Nach Imbolc

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Copyright: Tinderness

Es ist kalt geworden, der Winter zeigt, was er ist. Februar war immer der härteste Monat im Jahr. In den Jahrhunderten, die von der Landwirtschaft dominiert waren, gingen in dieser Zeit die Vorräte zur Neige, saisonbedingte Hungersnöte  waren keine Seltenheit.

Doch das Licht wird immer stärker und verspricht baldige Vegetation. Zu Imbolc war das Grün der Pflanze gerade erst den Zwiebeln entsprossen, nun, am 13. Tag nach Imbolc erfreut das Weiß ihrer Blütenstände. Schneeglöckchen sind das andere Symbol, draußen in der Natur. Aber bis zum Frühlingsbeginn sind es noch viele Tage.

Es ist die richtige Zeit, mit dem wieder erblühenden Leben auch der Spiritualität Platz zu geben und mit dem Leben zu versöhnen. Trotz der dunklen Zeiten, in denen Homophobie, die Ausbeutung der Natur und rastloses Treiben unser Leben und unseren Geist zu bestimmen drohen, ist es angebracht, hin und wieder den schützenden Kreis um uns zu ziehen. Rituale stärken unser Selbst vis a vis dem Negativen; sie entfalten die Spiritualität im Leben. Das bedeutet nicht Eskapismus. Es ist eine Möglichkeit, das alltägliche Leben mit Energie und Freude zu erfüllen. Wir brauchen dies heute mehr denn je.

Grönländischer Maskentanz

Häßlichkeit, unbekannte Energie, sexuelle Aggression: es ist sehr interessant, wie die Menschen auf den verhalten-offensiven, aber im Grunde bedrohlichen Tanz reagieren. Man betrachte den großen Mann unter den Zuschauern, der mit einer sehr ernsten und zugleich skeptischen Miene auf die langsam ins Publikum schreitende Maskentänzerin blickt.

Meine Bäume

Angeregt durch einen Artikel von Nimue Brown (Urban trees for Magical Transformation, eng.) habe ich darüber nachgedacht, zu welchen Bäumen ich in der Stadt Zuflucht nehme, um meine spirituelle Energie wieder aufzutanken. Da ist zunächst der Baum vor meinem Fenster, den ich jeden Tag beim Aufstehen sehe, den ich in der Nacht bei offenen Fenster betrachte und dessen Duft ich im Frühling genieße. In der Nähe meiner Arbeitsstätte gibt es einen sehr großen Park mit einer Platane unter der ich gerne zur Mittagszeit meditiere und die Stille genieße. Vor meinem Wohnort ist dann noch der Park mit den vielen Kastanienbäumen, die im Frühling und Sommer ein wunderbares Mikroklima entfalten, das ich nicht missen möchte. Auch auf der nahegelegenen Donauinsel gibt es verschwiegen liegende Stellen mit schönen Bäumen, auf denen Rabenvögel nisten und die ich regelmäßig aufsuche. All diese Orte sind für mich Referenzpunkte der Ruhe aber auch Tore zu einer anderen Welt, die mir im städtischen Alltag sehr oft verschlossen bleibt.

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Donauinsel. By Manfred Werner – Tsui – Own work, CC BY-SA 3.0,

Nimue Brown hat sich die Mühe gemacht, den Segen der Bäume in der Stadt zu beschreiben. Bäume reduzieren Lärm, reduzieren die Hitzeentwicklung, produzieren Sauerstoff, und durchbrechen die Monotonie der Straßenschluchten. Nicht zuletzt: Bäume entfalten ihren eigenen Zauber, versorgen uns mit Energie und unterstützen unsere psychische Gesundheit. Sie sind ein notwendiges ästhetisches Erlebnis. Ich kann nur empfehlen, sich seine Bäume zu suchen und sie auch regelmäßig aufzusuchen.

