nicht, daß ich dies der Kunst vorwerfen möchte, aber wahrscheinlich hat zuviel Konzeption mir den gerne staunenden und ergriffenen Blick kaputt gemacht. Ja die Entzauberung des Waldes durch einen sehr ironischen und sehr intellektuellen Gestus tut ein wenig weh.

Wiederum sehr gefällt mir der Text von Elisabeth Nowak-Thaller im vom Künstler selbst gestalteten Ausstellungskatalog: Hinterwälder. Eine Fantasy-Bildgeschichte von Heine bis Ramstein, von Trakl bis Kreisky.  In sehr assoziativer Weise und über die Bildersprache von Moosbacher hinausgehend, legt sie auf acht Ebenen die verschiedenen Möglichkeiten der Bedeutungen von Wald und Wildnis dar. Vollständigkeit oder Wissenschaftlichkeit ist nicht angestrebt, die unterschiedlichen kulturhistorischen Deutungsmuster werden aber sichtbar. Das reicht vom Wald als Angstraum, Märchen – und Zufluchtsort bis hin zu literarischen Interpretationsversuchen (Trakl, Heine, Hesse) und gegenwärtiger Popkultur. Und so wird auch der heutige Museumsnachmittag zur Gelegenheit mich mit meinen Assoziationen zum Thema zu beschäftigen.
Ich erinnere mich an einen Raum den ich einst in Secondlife gestaltet habe. Eine Kuppel, unter der eine alte offene Scheune im finsteren Wald angesiedelt war. Allgegenwärtig hohes Gras, dunkle angsterregende Ecken. Überall in der Landschaft verstreut Kunstwerke, die wie auf einer Müllhalde scheinbar wahllos gelagert war. Das Thema war Maschine – Mensch und überall standen jene eigenartigen Avatare herum, die anstelle eines Kopfes flimmernde Bildschirme trugen. Moosbacher konstruierter Raum ist das Gegenteil meiner finsteren Welt: hell, transparent, von großer, wenn auch kalter Schönheit und gnadenloser Ironie.
Zuletzt noch ein Zitat aus dem Ausstellungskatalog: ‚Das Lentos als Wildnispark mit Hinterhalt. Hinterholz im Hinterwald. Ich stecke schon wieder in einer Geschichte fest! Eine Sackgasse! Zurück zur Malerei! Moosbachers Natur ist nur Malvorwand.‘