Was ist ein „getaufter“ Brauch ?

In einer Kulturzeitschrift aus dem tiefkatholischen Niederösterreich namens schaufester kultur.region finde ich einen Artikel über des Pflanzensammeln im Sommer und den Brauch, diese am Kräuterweihtag zu Maria Himmelfahrt in der Kirche weihen zu lassen. Dabei handelt es sich in Niederösterreich üblicherweise um ein Sträußchen bestehend aus Hagebutte, Johanniskraut. Kamille, Pfefferminze, Rainfarn, Schafgarbe und Wilde Möhre. Regional verschieden sind natürlich die Kräuter, die man dazu verwendet, auch deren Anzahl kann zwischen den magischen Zahlen (3, 7, 9, 12) variiert werden. Dieser Brauch geht auf einen alten keltischen Brauch zurück. Zu Lughnasad, dem Wesen nach ein Erntedankfest, feierte man zu Ehren des Sonnengottes Lugh, und dabei spielte die dem Sinn nach ein Erntedankfest, bei dem auch die Kräutersegnung eine wichtige Rolle spielte. Diesen alten Brauch transferierte die Kirche einfach zu Maria Himmelfahrt und taufte ihn sozusagen, um ihn für eigene Zwecke zu nutzen.

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Interessant also , wie die katholische Kirsche mit den alten Bräuchen umging, die in Naturreligionen fußten. Einerseits betrachtete man als mehr als verdächtig, weil offenbar dem Aberglauben zugetan, andererseits machte sich die Kirche altes Brauchtum zunutze, um dieses quasi im christlichen Sinne umzudeuten. In diesem Sinne erscheint mir folgendes Zitat als besonders charakteristisch, das aus dem sogenannten Poenitentialis (Bussbuch) des Burchard von Worms (1010) entnommen ist:

Hast du Heilkräuter unter anderen Gebeten gesammelt als dem Absingen des Glaubensbekenntnisses und des Vaterunsers? Wenn ja, dann hast du zehn Tage bei Wasser und Brot zu büßen.“

 

 

Ludwig Uhland: Sonnenwende

Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.

Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft’gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.

IF

Beltane 1

CelticWheel

The Trees

The trees are coming into leaf
Like something almost being said;
The recent buds relax and spread,
Their greenness is a kind of grief.

Is it that they are born again
And we grow old? No, they die too,
Their yearly trick of looking new
Is written down in rings of grain.

Yet still the unresting castles thresh
In fullgrown thickness every May.
Last year is dead, they seem to say,
Begin afresh, afresh, afresh.

by Philip Larkin, High Windows.

IF

Fiach: Fokus

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Das Feuer, wie es die letzten Flammen erzeugt, bevor es in Glut und dann Asche versinkt,

mein Fiach schreit, hoch oben vom Wipfel auf uns herab,

Nacht, die hinter uns einbricht und uns umschlingt,

und all die Bäume, die als schlanke, dunkle Gestalten in der Dämmerung warten,

am Schluß jene Geste, mit der sie ein wenig Tabak in die Flammen streut

als Dank für den Tag in der Mitte des Lebens.

Es ist wieder Zeit, zu gehen.

 

Fast Vollmond und Eamancholl

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Als die Sonne am Horizont noch einmal aufglühte fand ich das Stück Buche, mit der ich endlich mein Tree Ogham fortsetzen konnte. Es ist das dritte Stäbchen in der Reihe und heisst Eamancholl. Lange hatte ich danach gesucht, weil die Buche immer präsenter in meiner Aufmerksamkeit geworden war. Es war logisch, daß nach der Tanne/Fichte/Kiefer und der Stechpalme nun sie kommen sollte: sie waren auch hier im Wald unmittelbare Nachbarn.  Ich hatte Baumperlen geerntet, ihre Blätter gegessen, ihren Stamm berührt und seine glatte Unebenheit ertastet, ihre verwelkten Blätter am Baum und am Boden studiert. Heute war die Nacht im Wald vom Mond durchflutet, der durch die zarten Buchenblätter flutete und sie leuchten ließ im dunklen Gewirr der schwarzen Schatten. Kalt war es, als wir im Wald nach Hause gingen, viel kälter unten gegen das Tal zu als oben auf der Hügelkuppe. Trotzdem fühlte ich mich hier für einige Augenblicke in der Unwirklichkeit des erleuchteten Waldes beheimatet. Der Mond war voller Energie und ließ mich die Grüne Welt spüren, mehr als jemals zuvor.

