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Im Umfeld des Finnland-Schwerpunktes auf der Frankfurter Buchmesse 2014 ist ein neues Genre promoted worden, jenes des Finnish Weird. Erfunden hat diesen Begriff die finnische Autorin Johanna Sinisalo, die mit ihrem 2005 ins Deutsche übersetzten Buch „Troll: Eine Liebesgeschichte“ selbst den Klassiker zu diesem Genre geschrieben hat.

Ich selbst bin auf den Begriff durch die Lektüre des Buches von Pasi Ilmari Jääskeläinen „Lauras Verschwinden im Schnee“ gestoßen, welches ich an anderer Stelle rezensiert habe. Das Buch hat mich begeistert, weil es als qualitativ anspruchsvolle Literatur die Tür zu einer anderen Welt aufgestoßen hat, welche hinter dem unserer pragmatischen Alltagsroutinen verborgen liegt. Ich glaube, dass es lohnt, sich mit dieser Erweiterung des Realitätsbegriffes zu beschäftigen, in der Literatur und in unserem Alltagsleben. Das ist ja auch immer wieder der Grundtenor dieses Blogs.

Was aber macht das typische von „Finnish Weird“ aus. In einer kürzlich erschienen Broschüre zum Thema nimmt Johanna Sinisalo selbst Stellung dazu. Während im 20. Jahrhundert sich der Realismus der finnischen Literatur als einzig korrekter Weg des Schreibens etabliert habe, sei in den letzten Jahren eine Art Gegenbewegung entstanden. Diese vollziehe ein Pendeln bzw. eine Vermischung der Genren Science Fiction, Horror, Surrealismus, Fantasy und magischen Realismus, grenze sich dabei aber durch ihre Qualitätsansprüche deutlich von skapistischer Fantasyliteratur ab. Auch handle es sich auch nicht um Kinderliteratur im eigentlichen Sinn, welche ja eine ausgeprägte Tradition im skandinavischen Raum besitze. Angeregt zur Begriffswahl sei Sinisalo durch den 2011 uraufgeführten Film „Rare Exports“ von Jalmari Helander geworden, eine skurrile Weihnachtsgeschichte, in dem der „wahre“ Weihnachtsmann im Zentrum steht. Ihr Urteil über diesen Film: „Weird in a very Finnish Way.“ Sinisalo schließt ihren Aufsatz mit der Bemerkung: „We are weird and very proud of it.“

„Finnish Weird“ wurde von Jussi K. NiemelÄ in derselben Broschüre noch weiter vertieft. Hier fallen dann Begriffe wie Finnischer Humor, Mythologie und Bedrohung durch die Natur. Nicht nur auf die Genreübergreifende Schreibweise weist er hin, sondern vor allem auf die enge Verbundenheit Finnlands mit der Natur und den damit verbundenen Mythen, die allgegenwärtig seien und nun erneut Eingang in die Literatur lebender Autoren fänden, aber auch auf den eigentümlichen Finnischen Humor.

Ein Genre, das mich neugierig gemacht hat, und wo ich mir gerne vornehme, mir mehr davon „anzulesen“. mehr davon schon bald auf diesem Blog!