Finnish Weird. Auf der Suche nach dem Unerklärlichen.

Im Umfeld des Finnland-Schwerpunktes auf der Frankfurter Buchmesse 2014 ist ein neues Genre promoted worden, jenes des Finnish Weird. Erfunden hat diesen Begriff die finnische Autorin Johanna Sinisalo, die mit ihrem 2005 ins Deutsche übersetzten Buch „Troll: Eine Liebesgeschichte“ selbst den Klassiker zu diesem Genre geschrieben hat.

Ich selbst bin auf den Begriff durch die Lektüre des Buches von Pasi Ilmari Jääskeläinen „Lauras Verschwinden im Schnee“ gestoßen, welches ich an anderer Stelle rezensiert habe. Das Buch hat mich begeistert, weil es als qualitativ anspruchsvolle Literatur die Tür zu einer anderen Welt aufgestoßen hat, welche hinter dem unserer pragmatischen Alltagsroutinen verborgen liegt. Ich glaube, dass es lohnt, sich mit dieser Erweiterung des Realitätsbegriffes zu beschäftigen, in der Literatur und in unserem Alltagsleben. Das ist ja auch immer wieder der Grundtenor dieses Blogs.

Was aber macht das typische von „Finnish Weird“ aus. In einer kürzlich erschienen Broschüre zum Thema nimmt Johanna Sinisalo selbst Stellung dazu. Während im 20. Jahrhundert sich der Realismus der finnischen Literatur als einzig korrekter Weg des Schreibens etabliert habe, sei in den letzten Jahren eine Art Gegenbewegung entstanden. Diese vollziehe ein Pendeln bzw. eine Vermischung der Genren Science Fiction, Horror, Surrealismus, Fantasy und magischen Realismus, grenze sich dabei aber durch ihre Qualitätsansprüche deutlich von skapistischer Fantasyliteratur ab. Auch handle es sich auch nicht um Kinderliteratur im eigentlichen Sinn, welche ja eine ausgeprägte Tradition im skandinavischen Raum besitze. Angeregt zur Begriffswahl sei Sinisalo durch den 2011 uraufgeführten Film „Rare Exports“ von Jalmari Helander geworden, eine skurrile Weihnachtsgeschichte, in dem der „wahre“ Weihnachtsmann im Zentrum steht. Ihr Urteil über diesen Film: „Weird in a very Finnish Way.“ Sinisalo schließt ihren Aufsatz mit der Bemerkung: „We are weird and very proud of it.“

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„Top of the Lake“ – Zum Mythos Wildnis, Teil 5

Wie verarbeitet eine Filmemacherin, die sich in ihrem Schaffen vorrangig mit Frauenschicksalen befaßt hat, die Wildnis? Klischeehaft denke ich, dass eine engagiert weibliche Betrachtungsweise einen fundamentalen Unterschied nahelegt zur sonst gebräuchlichen filmischen Verarbeitung der Natur. Ich spreche hier von Jane Campions sechsteiliger Miniserie Top of the Lake, die im November 2013 auf Arte ausgestrahlt wurde, aber auch als Video on Demand am Kunstkanal Mubi und auf Netflix angesehen werden kann. Am Stück habe ich sechs Stunden genossen und bin recht nachdenklich zurückgeblieben.

Oberflächlich betrachtet könnte man Top of the Lake als Krimiserie ansehen, in der es um das Verschwinden einer mißbrauchten, schwangeren Zwölfjährigen in den Bergen eines fiktiven Ortes namens Laketop geht. Dem geht eine in ihren Heimatort  zurückgekehrte Ermittlerin nach, die im Laufe ihrer Ermittlungen einen Sumpf aus Gewalt und unbewältigtem Leid freilegt, der auch sie nicht unbeschadet läßt.  Das wäre ja durchaus Stoff für eine jener Durchschnittsserien britischer, us-amerikanischer oder skandinavischer Provenienz. Jane Campion und Garth Davies machen mehr daraus und drehen im Queenstown Lake District in Neuseeland ein beeindruckendes Drama um dunkle Geheimnisse und kaum verdrängte Gewalt in überwältigender Landschaft. Unwillkürlich fühlte ich mich an die Kultserie Twin Peaks erinnert, doch die Irrfahrten menschlicher Befindlichkeit führen bei Campion nicht wie bei David Lynch ins Absurd – Okkulte, sondern ins Zentrum dessen, was wir in uns nur schwer beherrschen können, ins halb Verdrängte, Vergessene und Unaussprechliche verwirrender Seelenlandschaften.

Gleich zu Beginn wird klar gemacht, dass die Wildnis am Ende der Welt nicht für Projektionen der ZuschauerInnen zur Verfügung steht. Am Ende eines über 70 Kilometer langen Sees, der in einer einsamen, schwer zugänglichen und von dichten Wäldern geprägten Gebirgslandschaft liegt, siedelt sich in einem Containerdorf eine Gruppe von Frauen an, die in einer Art Selbsthilfegruppe ihren traumatischen Erfahrungen mit Männern nachhängen.