Wie es meine Art ist, desilusioniere ich gerne mich und andere, wenn es notwendig ist. Und so sind die oben geschilderten Bäume natürlich zahlreichen Gefährdungen ausgesetzt. Der Baum vor meinem Fenster kränkelt vor sich hin, bekommt jeden Frühling immer weniger Blätter, seine Äste werden dürr. Unter den wunderbaren Kastanienbäumen im Park toben tags Kinder und nachts Jugendliche und lassen nur selten Ruhe und Konzentration aufkommen. An der Platane im Citypark wehen Sommers die Frittiergerüche der nahen Imbissbuden, wenn die Stadtverwaltung wieder einmal für die zahllosen Touristen ein „Event“ veranstaltet und den Park vor dem Rathaus unpassierbar macht. Was einzig regelmäßig Ruhe verspricht ist die Donauinsel, die aber ist am Wochenende unbedingt zu meiden. Es ist nicht leicht, die Tür zu finden.

Aber ich will sie nicht missen, „meine Bäume“ und ich denke, ich muss mich halt mit dem behelfen, was mir im Alltag zugänglich ist. Gelassenheit und Geduld sind gute Ratgeber, auch in spirituellen Dingen. Vielleicht findet sich noch ein anderes Plätzchen, wenn man nur genügend lange sucht.

 

Diary of a Land Healer: January

Eine sehr achtsame Artikelserie gefunden, die es lohnt, zu lesen und ihr „nachzugehen“.

The Druid's Garden

It is late January. We had a very bout of cold weather these last few weeks, as I’m writing this, the weather broke and I’m out in the land for a longer stay since since the sub-zero temperatures hit. When I came to my new home and new land in the fall, there was so much to do, just moving in and getting ready for winter, stacking wood, unpacking, painting, fixing things, building a greenhouse, and settling in that I didn’t have the time I wanted to spend with the land. But winter is good for such quiet communion, and so, I’ve been seeing what there is to discover.

A snow spiral, one of many I walk while the snows fall! A snow spiral/labyrinth, one of many I walk during the winter months.

As I’ve mentioned previously on this blog, in purchasing this land, I knew that part of my work here would be in documenting the regrowth of this land…

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Imbolc – den Kreislauf des Lebens beginnen

J. macht mich auf Imbolc aufmerksam. Mit ihr gemeinsam bastle ich das Brigitta Kreuz. In Ermangelung von Binsen, aus dem es in der Regel gemacht wird, nehmen wir eingeweichte Strohhalme. Schade, denn es wäre sinnhaft, das grüne Gras übers Jahr welken zu sehen, um es im folgenden Jahr am 1. Februar zu verbrennen, wenn das neue grüne Kreuz geflochten ist: eine schöne Entsprechung für den Kreislauf des Jahres. Es tut gut, nach so langer Abstinenz sich wieder ein wenig auf das Spirituelle in uns und um uns konzentrieren zu können.

 

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Bridget’s Cross, hausgemacht. Copyright: Krakatoa

Imbolc ist eines der wichtigsten Feste der Kelten. Mit ihm wird die Wiederkehr des Lichts und des Lebens nach dem Winter gefeiert. Zwischen der Wintersonnenwende (Yule: 20-23 Dezember) und der Frühlings Tag und Nachtgleiche (Ostara: 20/21. März) gelegen, symbolisiert es die Wiederkehr des Lebens im Jahr. Die Winterzeit ist zu Ende. 2018 feiert man Imbolc in der Nacht vom 31. Jänner auf den 1. Februar.

Im Zentrum der Anrufung steht dabei Bridget, die alte keltische Göttin. Als keltische Göttin ist sie der Archetyp für unterschiedliche Aspekte der Natur. Sie ist Schutzherrin der Schmiede, der Poeten und der Heiler und wird mit dem Licht gleichgesetzt. Gleichzeitig ist sie die Gebamme des Lichts und des Lebens. Das Christentum, das keinen anderen Glauben neben sich duldete, hat aus ihr in Irland Brigida von Kildare gemacht. Imbolc wurde in unseren Breiten zu Maria Lichtmess. Die Göttin des Feuers wurde patriarchalisiert: nunmehr sollte Jesus als Bringer des Lichts firmieren: am 2 Februar des Jahres.

