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Einladung vom Zeremonienmeister zum Gespräch unter Bäumen

Wie jedes Jahr reise ich im September nach Genshagen, um dort an der Akademie unter Bäumen teilzunehmen. Unter zwei großen Eichen sind Gartenbänke im Kreis aufgestellt, auf denen Menschen Platz nehmen, um über europarelevante Themen zu sprechen. Das Grundprinzip ist die wertschätzende Kommunikation: viele halten sich daran. Diesmal geht es um Roma/Sinti und kulturelle Bildung.

In der Natur zu sitzen und miteinander zu sprechen, verbreitet bei manchen ambivalente Gefühle. Man/frau ist an klimatisierte Räume gewohnt; hier im Park besteht die Gefahr mit jedweder Unbill der Natur konfrontiert zu werden, das sind diesmal konkret der Wind, ein paar wenige Regentropfen, das Rauschen der Blätterkronen, einige kleine Spinnentiere. Der Aufenthalt da draußen scheint von so viel Unwägbarkeiten bedroht.  Sebst eine kleine Spinne, die an der Jacke eines Refernten herumkrabbelt, kann dann in ängstliche Sorge versetzen. Lieber wird da der Referent in seinem Vortrag unterbrochen als das kleine Tierchen weiterhin gewähren zu lassen.

Spöttische Abwehr auch, als ich zwei Anwesende im Plauderton darauf hinweise, daß wir unter einer Eiche sitzen, einem Baum mit sakraler Bedeutung für die Kelten. Ich bezeichne den Ort unter dem Baum als möglichen Kraftort, gut geeignet um konstruktiv miteinander ins Gespräch zu kommen. Das mit den Eichen wird gar nicht gern gehört, das mit den Kelten auch nicht. Der Missbrauch, dem so manche Natursymbolik im Nationalsozialismus  ausgesetzt war, wiegt heute bei den Deutschen offenbar noch immer schwer. Bin ich also ein alternder Spinner, ein durchgeknallter Esoteriker oder gar ein Ewiggestriger? Irritationen allerorten über das Bedrohliche in und um uns.

Am Abend vorher hat man/frau uns eingeladen, uns auf die Bilder einzulassen, die in den Räumen des Schlosses aufgehängt wurden, mit ihnen in einen Dialog zu treten. Tatsächlich ist es so, dass die Bilder weniger über die dargestellten Personen erzählen, als vielmehr bewirken, dass wir sie als Anlaß nehmen können, mit uns selbst auseinanderzusetzen. Verdrängte, wilde, ungezähmte Gefühle also, mit denen wir uns ungern konfrontieren. Tatsächlich betrachte auch ich diese Bilder mit Unbehagen und würde sie nur ungern in meine Wohnung hängen. Aber sie faszinieren mich doch sehr und lassen mich eine Zeitlang nicht los.

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Lita Cabellut

Die Bilder sind von der spanischen Künstlerin Lita Cabellut, die bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahr teilweise auf der Straße lebte, bevor sie von einer spanischen Adelsfamilie adaptiert wurde. „Durch ihr neues Lebensumfeld wurde sie an die Kunst herangeführt. Später studierte Cabellut an der Gerriet Rietveld Akademie in Amsterdam Malerei. Den bisherigen Höhepunkt ihrere Karriere erreichte Cabellut mit ihrer Ausstellung in Paris, wo sie innerhalb weniger Tage  alle ausgestellten Bilder verkaufte. Seit den letzten zwei Jahren eroberten ihre Gemälde die Museen der Welt. Lita Cabellut arbeitet vor allem auf großformatigen Leinwänden und bedient sich expressiver Gesten. Bevorzugt bildet sie vom Leben gezeichnete Menschen ab. Dabei versucht sie, neben dem Schmerz, Leid und Ellend vor allem ihre menschliche Größe, ihre „Grandeur“ zu zeigen. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Den Haag.“ (Zitat Seminarunterlagen Genshagen)

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Lita Cabellut