William Blake: The Tempation of Eve.
William Blake: The Tempation of Eve.

Der Ort heißt ironischerweise Paradise, entsprechende Erwartungshaltungen werden aber gleich mit dem Motto der ersten Miniserie konterkariert: mit Lost Paradise wird sie, offenbar in Anspielung an John Miltons Paradise Lost bezeichnet.  Kaum Aussicht auf Hoffnung also für die Geschlagenen denn an psychische Genesung ist nicht zu denken, trotz aller Bemühung um Selbsterfahrung, Medidation und andere sozialtechnologische Praktiken. Auch das Eintauchen in die Szenerie der Landschaft hilft nicht mehr. Die Unschuld und das Potential der Wildnis ist zu Ende, wenn Menschen in ihr leben.  Das Paradis ist verspielt. See, Wald und Berge sind statt dessen dramatische Kulisse und unheimlicher Ort entsetzlicher Geheimnisse – selten aber Vehikel der ganz großen Gefühle von Zärtlichkeit und Liebe. Draußen Wildnis, aber auch in den Menschen Wildnis, welche um ein Vielfaches grausamer sein kann als die Herausforderungen durch die Natur. Das Paradies ist verspielt.

Machen wir uns nichts vor, der Mythos Wildnis wurde wohl von einer eigenartigen Spezies von Männern konstruiert; von Pionieren und Bezwingern, skrupellosen Unternehmern, siegreichen Pseudohelden, rauhen Vereinsamten und sadistischen Irrläufern. Der patriarchal organisierte Zivilisationsprozeß mag wohl letzten Endes ein Fehlschlag gewesen sein. Frauen gehen vielleicht anders vor. Doch Campion disillusioniert auch hier, denn längst ist die Natur keine Heilerin mehr und Frauen nicht ihre Verbündeten. Anstatt das naheliegende Klischee von der „Heilenden Natur“ oder „Mutter Erde“ aufzugreifen, bleibt die Sicht der Regisseurin auf die Natur seltsam distanziert. Denn wo der Mensch sich nicht helfen kann, da kann auch die Natur nichts tun. Wie ein Raubtier fauchend, erschießt ein Opfer bedenkenlos all jene, die sie und ihr Neugeborenes zu bedrohen scheinen – auch die Natur in uns kennt keine Moral, wenn es ums Überleben geht. Rat weiß letzten Endes auch die von der Frauenkommune unfreiwillig zum weiblichen Guru erhobene Führerin G.J. im verlorenen Paradies  nicht zu geben. Der in sich selbst verstrickten Ermittlerin prophezeit sie nur Unheilvolles und als diese am Boden zerstört ist, darf sie nicht auf Hilfe hoffen. Allein den Rat, sich wie eine Katze zusammenzurollen und schlafend sich selbst zu heilen, will G.J. geben. Einsam ist der Mensch in der Wildnis, aber noch einsamer mit sich selbst.

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Aus dem Vorspann des Films

So leiden Mann und Frau, jeder für sich und gegeneinander. Sie stehen einander schroff und unversöhnlich gegenüber, bereit einander Böses anzutun und am Anderen zugrunde zu gehen. Beide leiden, die Männer allerdings an der Spitze der Verteilungspyramide. Wie kann Natur da noch helfen? Hilflos sieht sie als Kulisse zu, so daß es fast weh tut, sich ihrer Schönheit hinzugeben. Sie umhüllt die Akteure so, wie das eiskalte Wasser des Sees diejenigen, die darin umkommen wollen und es doch nicht alleine schaffen. Nur manchmal blitzt die Schönheit auf, wie das Moos des Waldes, das die beiden Liebenden umhüllt. Unter der spiegelglatten Fläche des Sees lauert nur Leiden, nie aber Trost.

Einsam in die Wildnis. Zum Mythos Wildnis, Teil 4.


In der dieswöchigen NYTimes Beilage des heutigen Standard lese ich einen interessanten Artikel von Michael Cieply: In a Wired World,  Movies About Being Alone. Da ich mich auf diesem Blog sehr gerne mit den Bildern und der Symbolik von Wildnis beschäftige, habe ich hier eine kurze Zusammenfassung verfaßt:

