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Arrival_of_the_post,_Cetinje,_Montenegro-LCCN2001699412

Ankunft des Postwagens in Cetinje, um 1900. Wikimedia Commons.

Drei Minister, ihre Entourage und jede Menge Kulturmanager fahren spät nachts auf der unbeleuchteten Bergstraße zurück in die Hauptstadt des kleinen Landes, welches seinen Namen nach dem dunklen Farbe seiner wunderschönen Berge trägt. Die Strände des Landes haben einstmals zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehört. Der in dem kleinen Land regierende König hat einen kleinen Operettenkönigshof geführt, verzweifelt um eine Balance mit den Großmächten gerungen. Sein Empfangszimmer hat er mit den Portraits der großen europäischen Herrscher seiner Zeit geschmückt, mit seiner dynastischen Verwandtschaft und diplomatischen Vernetztheit geprahlt. Trotzdem mochte man die Österreicher im Süden auf alle Fälle mehr als die Osmanen im Norden.

Heute überschwemmen russische Touristen das Land und haben sich der einstmals billigen und wunderschönen Grundstücke bemächtigt. Pensionierte Touristen aus ganz Europa tuen ihr übriges. Das Land verkommt zum Urlaubsland, mit all den negativen Folgen für Land und Leute. Man will in die Europäische Union, so ist zumindest ist die offizielle Politik. Einige werden profitieren, tun es ja schon jetzt. Die Politiker gewöhnen sich an Slim-Fit Anzüge und europapolitisches Blabla.

Nach dem Literaturabend in der alten Hauptstadt, bei dem die regionale Kooperation beschworen wurde, fährt der Konvoi hinunter in die heiße Ebene: schwarze Limousinen und weiße Kleinbusse schlängeln sich auf der Bergstraße nach unten. Man freut sich auf das Abendessen in Podgorica und ist durstig und müde vom langen Tag. Manche wollen auch ganz einfach nur ins Bett. Seit 9 Uhr morgens war kontinuierlich Programm.

Plötzlich taucht aus der Dunkelheit ein Pferd auf, springt auf die Straße, wird von einem schwarzen Fahrzeug des Konvois erfaßt, fällt auf die Windschutzscheibe, pulverisiert diese und flüchtet dann bergab. Die vier Wageninsassen sind nur leicht verletzt, aber im Schockzustand. Der Wagen, so berichtet man, habe einen Totalschaden. Die Kühlerhaube ist schwer beschädigt. Ich habe wie viele Andere von dem Vorfall nichts bemerkt, war in einem der weißen Kleintransporter, die dem Konvoi voranfuhren. Vom Unfall erfahre ich erst beim Halt im Restaurant, wo für die große Gruppe gebucht wurde. Viele nehmen erst dort vom Unfall Kenntnis, wie im Vorübergehen, fast nebensächlich. Niemand verletzt? Alles gut! Weiß- oder Rotwein? Der Rotwein ist allerdings aus Serbien.

Es hätte auch Tote geben können, unerwartet, grausam, unverrückbar. Das Leben schreitet voran, unaufhaltsam.