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Am 23. September waren der Tag und die Nacht gleich lang. Der Herbst ist da, die Natur beginnt, sich in sich selbst zurückzuziehen und uns in Dunkelheit zurück zu lassen. Als ich mit der Schnellbahn nach Hohenau an der March fahre, fällt mir die Klarheit auf, in der die Landschaft liegt. Strahlend blaue Sonne, scharfe Konturen, tiefe Schatten. Das letzte Mal war ich im Frühling in den Marchauen, als es trocken war und die jungen Brennesseln durch das Laub lugten. Ich konnte mich frei bewegen, sah die Spuren des Wildes am Wald Boden. Hellgrün waren die Baumkronen mit frischen Blättern überzuckert.

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Seit meinem Besuch war also eine ganze Vegetationsperiode vergangen. Ich merkte es sofort, nachdem ich den Auwald betreten hatte. Dichte, wuchernde Vegetation,  nasser, fettiger Boden, summende Insekten,  darunter zahlreiche Gelsen. Die Frösche stoben davon, als ich vorsichtig die zahlreichen Pfützen umschiffte. Meine Hose wurde nass, bis hinauf zu den Knien und die Wanderschuhe bedeckt sich mit fettem, weisslich-braunem Schlamm. Ich kapitulierte bald vor dieser Wildnis, auch der Mückenplage und des hohen Wasserstandes wegen, der mich daran hinderte, meine Lieblingsplätze aufzusuchen. Alles stand unter Wasser, es roch intensiv nach Moder. Ich schlug einen halbwegs trockenen Feldweg ein, der mich bald ans Ufer der March führte. Und dann, die Pracht der vielen gelben und roten Blüten, die überall am Ufer wild und üppig wuchsen. Dort ging es sich gut und ich legte meinen Weg am Ufer bis zur Brücke zurück, auf der man in die Slowakei am jenseitigen Flußufer gelangt.

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Schon lange bedanken wir uns nicht mehr für die Gaben, welche die Welt uns hinter lassen hat. Der Tisch war reichlich gedeckt für Wenige, zu reichlich, wie wir alle wissen. Was haben wir zurückgegeben? Was haben wir der Natur genommen, ohne uns zu bedanken? Ich bedankte mich in einem kleinem Ritual, im fetten Gras an einem der vielen Kanäle sitzend, weil ich denke, dass dies angemessen ist.