***Ausgehend vom dem Anfang Dezember 2014 in den USA erscheinenden Film Wild,  bei dem es um eine Alleinbegehung des Pacific Crest Trails nach der Buchvorlage von Cheryl Strayed geht, bemerkt der Artikelautor einen kleinen,  aber ständigen Strom von Filmen, bei denen es um die menschliche Einsamkeit gehe. Andere Beispiele seien Johannes Currans Tracks (2013) (Durchquerung der Australischen Wüste), Deepsea Challenge 3D (2014) (eine Tiefseetauchfahrt), Alfonso Cuarons Gravity (2013), J. C. Chandors All is Lost (2013) (ein einsamer Seemann auf Hoher See), Into the Wild (2007), The Deep (1977), 127 Hours (2010), Grizzly Man (2005), Moon (2009). Die Philosophieprofessorin Kathleen Dean Moore stellt diese Filme in eine lange Reihe von Geschichten über einsame Abenteuer in der Wüste oder zu Wasser, etwa die biblische Geschichte von Jonas und dem Wal, Robinson Crusoe oder der Film Cast Away aus dem Jahr 2000.  Demnach scheine sich die beobachtbare Sehnsucht nach einem Leben off the grid Jahr für Jahr zu steigern , wie die Sprecherin der amerikanischen Initiative Reboot, Tanya Schevitz, betont. Immerhin seien es heute 240 Organisationen, die sich am National Day of Unplugging beteiligen. 2011 waren es noch 50. Der Filmhistoriker David Thomson hält allerdings dagegen, dass man noch nicht von einem nachhaltigen Trend sprechen könne.***

Der Artikel ist kurz und sehr kursorisch geschrieben. Schön aber das viele Material und die vielen Hinweise, die mich nun doch einige Zeit beschäftigen werden. Siehe dazu auch meine anderen Blogbeiträge:

Das Wilde in uns und dessen Abwehr

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Einladung vom Zeremonienmeister zum Gespräch unter Bäumen

Wie jedes Jahr reise ich im September nach Genshagen, um dort an der Akademie unter Bäumen teilzunehmen. Unter zwei großen Eichen sind Gartenbänke im Kreis aufgestellt, auf denen Menschen Platz nehmen, um über europarelevante Themen zu sprechen. Das Grundprinzip ist die wertschätzende Kommunikation: viele halten sich daran. Diesmal geht es um Roma/Sinti und kulturelle Bildung.

In der Natur zu sitzen und miteinander zu sprechen, verbreitet bei manchen ambivalente Gefühle. Man/frau ist an klimatisierte Räume gewohnt; hier im Park besteht die Gefahr mit jedweder Unbill der Natur konfrontiert zu werden, das sind diesmal konkret der Wind, ein paar wenige Regentropfen, das Rauschen der Blätterkronen, einige kleine Spinnentiere. Der Aufenthalt da draußen scheint von so viel Unwägbarkeiten bedroht.  Sebst eine kleine Spinne, die an der Jacke eines Refernten herumkrabbelt, kann dann in ängstliche Sorge versetzen. Lieber wird da der Referent in seinem Vortrag unterbrochen als das kleine Tierchen weiterhin gewähren zu lassen.

Spöttische Abwehr auch, als ich zwei Anwesende im Plauderton darauf hinweise, daß wir unter einer Eiche sitzen, einem Baum mit sakraler Bedeutung für die Kelten. Ich bezeichne den Ort unter dem Baum als möglichen Kraftort, gut geeignet um konstruktiv miteinander ins Gespräch zu kommen. Das mit den Eichen wird gar nicht gern gehört, das mit den Kelten auch nicht. Der Missbrauch, dem so manche Natursymbolik im Nationalsozialismus  ausgesetzt war, wiegt heute bei den Deutschen offenbar noch immer schwer. Bin ich also ein alternder Spinner, ein durchgeknallter Esoteriker oder gar ein Ewiggestriger? Irritationen allerorten über das Bedrohliche in und um uns.

Am Abend vorher hat man/frau uns eingeladen, uns auf die Bilder einzulassen, die in den Räumen des Schlosses aufgehängt wurden, mit ihnen in einen Dialog zu treten. Tatsächlich ist es so, dass die Bilder weniger über die dargestellten Personen erzählen, als vielmehr bewirken, dass wir sie als Anlaß nehmen können, mit uns selbst auseinanderzusetzen. Verdrängte, wilde, ungezähmte Gefühle also, mit denen wir uns ungern konfrontieren. Tatsächlich betrachte auch ich diese Bilder mit Unbehagen und würde sie nur ungern in meine Wohnung hängen. Aber sie faszinieren mich doch sehr und lassen mich eine Zeitlang nicht los.

