Davos: Ein zahnloser Film aus Österreich

Die beiden Filmemacher Julia Niemann und Daniel Hösl haben über ein Jahr in Davos gelebt, um dort den gleichnamigen Film (2020) zu drehen. Ursprünglich sollte das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) nicht im Mittelpunkt ihres Filmes stehen, letztendlich habe sich das Thema nach Ansicht der Regisseure aber einfach aufgedrängt. So ist ein vordergründig engagierter und scheinbar kritischer Film über das Treffen der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik entstanden, der aber über eine moralisierende Beobachtung von Zaungästen nicht hinauskommen wird. Wie heisst es so pathetisch auf der Homepage des Films: „Der Film ist eine Chance, das Bewusstsein für globale Themen, die uns alle betreffen, zu schärfen. Davos geht uns alle an.“ Diesem Anspruch wird der Film leider nicht gerecht.

Zwei Welten werden gezeigt: jene des „normalen“ Lebens der Gemeinde Davos und der Ausnahmezustand anlässlich des seit fünzig Jahren jährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforums. Diese Welten fallen erwartungsgemäss auseinander. Während die Bauern und Migranten arm sind, in prekären Verhältnissen leben und hart arbeiten, machen die Mächtigen der Welt ihre klandestinen Geschäfte hinter verschlossenen Türen. Manche protestieren dagegen. Greta Thunberg wirft den Verantwortlichen Untätigkeit vor: Our house is still on fire and you’re fuelling the flames. Davos indes profitiert vom Kongresstourismius. Das ist alles nichts Neues und wenig überraschend. Wozu brauchen wir also diesen Film? Um als aufgeklärte Menschen unsere Erwartungshaltungen zu bestätigen? Um ein wenig Schweizer Ambiente zu schnuppern? Um uns von FilmemacherInnen belehren zu lassen? Um die böse Weltelite wieder einmal kritisieren zu dürfen? Davos ist Bauerndorf, Luftkurort, Wintersportort und Kongressort: aber auch das steht in Wikipedia und stellt wohl keine neue Einsicht dar.

Auch formal vermag der Film nicht zu überzeugen, Sequenz reiht sich an Sequenz, 99 Minuten lang und ohne eigentliche Einsicht, überraschende Wendung oder ästhetischen Genuss.

Der Film ist, brutal gesagt, überaus langweilig. Ein bemüht engagierter Film, der weder zu überzeugen vermag, noch interessante Einsichten bieten kann. Ein typisch kritischer Film aus Österreich eben.

Davos ist der meiner Meinung nach schlechteste Film im Reigen der hochwertigen Produktionen, die im Rahmen des Filmfestivals This Human World gezeigt wurden. Schade um die Zeit, schade um das Geld.

Indes soll das WEF pandemiebedingt nach Singapur weiterziehen. Das ist katastrophal für die Bewohner des Ortes, man wird sich neue Einkommensquellen suchen müssen. Aber auch das war erwartbar.

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