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Die Urszene für meine literarischen Bemühungen geht mir nicht mehr aus dem Kopf: das Bild des Vogelmanns in der Höhle von Lascaux (Dordogne, Frankreich) aus der Jungsteinzeit.

Lascaux_01

Ein vor einem Wisent am Rücken liegender (toter, träumender)  Mann mit erigiertem Glied, Vogelkopf und Krallenhänden. Daneben ein Totempfahl, an dessen Spitze ein Vogel sitzt. Der Wisent ist schwer verletzt, seine Innereien sind sichtbar, daneben ein gebrochener Speer. Funde vor dem Bild lassen schließen, dass es sich dabei um einen Kultplatz handeln könnte. Manche sprechen von einem Träumenden, der hier dargestellt wurde, manche sogar von einem Schamanen. Wiederum andere lehnen diese Interpretation ab und sehen in der Darstellung die symbolische Umdeutung von Planetenkonstellationen. Man sagt, der Vogelmann von Lascaux stehe am Anfang einer langen Tradition von Metamorphosen zwischen Mensch- und Tierwelt in der bildenden Kunst.

Wie auch immer die Interpretationen lauten mögen, mir geht es in diesem Fall nicht um eine genaue historische und wissenschaftlich abgesicherte Deutung, sondern um die Vorstellung vom Träumen und Schreiben in der Welt. Das soll für mich Literatur können: sich „hindurchträumen“ durch die Empirie der Welt, die Routinen, das Berechenbare in eine andere Welt, welche unser Dasein erst komplett macht.