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Lita Cabellut

Die Bilder sind von der spanischen Künstlerin Lita Cabellut, die bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahr teilweise auf der Straße lebte, bevor sie von einer spanischen Adelsfamilie adaptiert wurde. „Durch ihr neues Lebensumfeld wurde sie an die Kunst herangeführt. Später studierte Cabellut an der Gerriet Rietveld Akademie in Amsterdam Malerei. Den bisherigen Höhepunkt ihrere Karriere erreichte Cabellut mit ihrer Ausstellung in Paris, wo sie innerhalb weniger Tage  alle ausgestellten Bilder verkaufte. Seit den letzten zwei Jahren eroberten ihre Gemälde die Museen der Welt. Lita Cabellut arbeitet vor allem auf großformatigen Leinwänden und bedient sich expressiver Gesten. Bevorzugt bildet sie vom Leben gezeichnete Menschen ab. Dabei versucht sie, neben dem Schmerz, Leid und Ellend vor allem ihre menschliche Größe, ihre „Grandeur“ zu zeigen. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Den Haag.“ (Zitat Seminarunterlagen Genshagen)

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Lita Cabellut

Möblierung der Wildnis

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heißt die Malerei-Installation von Alois Moosbacher im Großen Saal des Linzer Lentos Museum. Nach einer Preisüberreichung im Rahmen der Ars Electronica 2014 zieht es mich dorthin, beunruhigt, daß die Ausstellung nur mehr bis diesen Sonntag geöffnet sein wird. Man/frau versäumt so viel aus Unachtsamkeit!

Im wunderschönen, von oben mit Licht geflutete Ausstellungsraum sind sorgsam die Leinwände platziert, künstlerisch bearbeitete Eindrücke aus dem Wald, die diesem nunmehr seltsam entrückt sind und kaum mehr an den realen Raum Wald erinnern. Es ist, als hätte M. den Wald neu erfinden müssen, mit dem Schwung und der Verve des nunmehr schon in die Jahre gekommenen „Neuen Wilden„,  als der er unvermeidlich immer wieder bezeichnet wird. Jede Romantisierung des Waldes vermeidend, sind Versatzstücke der Zivilisation ins Holz gebaut, die das widerspiegeln, was uns im Wald wohl manchmal stören mag, aber stets mit ihm verbunden ist. Der Wald ist selten anders heutzutage und mich stört dann darum eben der Begriff Wildnis sehr. Die Baumbilder – Serie an der einen Seite der Wand erinnern mich zwar an das Klischee von der Kathedrale Wald, bleiben aber seltsam ineinander verschränkt, stapeln sich übereinander – im Hintergrund von kleinen gemalten (!) Medienbildern durchlaufen.

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Ich bleibe lange in diesem Raum, bewundere die Zeichnungen, aber:  „…. es ist künstlich und gemacht, eine artifizielle Geschichte ….“, wie der Künstler im Gespräch mit Clarissa Ujvary meint. Nicht, daß ich dies der Kunst vorwerfen möchte, aber wahrscheinlich hat zuviel Konzeption mir den gerne staunenden und ergriffenen Blick kaputt gemacht. Ja die Entzauberung des Waldes durch einen sehr ironischen und sehr intellektuellen Gestus tut ein wenig weh.

Wiederum sehr gefällt mir der Text von Elisabeth Nowak-Thaller im vom Künstler selbst gestalteten Ausstellungskatalog: Hinterwälder. Eine Fantasy-Bildgeschichte von Heine bis Ramstein, von Trakl bis Kreisky.  In sehr assoziativer Weise und über die Bildersprache von Moosbacher hinausgehend, legt sie auf acht Ebenen die verschiedenen Möglichkeiten der Bedeutungen von Wald und Wildnis dar. Vollständigkeit oder Wissenschaftlichkeit ist nicht angestrebt, die unterschiedlichen kulturhistorischen Deutungsmuster werden aber sichtbar. Das reicht vom Wald als Angstraum, Märchen – und Zufluchtsort bis hin zu literarischen Interpretationsversuchen (Trakl, Heine, Hesse) und gegenwärtiger Popkultur. Und so wird auch der heutige Museumsnachmittag zur Gelegenheit mich mit meinen Assoziationen zum Thema zu beschäftigen.
Ich erinnere mich an einen Raum den ich einst in Secondlife gestaltet habe. Eine Kuppel, unter der eine alte offene Scheune im finsteren Wald angesiedelt war. Allgegenwärtig hohes Gras, dunkle angsterregende Ecken. Überall in der Landschaft verstreut Kunstwerke, die wie auf einer Müllhalde scheinbar wahllos gelagert war. Das Thema war Maschine – Mensch und überall standen jene eigenartigen Avatare herum, die anstelle eines Kopfes flimmernde Bildschirme trugen. Moosbacher konstruierter Raum ist das Gegenteil meiner finsteren Welt: hell, transparent, von großer, wenn auch kalter Schönheit und gnadenloser Ironie.
Zuletzt noch ein Zitat aus dem Ausstellungskatalog: ‚Das Lentos als Wildnispark mit Hinterhalt. Hinterholz im Hinterwald. Ich stecke schon wieder in einer Geschichte fest! Eine Sackgasse! Zurück zur Malerei! Moosbachers Natur ist nur Malvorwand.‘

Johannes Seluner: doch nur ein Mensch.

