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Angeregt durch einen Artikel von Nimue Brown (Urban trees for Magical Transformation, eng.) habe ich darüber nachgedacht, zu welchen Bäumen ich in der Stadt Zuflucht nehme, um meine spirituelle Energie wieder aufzutanken. Da ist zunächst der Baum vor meinem Fenster, den ich jeden Tag beim Aufstehen sehe, den ich in der Nacht bei offenen Fenster betrachte und dessen Duft ich im Frühling genieße. In der Nähe meiner Arbeitsstätte gibt es einen sehr großen Park mit einer Platane unter der ich gerne zur Mittagszeit meditiere und die Stille genieße. Vor meinem Wohnort ist dann noch der Park mit den vielen Kastanienbäumen, die im Frühling und Sommer ein wunderbares Mikroklima entfalten, das ich nicht missen möchte. Auch auf der nahegelegenen Donauinsel gibt es verschwiegen liegende Stellen mit schönen Bäumen, auf denen Rabenvögel nisten und die ich regelmäßig aufsuche. All diese Orte sind für mich Referenzpunkte der Ruhe aber auch Tore zu einer anderen Welt, die mir im städtischen Alltag sehr oft verschlossen bleibt.

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Donauinsel. By Manfred Werner – Tsui – Own work, CC BY-SA 3.0,

Nimue Brown hat sich die Mühe gemacht, den Segen der Bäume in der Stadt zu beschreiben. Bäume reduzieren Lärm, reduzieren die Hitzeentwicklung, produzieren Sauerstoff, und durchbrechen die Monotonie der Straßenschluchten. Nicht zuletzt: Bäume entfalten ihren eigenen Zauber, versorgen uns mit Energie und unterstützen unsere psychische Gesundheit. Sie sind ein notwendiges ästhetisches Erlebnis. Ich kann nur empfehlen, sich seine Bäume zu suchen und sie auch regelmäßig aufzusuchen.

Wie es meine Art ist, desilusioniere ich gerne mich und andere, wenn es notwendig ist. Und so sind die oben geschilderten Bäume natürlich zahlreichen Gefährdungen ausgesetzt. Der Baum vor meinem Fenster kränkelt vor sich hin, bekommt jeden Frühling immer weniger Blätter, seine Äste werden dürr. Unter den wunderbaren Kastanienbäumen im Park toben tags Kinder und nachts Jugendliche und lassen nur selten Ruhe und Konzentration aufkommen. An der Platane im Citypark wehen Sommers die Frittiergerüche der nahen Imbissbuden, wenn die Stadtverwaltung wieder einmal für die zahllosen Touristen ein „Event“ veranstaltet und den Park vor dem Rathaus unpassierbar macht. Was einzig regelmäßig Ruhe verspricht ist die Donauinsel, die aber ist am Wochenende unbedingt zu meiden. Es ist nicht leicht, die Tür zu finden.

Aber ich will sie nicht missen, „meine Bäume“ und ich denke, ich muss mich halt mit dem behelfen, was mir im Alltag zugänglich ist. Gelassenheit und Geduld sind gute Ratgeber, auch in spirituellen Dingen. Vielleicht findet sich noch ein anderes Plätzchen, wenn man nur genügend lange sucht.