Ich aber will mich, ganz im Sinn eines Pagan, an den alten Rhythmen der Natur orientieren. Ich fertige mein Brigitta Kreuz an, besuche das Draußen, um mich wieder am Sonnenlicht zu orientieren und erleuchte die Nacht zum 1. Februar mit offenem Feuer. Am Hausaltar vollziehe ich die Anrufungen der Göttin des Lichts.

Das Erwachen des Lebens ist mit Achtsamkeit und Gewißheit zu begehen. Die wenigen Stunden bis Imbolc verbringe ich mit Vorbereitungen.

 

Die Schwarze Madonna vom Pelagiberg

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In das Zentrum des ultrakonservativen Christentums führt uns unser Ausflug am Sonntag. Der Neuen Züricher Zeitung entnehme ich, daß sich dort eine „Katholische Trutzburg“ befinde, an der die „ultrakonservativen Petrusbrüder streng nach altem tridentinischen Ritus predigen und exerzieren“. Welch Ironie des Schicksals, gerade hier sich auf die Suche nach den Resten des Heidentums zu begeben. Fast schon Häresie, die Entstehung der Verehrung einer Schwarzen Madonna auf einen Fruchtbarkeitsritus zurückzuführen, wie dies Kurt Derungs und Christina Schlatter in ihrem Buch Quellen, Kulte, Zauberberge. Landschaftsmythologie der Ostschweiz und Vorarlbergs. tun. Wie schreiben sie in ihrem Kapitel über den Pelagiberg:

„Die schwarze Frau vom Pelagiberg setzt wahrscheinlich eine vorchristliche Ortstradition fort. Dies zeigt der Blick auf die archäologischen und mythologischen Befunde der Umgebung. (….) In landschaftsmythologischer Sicht stellt der Pleagiberg mit seiner ovalen Form yselbst einen natürlichen Grabhügel dar. Es ist der Körperhügel der schwarzen Erdenmutter und Winteralten, wo sich die Anderswelt und das Jenseitsparadies der Ahnen befindet. Gleichzeitig ist der Hügel aber auch ihr schwangerer Erdbauch, aus dem die Ahnfrau neues Leben hervorbringt. Der Ort ist kraftgeladen, unter dem Altar mit der Schwarzen Madonna sollen sich Wasseradern kreuzen.“

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Am Friedhof vor der Pfarrkirche sitzen wir letztendlich, blicken dabei auf den Bodensee und genießen den leichten Wind, der im Baum raschelt. Wir diskutieren über weiße, rote und schwarze Madonnen, Raben als Boten der Anderswelt und den Kampf der Kirche gegen das Heidentum; dass die Marienverehrung historisch gesehen mit ein Instrument der Kirche bei der Neuausrichtung einer matriarchal ausgerichteten Gesellschaft auf das männlich geprägte Christentum war; dass das Schwarz einer Madonna weniger mit ihrer Verschmutzung zu tun hat als mit der Symbolik einer alternden Frau, die auf das Diesseits ausgerichtet ist.

Wir genießen dabei die beeindruckende Stille dieser Landschaft. Nichts erscheint eindeutig in dieser Welt und die Orientierung ist nicht einfach gegeben. An Orten wie diesen jedoch, scheint die Zeit stehenzubleiben und der Kopf und die Seele freizuwerden für den Blick auf uns selbst. Die Widersprüche sind dann plötzlich keine mehr. Heiden unter sich, das sind wir an diesem Ort. Und von der Trotzburg bleibt nur mehr wenig übrig, je sicherer man/frau sich selbst ist. Maria kehrt in ihren eigenen Schoß zurück und wird zur unheiligen Jungfrau. Ich nehme mir vor, dieses Buch zu kaufen.