Also hab ich mich doch hingesetzt und mein vor wenigen Tagen auf diesem Blog gegebenes Versprechen eingelöst. Gut so. Es ist fast ein kathartischer Akt, eine auf Fakten beruhende Lebensgeschichte des Johannes Seluner zu verfassen und ihn damit ein wenig Recht zurückzugeben, das er in den bürokratischen Mühlen und Fantasien der Geschichtenerzähler des Toggenburgs verloren hat. Die Biographie wird dürr, denn mehr an Fakten ist nicht vorhanden. Alles andere ist Fantasie, zum Teil menschenverachtender Natur. Ich stelle den unten folgenden Text mit einigen kleinen redaktionellen Ergänzungen heute auf Wikipedia ein. Ich gehe davon aus, dass sich im Laufe der Zeit dort wieder Phantasien einschleichen werden.

**** Am 9. September 1844 wird auf der Seluner Alp (Churfirsten) im Toggenburg vom Viehhirten Niklas Baumgartner ein fast nackter, taubstummer Bursch gefunden. Da diese zu Alt St. Johann gehört, wird er der Behörde des Ortes übergeben und in die Armenanstalt des Dorfes eingewiesen. Ein untersuchender Arzt schätzt das Alter des Jungen auf 15 bis 16 Jahre. Nachforschungen durch die Polizei, auch per öffentlichem Steckbrief, bleiben erfolglos. In ihm wird der Knabe mit schwarzem Haar, einer Größe von „4 Schuh und 7 Zoll“ (das sind rund 155 cm), mit „tölpelhaften Zügen“ und einem „läppischem Gang mit vorhängenden Oberkörper“ beschrieben.
Die öffentliche Ausschreibung trug wesentlich zum Bekanntheitsgrad des „Seluners“ bei, blieb allerdings erfolglos und wurde daraufhin eingestellt. Aus verwaltungstechnischen Gründen wird dem Burschen ab August 1845 ein Name gegeben: er wird nach dem Namenspatron des Dorfes (Johannes) und dem Fundort (Seluner Alpe) benannt. Die der Gemeinde Alt St. Johann entstandenen Kosten für den Unterhalt des Findlings wurden vom Kanton St. Gallen getragen. Ab 1850 wird dem „Heimatlosen“ aufgrund der neuen Bestimmungen zu den Bürgerrechten in der Bundesverfassung der Schweizer Eidgenossenschaft das Bürgerrecht gegeben und Nesslau als seine Heimatgemeinde bestimmt. 1854 wird er in das Armenhaus in Nesslau überstellt, die als Heimatgemeinde ab nun seine Unterhaltskosten zu tragen hat. Am 20. Jänner 1898 wird Johannes Seluner nach katholischem Ritus getauft und ins Taufregister Neu St. Johann eingetragen. Mehrere Monate darauf, am 20. Oktober 1898 stirbt Johannes Seluner nach kurzer Krankheit und wird am 23. Oktober 1898 auf dem Friedhof in Neu St. Johann unter großer Anteilnahme der Bevölkerung bestattet.

Auf Betreiben von Emil Bächler, vor allem aber des Arztes Ernst Gottlieb Finkbeiner aus Zuzwil, konnte der Anthropologie, Rassenhygieniker und Direktor des Anthropologischen Instituts der Universität Zürich Otto Schlaginhaufen für eine Exhumierung des Skeletts von Johannes Seluner am 19. November 1926 gewonnen werden. Das „Rätsel“ des Seluners sollte gelüftet werden, da vor dem Hintergrund eugenischer Überlegungen dieser Zeit ein Zusammenhang zwischen der geistigen wie körperlichen Einschränkung (vermuteter Kretinismus ) des Betroffenen und Merkmalen von Neandertalern bzw. außereuropäischer Völker vermutet wurden. Die Untersuchungen zeigten allerdings nur altersbedingte Degenerationserscheinungen des Skeletts auf.

Wie Rea Brändle in ihrem Buch nachweist, wurde Johannes Seluner wahrscheinlich schon während der Zeit seines Lebens aber auch im Rahmen der zahlreichen Nekrologe auf ihn zum Opfer nicht verbürgter Beschreibungen, die seine Biographie mit zahlreichen zusätzlichen Elementen ausschmücken. Diese beziehen sich auf seine mögliche Herkunft und die Umstände der Auffindung sowie auf sein behauptetes Verhalten als „Wilder Mann„, „Wolfskind“ und „Idiot“. Hinzuerfunden und durch keinerlei Fakten belegt sind etwa, dass Seluner beim Milchdiebstahl in eine Falle von Sennern gelaufen und so entdeckt worden war, ebenso unbewiesen wie seine angebliche adelige Herkunft, das ständige Zerreißen seiner Kleider, das unterstellte tierähnliches Verhalten und seine angeblichen Körperkräfte. Auch wird berichtet, dass er vor seiner Auffindung 1844 einige Zeit im Wildenmannlisloch verbracht hätte und eben einer der dort lebenden „Wilden Männer“ gewesen sei. Diese Fabulierlust der vermeintlichen Augenzeugen und die Nacherzählungen nicht verbürgter biographischer Elemente finden sich in zahlreichen, auch als seriös geltenden Dokumenten, wie etwa die diesbezüglichen Aufsätze des Emil Bächler bzw. der Eintrag zu Johannes Seluner in der 2003 im Auftrag des Kantons erschienenen Geschichte St. Gallens. Die zahlreichen, historisch gewachsenen Zuschreibungen machten seine Person allmählich zu einer dehumanisierten Kunstfigur, die bis heute entsprechend interpretiert wird.

