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Harzklumpen, verschiedene Nadelbäume, Copyright: tinderness

Ein wenig enttäuscht war ich schon, als ich das Buch von Christine Fuchs: Räuchern mit einheimischen Pflanzen. Sammeln, Mischen, Anwenden. (online kaufen auf Thalia) fertiggelesen hatte. Wer sich hier eine DIY – Anleitung erwartet, wie es eigentlich der Titel nahelegt, erwartet hat, mag wie ich ein wenig verärgert sein. ich habe durch eine euphorische Kritik auf Experiment Selbstversorgung zu diesem Buch gegriffen, ein Fehlgriff, wie sich herausstellte.

In vier großen Kapiteln des knapp hundertseitigen und überreich bebilderten Ratgeber des Kosmos Verlages  erleben wir wohl mehr bunte Bilder als informativen Text – ein typisches Buch für unsere lesefaule Zeit, in der die Menschen lieber in Bilderlust (131 Bilder!) schwelgen als aktive Lesearbeit leisten wollen.

So weist das 1. Kapitel unter dem Titel Kleine Räucherkunde auch nur sehr kursorisch auf die Grundbegriffe des Räucherns hin. Neben einem elementaren Howto des Räucherns auf Räucherschale oder Räucherstövchen (ausführliche Hinweise auf das Räuchern mit Räucherstäbchen oder Räucherkegel fehlen!), sollen den LeserInnen auch Informationen zur Qualität von Räucherwerk im Handel, Grundbegriffe zum Ernten und Sammeln, Trocknen und Aufbewahren angeboten werden. Über allgemeine Phrasen kommt das Buch aber schon hier nicht hinaus: weder erfährt man, welche konkreten Qualitätskriterien an Räucherwerk im Handel anzulegen sind („Am besten immer Natur pur“) noch zur Ausstattung und Beschaffenheit eines Trockenraums und schon gar nicht zum Sammeln und Trocknen eines Grundbestandteils von Kräutermischungen, dem (einheimischen) Harz. Auch wer mehr zu den Regeln einer Räuchermischung erfahren will, der wird enttäuscht werden. Zwar sind im ganzen Buch Rezepturen von Kräutermischungen verstreut, die hochkomplexen Zusammensetzungen lassen sich jedoch kaum aus dem eigenen Bestand mischen, sondern verführen wohl eher zum Großeinkauf  im Handel. Das eigenständige Mischen bleibt der sgn. Intuition überlassen, es wird so getan, als gäbe es keine Regeln, die den Lernenden anleiten könnten.

Schlimmer wird es mit der Unkonkretheit der Autorin im 2. Kapitel Wie Räucherdüfte wirken. Mit mehr als allgemeinen Phrasen möchte uns die Autorin nicht versorgen, sodass sowohl der/die naturwissenschaftliche Orientierte als auch historische Interessierte und wohl auch der in spiritualistischen Ritualen Erfahrene weiterführende Hinweise vergeblich suchen wird. Im 3. Kapitel werden unter dem Titel Heimische Kräuter und exotische Harze 40 der nach Meinung der Autorin beliebteste Pflanzen/Harze kurz vorgestellt. Zu einer verantwortungsvollen Bestimmung und einer konkreten Wirkungsanalyse der Substrate reicht dieses „Anreißen“ allerdings bei weitem nicht aus. Auch die Literaturhinweise im letzten Kapitel sind mager und beliebig geraten.

So bleibt das Buch insgesamt zu sehr in Allgemeinheit verhaftet und ist wohl mit vielen anderen seiner Art einem Wohlfühl-Durchblättern ohne viel intellektuellem Gewinn verhaftet, ganz im Stil der Lifestyle – Büchlein der heutigen Tage. Wenig wird dem Leser/die Leserin Anleitung zur Selbsttätigkeit und Selbstverantwortung in Räucherangelegenheiten gegeben. Die „erfahrene Kräuterfrau Christine Fuchs“ (Klappentext) teilt ihr Wissen nicht. Bestenfalls dient das 2016 erstmals erschienene Buch dem Einstieg in ein Kauferlebnis in den diversen Online Räucherwerkläden, die in den letzten Jahren ins Kraut geschossen sind. Und das kann kein Zufall sein: die Autorin hat sich in den letzten Jahren einen doch recht frequentierten Online Shop namens Lap.danum erarbeitet, welcher auf seine basisinformierten Kunden und Kundinnen wartet. Die Informationen hätten wohl auch in etwas knapperer Form auf ihre Webseite gepaßt und kaum eines gesonderten Buches bedurft. Dafür sollte man nicht 15 Euro berappen.

Das Buch ist bei weitem kein Standardwerk zum Räuchern mit einheimischen Pflanzen geworden, höchstens ein Appetittanreger zum Kaufen im Onlineshop.