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Es ist gar nicht so einfach, sich bei den Pflanzen des Baum-Oghams zurechtzufinden. Das Suchen nach den Spezifikationen der von mir am vergangenen Wochenende gesammelten Efeublätter und -früchte zeigt das wieder einmal deutlich. Dabei stellt sich heraus, daß das Internet manchmal ein denkbar schlechtes Instrument ist, um sich verläßliche Informationen zu verschaffen. Die eklektische und sich sehr oft als prophetisch gerierende Art, mit der manche AnbieterInnen ihre Informationen verbreiten, ist gerade im Fall von giftigen Pflanzen äußerst problematisch. In den meisten Fällen fehlen die notwendigen Quellenangaben. Oft schreibt eine Autorin von der anderen ab und verschweigt dies geflissentlich. Nicht einmal ganze Sätze werden verändert, um den intellektuellen Diebstahl zu verschleiern. Der nach Informationen Suchende scheint aufs bloße Glauben angewiesen zu sein: gerade deshalb ist kritisches Hinterfragen allemal sinnvoll.

Wikipedia ist zwar hinsichtlich der Quellenlage und der verwendeten Informationen im Sinne einer freiwilligen Selbstkontrolle seiner AutorInnen meist gut abgesichert, dennoch empfiehlt sich auch hier oft der kritische Blick. Sehr gut komme ich hingegen mit dem schweizer Heilpflanzenlexikon zurecht – es soll ja auch Positives erwähnt werden.

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Efeu: By Esser, Peter, 1859- Wikimedia Commons

Ich rate dazu, sich ein wissenschaftlich abgesichertes Handbuch über Pflanzenheilmittel anzuschaffen, denen man gültige Aussagen über die pharmakologische Wirkungsweise abgewinnen kann. Schon zum eigenen Schutz sollte man zwischen der pharmakologischen Wirkung einer Pflanze, der historischen Anwendung und dem heutigen Gebrauch in der Volksmedizin und mythisch begründeten Überlieferungen unterscheiden. Das Beispiel Efeu zeigt dies deutlich. Pharmakologische Quellen etwa  weisen darauf hin, daß Efeu eine giftige Pflanze ist, insbesondere seine Früchte. Vor allem Kinder sollten vor der Einnahme geschützt werden. Viele vernünftige Quellen warnen vor der inneren Anwendung, die nur mittels medizinisch getesteter Präparate erfolgen sollte. Efeu wirkt ja schleimlösend und hilfreich bei Erkrankungen des Atemapparates. Die Volksmedizin wiederum empfiehlt Umschläge bei Infektionen der Haut oder Efeusalben bzw. -öle bei der Behandlung von Cellulitis, trotzdem der Umgang mit Efeu zu Hautreizungen führt. Efeublätterumschläge sollen bei Hühneraugen helfen. Aber: wer will an den aus dem Mittelalter überlieferten Praktiken teilhaben, die Efeuabsud gegen die Wirkungen von Alkohol verabreichten?  Auch die allseits verehrte Hildegard von Bingen sollte ja in ihren Hinweisen nicht als sakrosankt gelten. Daß die Priesterinnen des Baccus Mänaden sich einen Trank bestehend aus Efeusud, Kiefernsaft und Fliegenpilzen zubereitet hatten, um ekstatische Visionen zu haben, dem wird man wohl klugerweise auch nicht nahetreten wollen.

Lassen wir deshalb die Kirche im Dorf. Bedingungslose Experimentierbereitschaft mit Efeu kann im günstigsten Fall enttäuschend, im schlechtesten Fall in der Notaufnahme enden. Verläßliche Informationen sind wichtig.  Martin Koradi hat sehr übersichtlich einige Kriterien aufgelistet, die einem bei der Anschaffung eines seriösen Heilpflanzenbuches unterstützen sollen. Ich empfehle, seinen Hinweisen zu folgen. Doch vermeiden wir gleichzeitig auch ein mögliches Mißverständnis, auf das Wolf-Dieter Storl in seinem Buch Kräuterkunde hingewiesen hat, nämlich die pharmazeutische Wissenschaft gegen die Naturheilkunde auszuspielen.  Selbstverständlich hat die pharmazeutische Industrie in ihrer Lobbying – Arbeit sehr oft die jahrhundertealte (und erfolgreiche) Volksmedizin in Verruf gebracht: so als hätte sie nicht Unschätzbares für die Volksgesundheit geleistet, als ärztliche Versorgung in Europa noch für die Mehrzahl der Bevölkerung nicht verfügbar und leistbar war. Pflanzenheilkunde macht auch heute wieder Sinn, gerade angesichts einer sich umsatzbewußt oft unverantwortlich gebärdenden pharmazeutischen Industrie. Aber man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: und deshalb sowohl bei pharmazeutischen Produkten als auch bei Naturheilkunde die nötige Vorsicht walten lassen.

Dabei haben wir bisher nur von den rein informativen Webseiten gesprochen und nicht von jenen, die mit der Pflanze verbundene Produkte anbieten. Sie sind oft in der Einschätzung der Wirkungen der Pflanzenprodukte widersprüchlich und die Produkte unangemessen teuer. Hier wird mit der Sehnsucht nach Spiritualität geworben, die dabei verwendeten Begriffe sind in höchstem Maße spekulativ: man sollte deshalb immer eine gewisse Vorsicht beim Lesen walten lassen. Spiritualität und Rationalität sind ja per se kein Widerspruch und Spekulation bedeutet nicht Transzendenz.