Mehrere Dokumente zum Leben Johannes Seluners, wie etwa der „Steckbrief“ mit dem nach Angehörigen von ihm gefahndet wurden sowie die einzig von ihm erhaltene Fotografie aus dem Jahr 1885, finden sich im Toggenburger Museum der Gemeinde Lichtensteig.*****

Die Geschichte von Johannes Seluner: (nicht) neu erzählt

SelunerVergriffen ist das Buch offenbar und das ist sehr schade. Ich selbst habe nur mehr ein Restexemplar erstehen können. Rea Brändle hat im Jahr 1990 im Schweizer Limmat Verlag ein Buch veröffentlicht (Johannes Seluner. Findling. Zürich, 1990), das sich mit einem Toggenburger Findling beschäftigt, welcher im Jahr 1844 auf der Seluner Alp als Jugendlicher aufgegriffen worden war.  Die Geschichte des Mannes  fand Eingang in die Geschichten, welche in der Ostschweiz erzählt werden, wenn von der Heimat die Rede ist.  Nicht sehr hilfreich ist in diesem Falle, seinem Impuls zu folgen und den Namen Johannes Selurner in eine Suchmaschine einzugeben, um damit mehr über ihn zu erfahren, denn Sie werden zwar mehr die Phantasmagorien all jener erfahren, die sich mit ihm beschäftigt haben, wenig jedoch über den Mann selbst. Selbst die AutorInnen auf Wikipedia schludern hier hilf- und verantwortungslos dahin, indem sie Dinge über die Biographie des Johannes Selurner behaupten, die selbst nur Fantasien anderer und im Grunde menschenverachtendes Gerede sind. Aus der Wikipedia – Version vom 29.8.2014:

„Er gab nur urtümliche Laute von sich, zerriss die neuen Kleider, die man ihm gab und schlief am liebsten auf einem Heulager. Aufgrund der guten Behandlung wurde er zutraulicher, verlebte jedoch den Tag am liebsten allein irgendwo auf einem Stein sitzend. Stundenlang konnte er am Ufer der Thur sitzen und den Fischen zuschauen. Die Metallknöpfe seiner Jacke gefielen ihm so gut, dass er nicht genug von den glitzernden Dingen haben konnte. Eine besondere Vorliebe zeigte der Seluner, wie er überall genannt wurde, für Süssigkeiten und Obst. War er zufrieden, schnurrte er; geriet aber rasch in Zorn, wenn er von der Dorfjugend geneckt wurde.“

Kann man, darf man  so über Menschen schreiben? Rea Brändle, die sich mit den Zeugnissen über den Mann ausgiebig beschäftigt hat, meint zu derartigen Geschichten auf S. 77 ihres Buches:

„Unentwegt war Johannes Seluner irgendwelchen Phantasien ausgesetzt, sein ganzes Leben war dominiert von fremden Bildern. Milchdiebstähle wurden ihm angedichtet, Bärenkräfte und eine noble Herkunft. Als Attraktion wurde er bis in seine alten Tage dargestellt, als billiges Sonntagsvergnügen. Das war spannend, spannender jedenfalls als das Leben eines kommunalen Armenhäuslers  mit einer endlosen Reihe von Tagen, Jahren und Jahrzehnten, für die sich weder die Autoren noch ihre Leserschaft sonderlich interessierten. Die Alltage konnten ihnen gestohlen bleiben , begreiflich, davon hatten sie selber genug.“

Dem derart missbrauchten Mann hat die Autorin in ihrem Buch seine Menschenwürde wiedergegeben und ist ihm und seinem Schicksal endlich (!) gerecht geworden – aber: so gut es eben nur ging, denn die Faktenlage über sein Leben ist dünn. In diesem Sinne ist das Buch eben weniger eine Annäherung an ein Menschenschicksal aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als vielmehr ein brillianter Versuch über die Intentionen jener, die über ihn bis heute berichtet haben. Dafür muss man sich bei ihr bedanken. Besorgen Sie sich das Buch, auf welchem Weg auch immer – denn Sie werden viel bis heute Gültiges über den Umgang mit Ausgegrenzten lernen, und auch viel über Praxis, Fallen und Mühen schriftstellerischer Redlichkeit.

