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Klänge aus aller Welt. In der katholischen Kirche des Ortes ist der Altarraum mit einem dunklen Vorhang abgedunkelt, davor wurde eine Bühne errichtet, die die ganze Breite des Kirchenschiffes ausmacht. Drei Gruppen sollen auftreten: eine große Jodlertruppe aus einer nahegelegenen Ortschaft, eine Hula-Gruppe aus Hawaii und eine Joikerin aus dem Norden Norwegens. Alle sind neugierig auf welches musikalische Abenteuer man sich hier einlassen will, aber immerhin sind bei 250 Leute gekommen, meist Menschen us der Region, in welcher die Veranstaltung im Rahmen des Klangfestivals stattfindet.

Die Naturjodler: meist junge, kräftige und ausschließlich Männer, die ernst ihrem Kunst nachgehen, dabei etwas finster dreinblicken und in machistischer Manier mit den Händen in den Taschen und hervorgelocktem Unterleib dastehen. Die Joikerin: blond, mittleren Alter, etwas hausbacken joikt sie entrückt die Seele der Dinge und nicht über die Dinge. Die hawaianische Männerband ist ein starker Gegenpol: halbnackt, drücken sie ihre Erzählungen nicht nur mit ihrer Stimme sondern auch mit Gesten aus. Trotz ihrer beachtlichen Leibesfülle tanzen sie mit seltener Eleganz und voller Körperbeherrschung.

Da es offenbar zu schwierig ist, stimmlich zu einem Klangbild zusammenzufinden, lassen sie es lieber gleich bleiben und singen getrennt. Nur die Übergänge zwischen ihnen Auftritten gestalten sie gemeinsam. Dafür tut der Moderator sein bestes, mit klugen Überleitungen die getrennten Teile zusammenzufügen. Auch die Überleitung zwischen den Stücken ist sehr geschickt inszeniert und so kommt nie Langeweile auf. Im Gegenteil, das Publikum geniesst die Klangbilder offenbar mit großem Vergnügen.

Ich denke, daß noch vor wenigen Jahrzehnten derartige Auftritte nur sehr selten zustande gekommen wären, die Veranstalter aber offenbar das Beste aus der Globalisierung machen, um unterschiedliche Musikwelten auf gelungene Weise präsentieren zu können. Obwohl ich noch nie eine hawaianische Hula Band erlebt habe, gefällt mir das Joiken wohl am Besten. Da kann auch die ganze Jodelkunst in meiner Gunst nicht mithalten.

Allen gemeinsam ist, daß sie gegen den internationalen und globalisierten Musikmarkt ansingen, oder besser gesagt ihre Nische suchen. Gleichzeitig halten sie noch das Banner der Tradition und der alten Mythen hoch, in einer musikalischen Qualität und Originalität, die auf dem nivellierten Musikmarkt ihresgleichen sucht. Da verzeiht man den Jodlern auch das eine Stück, wo sie mit Klischees ihren Heimatort besingen: auch das darf sein, wenn es sonst stimmt.