Wir und das Tier: ein problematisches Verhältnis

Dieses Mal fiel mir beim Abarbeiten meines Newsfeeds auf, daß sich sehr viele Postings mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier und unserem Ökosystem auseinandersetzen. Da ist uns viel misslungen im Laufe der Menschheitsgeschichte und aus den gesammelten Artikeln tönt ein verzweifelter, letzter Hilfeschrei nach Vernunft. In den Schrei muß ich leider einstimmen. Ob Lesen je geholfen hat, dem Lauf der Welt ein wirksames und kollektives Nein entgegenzusetzen, frage ich mich. Andrerseits mag  ich dem letzten Rest an Aufklärung, der in unserer Gesellschaft noch zu finden ist, nicht auch noch die Grabrede halten. Also bleibe ich dabei:  Lesen, lesen und verstehen! Damit man handeln kann.

rentiergeweih
Rentiergeweih in Finnland. Copyright: Gkowar

In einem schnoddrigen und hingerotzten Gedankenparcour schreibt Paul Jandl in der NZZ (dt.) über den „Animal Turn“ des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier und macht damit deutlich, wen er verachtet, nämlich beide, Mensch und Tier: „Schon wegen der Gefahr, dass das Glück einseitig ist, stehe ich in keiner Beziehung zu einem Tier.“  Da ist mir im Sinne einer global orientierten Ethik und intellektuellen Redlichkeit schon lieber, wenn jemand wie Simon Barnes seine Bücherzensionen (eng.) ernst nimmt und die rhetorische Frage stellt: „Why humans need to rethink their place in the animal kingdom?“ Natürlich kann die NZZ auch anders und ernst, etwa wenn sich Damiano Cantone mit der wachsenden Bewegung der Antispeziesisten auseinandersetzt, die die „irreduzible Distanz zum Tier“ aufheben wollen. An anderer Stelle (eng.) geht es um das Verhältnis des Menschen zu seinem nächsten Verwandten, dem Affen:  „A history of humans trying and failing to understand the minds of apes“, ist dabei der Untertitel. Ich denke, authentischer ist es, über sich selbst bzw. die eigene Gattung zu schreiben als über die anderen. Wobei ein behutsames Verstehen des Tieres ja nicht verboten sein kann. Denn wär hätte je an die Diversität innerhalb von Tierfamilien als Bedingung für Überleben gedacht?

Tier und Mensch sind ein untrennbarer Teil des Ökosystems. Deshalb darf man sich schon fragen, was wir unserem Planeten schulden (eng.) und wie wir unseren ethischen Verpflichtungen konsequenter nachkommen können als bisher. Man möchte sich den Argumenten von Bernardo Araujo (eng.) gerne anschließen, der für die ethische Verantwortung des Menschen für die Bewahrung jedes Lebens bzw. unseres ökologischen Systems plädiert. Ein interessanter Sonderfall ist dabei wohl sicher die proaktive Bewahrung der alten Wälder (eng.).

Problemstellungen und Dystopien alleine sind aber meiner Meinung nicht genug: deshalb dürfen wir uns schon an den wunderschönen Landschaften des Nordens, darunter auch die Lofoten ergötzen. Es gibt ja so viel Schönes zu sehen, wenn man nur hinsehen will. Man muß dazu ja nicht zum Jupiter reisen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.