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Rea Brändle weist in dem schmalen Bändchen mit unaufgeregten Worten nach, wie sehr an eine recht dürftige Faktenlage die Bedürfnisse einer Gesellschaft angereichert werden, die mit dem „Fremden“ nicht umzugehen wußte und weiss. Sie erzählt nicht die vielen Geschichten des Johannes Seluner, sondern die vielen Geschichten der Geschichtenerzähler, die vor sich hinfabulieren. Und sie weist auch nach, wie sehr das Leben des Johannes Seluner an die jeweiligen gesellschaftlichen Diskurse angepaßt wurden, etwa daran, wie seine Geschichte mit der Entdeckung der Wildmannlishöhle fälschlicherweise verknüpft wurde, oder wie sehr auch er, wenn auch post mortem, Gegenstand des Rassenwahns des 20. Jahrhunderts wurde.

Hier sitze ich also und fühle mich beschämt. Ich selbst habe bin durch Zufall auf irgendeine der vielen vermeintlichen Augenzeugenberichte über Johannes Seluner gestoßen und war fasziniert darüber, dass er angeblich dabei beobachtet worden war, wie er stundenlang am Ufer der Thur gesessen war, um dabei unbeirrt in die Wellen zu blicken. Daß er in der Wildmannlishöhle gewohnt hätte, dass er ein sgn. Wolfskind gewesen sein soll. Ein willkommener Anlaß für mich, auf den die Natur so starke Anziehungskraft ausübt, dem Johannes Seluner besondere Naturnähe, ja fast schon spirituelle Einsicht zuzuschreiben. Johannes Seluner, eine Projektionsfläche, auch bei mir. Vielleicht sollte ich als Widergutmachung die Wikipedia Biographie auf die Faktenlage reduzieren. Es gibt viel zu tun: bei ihm und all den anderen, die Opfer der Fabulierlust einer im Grunde gnadenlosen Gesellschaft wurden.

 

Die Geierwally

Heute,  auf dem Flug nach Wien, lese ich im Standard einen Artikel über die Geier-Wally,  eine Person,  über die meine Familie öfters gesprochen hatte, allerdings immer in einem leicht spöttisch Ton. Die Geier-Wally ware in den 50 Jahren in den Kinos gewesen, eine Heimatschnulze allererster Klasse, ein Sujet, das die sozialdemokratisch geprägten  und im Nationalsozialismus aufgewachsenen Städter unbewußt ablehnten aber dennoch mit maliziösem Behagen zerrissen. Immerhin, die Heldin war eine Frau mit einem nicht undramatischen Schicksal und die Fünfzigerjahre waren wohl anfällig für Familiengeschichten jedweder Art.die-geierwally--2

Für mich, der ich diesen Film weder gesehen noch das Buch gelesen habe, war die Geier-Wally nur eine Kunstfigur, die meine Eltern im Kino kennengelernt haben und über die Mutter und Großmutter anzügliche Bemerkungen austauschten. Sie hatten die Geier-Wally sowohl in der nationalsozialistischen als auch in der Nachkriegsfilmversion gesehen.  An Herz und Schmerz, Heimat und Frauenklischees war ich weder damals noch später interessiert.
Nun aber lese ich mit großem Interesse, das es die Geierwally tatsächlich gegeben hat,  und zwar als Anna Stainer-Knittel,  die in den Tiroler Alpen 1841 geboren wurde und als erfolgreiche Kunsthändlerin 1915 starb. Als Siebzehnjährige soll die Tochter eines Büchsenmachers die jungen Männer ihres Dorfes beschämt und wohl auch ein wenig erniedrigt haben,  als sie,  ganz im Sinn eines männlichen Initiatsionsritus, in eine Wand eingestiegen war,  um von dort junge Adler aus dem Nest zu holen. In der Logik der damaligen Zeit wurde das Reißen jungen Viehs durch die Bauern nicht toleriert. Der Nestraub an exponierten Felswänden gehörte allerdings zu den nicht ungefährlich Mutproben,  die die Geierwally wohl bravourös meisterte.

„Wo es was Gefährliches zu vollbringen gab, da war von Kindheit an die Wally dabeigewesen und hatte die Buben beschämt. Schon als Kind war sie jung und ungestüm wie die jungen Stiere des Vaters, die sie bändigte. Als sie kaum 14 Jahre alt war, hatte ein Bauer an einer schroffen Felswand das Nest eines Lämmergeiers mit einem Jungen entdeckt, aber Keiner im Dorf mochte es wagen, das Nest auszunehmen. Da erklärte der Höchstbauer zum Hohn für die Mannhafte Jugend des Orts, er werde es seine Walpurga thun lassen. Und richtig, die Wally war dazu bereit, zum Entsetzen der Weiber und zum Verdruß der „Buab’n“. „Höchstbauer, das heißt Gott versuchen“, sagten die Männer. Aber der Stromminger mußte seinen Spaß haben, alle Welt mußte es erfahren, daß das Stromminger’sche Geschlecht bis auf Kind und Kindeskind herab seines Gleichen suche.“ Aus: Geier_Wally. Eine Geschichte aus den Tiroler Alpen, 1875. S. 4f.