Daß meine Kritik leicht nachzuweisen ist, sollen einige Beispiele aus dem Angebot von Efeu-Räucherwerk zeigen: Beim Räucherguru wird die Wirkung des geräucherten Efeus als schützend, heilend und lösend angeboten, Spirit-Räucherwerk vermeidet von der Wirkung geräucherten Efeus zu sprechen, sondern sagt lieber unspezifisch Efeu – Energie dazu, welche Angste bearbeiten und verschüttete Potentiale ans Licht bringen sollen; KräuterundGeist verspricht die Herbeiführung von Trancezuständen, die Mondfee preist Efeu – Räucherwerk an, um sich mit Kraft und Freiheit zu erheben. Der zugegeben umfangreich recherchierte Katuschka’s Celtic Garden bietet zur Efeu Räucherung ebenfalls phantasievolles aber zu Hinterfragendes an: Kontakt zu den Ahnen und unserem Unbewußten, aber auch vor bösen Geistern wird gewarnt.

Was kann Efeu – Räucherung also wirklich?  Nur eine eingehende Beschäftigung mit der Pflanze wird dazu die Antwort geben können. Von dem, was die praktische Arbeit im Rahmen des Baum – Ogham ergibt, kann möglicherweise auf die Wirkung der Efeu-Räucherung geschlossen werden. Oft sind aber dann die Ergebnisse sehr individuell und von der eigenen Wahrnehmung abhängig und deshalb nur beschränkt veröffentlichbar. Sie finden vielleicht Eingang in ein spirituelles Tagebuch, wo sie auch ihren angemessenen Platz finden, in Eigenverantwortung und Selbstreflexion. Verallgemeinert können sie nicht werden. Auf welche Räuchertraditionen sollte man sich denn berufen? Umgekehrt, von 100 ml schnell verglühenden getrockneten Efeublättern um 6,20 EURO (sic!) bestimmte spirituelle Ergebnisse zu erwarten, ist sicher der falsche Weg.

Auch was das keltische Baum-Ogham, das heißt die von mir gewählte geistig-spirituelle Seite der Beschäftigung mit einer bestimmten Pflanze betrifft, kommt das angebotene Wissen oft sehr autoritativ einher, kann diesen Anspruch aber nur in wenigen Fällen einlösen. Oft sind willkürliche Informationshappen eklektisch aneinandergereiht und mit scheinbarer Bedeutung versehen worden. Dass die angebotene Meinung, ja sogar die spirituelle Begründung im besten Fall die persönliche Einschätzung (und nicht die Phantasie) des Autors/der Autorin darstellt, liegt auf der Hand. Es nicht als private Meinung auszuweisen, ist jedoch unverantwortlich. Naturreligiosität bedeutet nicht, sich mit selbsternannten Propheten abgeben zu müssen und im Glauben an Unsinn spirituell zu verwildern. Social Media sind keine Autorität, auch wenn sie sich als Instrument der Lebensführung gerieren.  Sich gesichertes Wissen zu erwerben, ist ein langwieriger Prozeß, welcher geeignete Informationen, praktische und spirituelle Erfahrungen und vor allem Zeit zu seiner Verarbeitung erfordert. Nichts geht von Heute auf Morgen! Spiritualität entzieht sich, den Göttern sei Dank, pragmatisch angelegten Input-Output Mechanismen.

Für meine spirituelle Arbeit mit dem keltischen Baum-Ogham (derzeit mit dem Efeu/Gort) benutze ich daher zwei bis drei sauber recherchierte Bücher, die mit Quellenangaben nicht geizen und deren VerfasserInnen auch eine gewisse Fachautorität und spezifische Ausbildung nicht vermissen lassen.

  • Steven Blamires: Baum Magie. Mit dem keltischen Ogham-Alphabet. Heyne Verlag. München, 2003. Das Buch ist mittlerweile vergriffen.
    Der irisch-amerikanische Autor stellt hier nicht nur eine ausführliche, auch historische Einleitung zum Baum-Ogham vor, sondern widmet sich auch ausführlich und systematisch den einzelnen Pflanzen. Er bespricht die Physische Ebene, die Mentale Ebene und die spirituelle Ebene des jeweiligen Baumes/Strauches und widmet sich dann der praktischen Arbeit mit ihr.
  • Wolf-Dieter Storl: Pflanzen der Kelten. Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender. AT-Verlag. Aarau, 2013. Erhältlich auch als Ebook bei Thalia.at. Storls Buch geht weit über den Rahmen des Baum-Ogham hinaus, es behandelt den Kosmos der Kelten von einem ethno-historischen Standpunkt aus, in dem die Pflanzenwelt eine ganz besondere Bedeutung besaß.
  • Danu Forest: Celtic Tree Magic. Ogham Lore and Druid Mysteries. Llewellyn. Woodbury, 2014. Erhältlich bei Thalia auch als Ebook. Schwerpunkt dieses Buches liegt auf der spirituellen Praxis der Arbeit mit keltischen Baumzauber, daneben finden wir aber auch ausführliche Hinweise auf die einzelnen Bäume und Sträucher des Baum-Oghams.

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