Ich hatte das Hölzchen geschnitten, es war ein wenig kleiner geraten als die anderen, obwohl ich es mit meiner Hand so wie die anderen gemessen hatte. Das Stäbchen pulsierte in meiner Hand und genau deshalb wußte  ich, dass es das Richtige war. Ich freute mich darauf, mich zuhause näher mit ihm beschäftigen zu können.

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Einsamkeit im Auwald

IF

In Wien ist man mit Natur und Wald ja bestens versorgt, zumindest für eine Großstadt. Wer jedoch die Einsamkeit des Waldes sucht, die nicht ständig von Wanderern, Hundebesitzern, Joggern oder Mountainbikern gestört wird, der muss ein wenig suchen. Schöne, einsame Plätzchen findet man etwa entlang der March, zumindest außerhalb der typischen Outdoorsaison. Deshalb machte ich mich also auf nach Hohenau, einem wenig hübschen Ort, der von den Produktionsanlagen der ehemaligen Zuckerfabrik dominiert wird, aber den Vorteil hat, direkt am Rande der Marchauen zu liegen.

IF

Im Auwald angekommen, bog ich schon bald vom Hauptweg ab, um mich dann entlang der dort zahlreich vorhandenen Altarme durch die einsame Landschaft zu schlagen. Tatsächlich war ich der einzig störende Faktor dort, schreckte trotz aller Vorsicht friedlich trinkendes Wild auf, verscheuchte das eine oder andere Wildschwein und wurde von Reihern und Schwarzstörchen aufs Heftigste beschimpft. Trocken war es allerorten und das machte mein Fortkommen über die zahlreichen Furten der Nebenarme leicht. Das ist nicht immer so. Auch die Gelsen waren noch nicht aus ihrem Winterschlaf erwacht: eben eine ideale Zeit, die ich mir für den Besuch der Au ausgesucht hatte.

IF

Das Einzigartige an derartigen Äusflügen ist das völlige Fehlen des Autolärms und das Fehlen von sich auf alle mögliche Art und Weise schnaubend ertüchtigenden Menschen. In den Vordergrund der Aufmerksamkeit drängen sich bloss Geräusche der Natur. Über mir heulte der Wind in den kahlen Wipfeln der morschen Bäume, mit einem Surren, das an den Lärm von Maschinen erinnerte. Das Aneinanderklappern der Äste erzeugte Unsicherheit in mir bei der Entscheidung, an welchem Platz ich sinnvollerweise mein Mittagslager aufstellen sollte. Das Unterfangen war ein wenig riskant: keine Lichtung, nur dichter, brüchiger Auwald allerorten, über mir knochentrocke, sehr brüchig aussehendes Astwerk.

IF

Aber ich wollte ja meine neue Jerven Fjellduken ausprobieren, wollte eintauchen in die Geräusche des Waldes, wollte hier an diesem magischen Ort bleiben. Und so wagte ich es, spannte meine Fjellduken an der Ridgeline und saß dann vom Wind geschützt mit dem Rücken zum Baum, um meine Mahlzeit zu kochen. Die ersten Brennesselblätter stachen schon und deshalb kamen sie auch gleich in die Miso – Fertigsuppe, um zu einem guten Happen Chlorophyll aufbereitet zu werden. Und dann schlief ich, an den Eichenstamm gelehnt mitten im Vogelgezwitscher, dem Knacken der Bäume und dem Rascheln im Unterholz ein.  Der Wald hatte mich zu sich genommen.

IF

Stunden können so im Einklang mit der Natur vergehen und wer will, kann sich beim Ruhen im Wald auch weitgehend ungesehen und ungehört verhalten: eine Stealth – Rast also, um zu erfahren, was uns Städter mittlerweile so stark fehlt: Die Ruhe und Konzentration für das, was uns immer schon umgeben hat. Nein, meine Plätzchen und Routen in den Marchauen werde ich selbstverständlich nicht preisgeben: ich will, wie manch andere ungestört mit mir und meiner Umgebung sein. Wir passen, glaube ich, sehr gut zusammen. Zumindest tun wir einander nicht weh.