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Beeindruckt von derartig großem sozialem wie auch körperlichem Wagemut faßte die  Münchner Schriftstellerin Wilhelmine von Hillern das Abenteuer in ein sehr erfolgreiches Buch,  das von der  im Jahr 1875  veröffentlicht und in sieben Sachen übersetzt wurde. Das Geier-Erlebnis bildete dabei als Motiv den Hintergrund, um die Roman- und Fimheldin zu charakterisieren. Die dichterische Phantasie gallopierte entsprechend weit in Richtung Heimatroman, der allerdings äußerst erfolgreich war.

Lesenswert ist in diesem Zusammenhang die Rezeptionsgeschichte von Roman und Film, welche die Volkskundlerin Susanne Päsler in Zusammenarbeit mit sozialen Protestbewegungen von Frauen bringt:

„Die Beliebtheit des Themas beim Publikum ist nicht zuletzt auf die ungewöhnliche Figur der Walpurga Stromminger zurückzuführen, deren Geschichte immer dann eine Neubearbeitung erfuhr, wenn die Rückbesinnung der Frau auf ihre Rolle innerhalb der Familie von außen gefordert wurde.“ Aus: Susanne Päsler: Die Geier-Wally. Eine Romanfigur im Spiegel ihrer Popularität.

Das haben Mutter wie Großmutter aber beileibe nicht so gesehen. Für sie war das Bergmelodram wohl nur eine Schmalzgeschichte: „Als ob frau nicht schon ohnehin genug Probleme gehabt hätte!“

Die Schwarze Madonna vom Pelagiberg

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In das Zentrum des ultrakonservativen Christentums führt uns unser Ausflug am Sonntag. Der Neuen Züricher Zeitung entnehme ich, daß sich dort eine „Katholische Trutzburg“ befinde, an der die „ultrakonservativen Petrusbrüder streng nach altem tridentinischen Ritus predigen und exerzieren“. Welch Ironie des Schicksals, gerade hier sich auf die Suche nach den Resten des Heidentums zu begeben. Fast schon Häresie, die Entstehung der Verehrung einer Schwarzen Madonna auf einen Fruchtbarkeitsritus zurückzuführen, wie dies Kurt Derungs und Christina Schlatter in ihrem Buch Quellen, Kulte, Zauberberge. Landschaftsmythologie der Ostschweiz und Vorarlbergs. tun. Wie schreiben sie in ihrem Kapitel über den Pelagiberg:

„Die schwarze Frau vom Pelagiberg setzt wahrscheinlich eine vorchristliche Ortstradition fort. Dies zeigt der Blick auf die archäologischen und mythologischen Befunde der Umgebung. (….) In landschaftsmythologischer Sicht stellt der Pleagiberg mit seiner ovalen Form yselbst einen natürlichen Grabhügel dar. Es ist der Körperhügel der schwarzen Erdenmutter und Winteralten, wo sich die Anderswelt und das Jenseitsparadies der Ahnen befindet. Gleichzeitig ist der Hügel aber auch ihr schwangerer Erdbauch, aus dem die Ahnfrau neues Leben hervorbringt. Der Ort ist kraftgeladen, unter dem Altar mit der Schwarzen Madonna sollen sich Wasseradern kreuzen.“

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Am Friedhof vor der Pfarrkirche sitzen wir letztendlich, blicken dabei auf den Bodensee und genießen den leichten Wind, der im Baum raschelt. Wir diskutieren über weiße, rote und schwarze Madonnen, Raben als Boten der Anderswelt und den Kampf der Kirche gegen das Heidentum; dass die Marienverehrung historisch gesehen mit ein Instrument der Kirche bei der Neuausrichtung einer matriarchal ausgerichteten Gesellschaft auf das männlich geprägte Christentum war; dass das Schwarz einer Madonna weniger mit ihrer Verschmutzung zu tun hat als mit der Symbolik einer alternden Frau, die auf das Diesseits ausgerichtet ist.

Wir genießen dabei die beeindruckende Stille dieser Landschaft. Nichts erscheint eindeutig in dieser Welt und die Orientierung ist nicht einfach gegeben. An Orten wie diesen jedoch, scheint die Zeit stehenzubleiben und der Kopf und die Seele freizuwerden für den Blick auf uns selbst. Die Widersprüche sind dann plötzlich keine mehr. Heiden unter sich, das sind wir an diesem Ort. Und von der Trotzburg bleibt nur mehr wenig übrig, je sicherer man/frau sich selbst ist. Maria kehrt in ihren eigenen Schoß zurück und wird zur unheiligen Jungfrau. Ich nehme mir vor, dieses Buch zu kaufen.