Gedenkjahr 100 Jahre Republik: Finnland 1917

Als kleinen Vorgeschmack zum Gedenkjahr 100 Jahre Republik Österreich im kommenden Jahr hat Finnland bereits 2017 100 Jahre Unabhängigkeit gefeiert. Wie auch für Österreich geplant, hat das ganze Jahr über das Gedenken an die Unabhängigkeit/Selbständigkeit die Öffentlichkeit geprägt. Und es zeigte sich deutlich, daß vieles in der hundertjährigen Geschichte Finnlands bis heute ein gesellschaftspolitisches Tabu zu sein scheint. Denn die staatliche Unabhängigkeit Finnlands erschließt sich bei genauerer historischer betrachtung eher als ein Hindurchlavieren zwischen den Abhängigkeiten zwischen Russland und dem Westen. Erst in jüngster Zeit nehmen sich eine Reihe von Historikern, Literaten und Regisseuren den verdrängten und unheilvollen Themen der Vergangenheit an. Angesichts der Geschichte Finnlands erstaunt es wenig, daß die Bewältigung der krisengeschüttelten und prekären Vergangenheit einen langen Prozess erfordert, welcher nicht in einer Generation bewältigt werden kann.

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Als die zaristische Herrschaft in Russland durch die bolschewistische Revolution gestürzt wird, erklärt am 6. Dezember 1917 Finnland seine Unabhängigkeit. Zwischen Teilen der sozialistischen Arbeiterschaft, die sich mit dem noch im Land befindlichen russischen Truppen verbündet und rechtsgerichteten Truppen des Gustav Mannerheim, welche durch von Deutschland entsandte Truppenkontingente  („Jäger“) unterstützt werden,  kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen, die sich bald zu einem mit aller Grausamkeit geführten Bürgerkrieg entwickeln. Den Hintergrund für diese Konflikte bildeten große soziale Gegensätze, die durch ungenügende Reformen im Zuge der Industrialisierung Finnlands entstanden waren und die im Wesentlichen auf die ständische Gesellschaftsordnung Finnlands im ehemaligen Großfürstentum Finnland zurückgehen.

Die mit großer Härte und Grausamkeit geführten Auseinandersetzungen dauerten von ….. bis März 2018, wirkten aber noch bis ……..

Kjell Westö, der finnische Erfolgsschriftsteller, der in seinem in deutscher Sprache erschienen Roman „Das Trugbild“ das Thema auf eine fast unerträglich persönliche Weise wieder aufgenommen hat,  meint in einem Interview:

In der Zeit der Studentenunruhen und der Hippiebewegung erlebte Finnland eine Periode relativer Offenheit. Aber selbst damals wurde das ganze Ausmaß des Bürgerkriegs verschwiegen. Einige Details sind einfach so grausam, dass es für Menschen, die hier leben, noch heute schwierig ist, damit zurande zu kommen, dass wir einander diese Dinge angetan haben. Als ich jung war, habe ich bei einem Historiker einmal gelesen, dass es nach einem Krieg, insbesondere einem Bürgerkrieg, etwa fünf Generationen dauert, bevor man objektiv und ruhig über das Geschehene reden und diskutieren kann. Vielleicht sind wir jetzt, fast hundert Jahre später, erstmals in der Lage, diesen Krieg als vergangenes Ereignis zu betrachten. Früher waren die Gefühle zu mächtig.

Die Sache mit den Erinnerungsmünzen im Jahr der Jahrhundertfeier zur Unabhängigkeit Finnlands zeigt, daß  Westö‘ s eher vorsichtige Einschätzung vielleicht doch zu optimistisch war. Es mag wohl eine größere Offenheit in der finnischen Gesellschaft geben, den Bürgerkrieg in allen seinen Facetten anzusprechen, sensibel bleibt das Thema auf jeden Fall.

Die staatliche Münzanstalt Finnlands hatte anläßlich der 100 Jahrfeier Finnlands den bekannten Designer Ilkka SUPPANEN damit beauftragt, eine Reihe von 5 Euro Gedenkmünzen zu entwerfen, welche sich mit der Vergangenheit des jungen Staates zu beschäftigen. 5 Münzen sollten jeweils 20 Jahre dieser Geschichte abdecken………………..

Dabei ist der finnische Bürgerkrieg nur eines der Themen, über die es schwer ist, in der finnischen Öffentlichkeit zu sprechen. Immer wieder hat der junge Staat als prekäres Staatsgebilde zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland, dann dem kapoitalistischen Westen und der kommunistischen Sowjetunion einen schwierigen Balanceakt vollführen müssen, der erst mit dem Ende des Kalten Krieges bzw. dem Beitritt zur Europäischen Union ein Ende gefunden hat. Dabei sind gewisse Entwicklungslinien zu Österreich, gerade auch in der Zeit nach 1945 vergleichbar: Bürgerkrieg, Nationalsozialismus, Abhängigkeit von der Sowjetunion, Neutralität und Randlage zum Eisernen Vorhang.

Denn kaum waren die tiefen Gräben, die durch die mit größter Grausamkeit geführten Kämpfe zwischen den „Weißen“ und „Roten“ in den Jahren 1917 – 1918 abgeschlossen, sieht sich Finnland mit der europäischen Gebietsaufteilung im Gefolge des Hitler-Stalin Paktes 1939 konfrontiert. Seinen mit Deutschland paktierten „Anspruch“ auf Finnland geltend machend, greifen die Truppen der Sowjetunion im sgn. Winterkrieg 1943 Finnland auf breiter Front an. Denn finnischen Truppen gelingt es durch ein geschicktes taktisches Vorgehen der Roten Armee Verluste zuzufügen, mit denen diese bei weitem nicht gerechnet hatten und die zu einem Waffenstillstand führten. Bis heute wird der Winterkrieg (Finnisch: ……) als Fanal des finnischen Widerstandes, seiner Unabhängigkeit und Einigkeit gefeiert, gerade auch als Gegengewicht zum Terror des ein wenig mehr als zwanzig Jahre vorher herrschenden Bürgerkriegs. Weniger Ruhmreich war die Waffenbrüderschaft der Finnen zum deutschen reich im sgn. …….. und der kampf gegen die Deutschen und Österreicher an der Seite der Sowjetunion im sgn. Lapplandkrieg.

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