 

 

Den Spuren der Stechpalme folgen

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1. DIE UNGELIEBTE: Dort, wo ich sehr hohe Stechpalmen (ganze Bäume!!)  gefunden und auch meinen Ogham Stick geschnitten habe, treffe ich vor wenigen Tagen auf den Bauern, dem der Wald gehört. Es sei ihm, sagt er, bewußt, dass die Stechpalme unter Naturschutz stehe, dass sei ihm aber recht egal. Wenn sie störe, werde sie einfach weggeschnitten. Tatsächlich ist das stachelige Wesen nicht beliebt, es stört, es sticht und kratzt und wächst so schnell und unbändig vor sich hin.  Das mag niemand, wenn der Wald zu pflegen ist. Dieses unangenehme, aggressive Stechen! Nur dort, wo die Tiere ihre immergrünen Blätter nicht fressen können, nämlich in der Höhe, sind sie nicht mit Stacheln bewehrt. Die gute Stechpalme hat auch mir schon mehrmals wehgetan. Doch ist sie schön anzusehen. Die immergrünen Blätter, die roten Beehren, das unter der Rinde verborgene weiße Holz, welches man/frau so gut für Intarsien verwenden kann.

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2. DIE AUFREGEND GEFÄHRLICHE: Fest steht, die roten Beeren, die sich im Winter zeigen, sind giftig. Und auch dem Genuß der Blätter traut die Fachwelt nicht so richtig. Als Arzneimittel werden diese nur in der Schweiz verwendet. Der Baum, so heisst es, sei ein Eindringling aus Südwest- und Westeuropa, und so einem fremd-heimischen Gesellen, dem mißtraut man wohl grundsätzlich. Auf alle Fälle wird vor Selbstmedikation gewarnt. Doch will ich mehr über ihn erfahren. So wende ich mich an seinen nächsten Verwandten, dem Matebaum, aus dessen Blättern in Südamerika ein kräftiger Aufguß bereitet wird. Ich kaufe Matetee und eine weitere Packung vermischt mit Kräutern. Es ist verlockend ihn zu trinken, er belebt mich, läßt aber auch mein Herz ganz stark schlagen. Doch das kann ich jetzt, in diesem Moment, gerade NICHT gebrauchen: das ist bedrohlich und macht mich krank. Ich weiß: mir ist das Gewächs in jedem Fall gefährlich und doch zieht es mich an.

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3. DIE GESELLIGE: Am Anfang meiner Spurensuche im Tree Ogham habe ich mir die Frage gestellt, in welcher Reihenfolge ich die Bäume des keltischen Alphabets besuchen und kennenlernen sollte. Ich begann mit der Tanne, neben ihr sah ich die Stechpalme und ihre Freundin die Buche. Sie wuchsen zusammen und immer deutlicher besser lernte ich auf meinen Streifzügen durch den Wald ihre Lebensgemeinschaft kennen. Eines Tages am Lagerfeuer vermochte ich auch die Energie zu spüren, die zwischen den drei Bäumen herrschte. Ich saß da, hielt den Tannen Ogham Stick in meiner Linken und jenen der Stechpalme in meiner Rechten, fest umschlossen. Vor mir sah ich auf einmal die Buche. In diesem Dreieck floß die Energie, stark und stetig. In der Mitte loderte mein Lagerfeuer. Was ich sonst nur im Vorbeigehen bemerkt hatte, die Einheit von Tanne/Fichte/Föhre, Stechpalme und Buche: sie spürte ich als Brennen und Knistern in meinen Händen und Armen. Ich lernte, dass man sich treiben lassen und dabei offen bleiben muss in der Zuwendung zu den Bäumen.

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Ballade des Beschäftigten.

Ich kann dem nichts mehr hinzufügen und bin dankbar über den Beitrag von Paul Fehm.

Paul Fehm

Ich fühl mich heut nicht gut,
vielleicht geh ich sogar arbeiten.
Es heitert mich bisweilen auf:
ernst zu tun und beschäftigt.

Es tun viele so, als täten sie gerne,
was sie tun. Ich hab das nicht nötig:
Wenn ich nichts tue, dann tu ich es
aus Überzeugung und mit Herzblut.

Ich befinde mich dabei in guter
schlechter Gesellschaft. Es gibt viele,
die sich drücken, nur drücken sie sich
gewählter aus. Ich sag: scheiß drauf.

Meine Seele ist ein Mädchen,
etwas versonnen, mit roten Sandalen,
das mit der Welt verstecken spielt.
Sie hat himmelblaue Augen. –

Vier Strophen später ists schon besser.
Genug geackert, sag ich, für heute ists getan.
Jemand muss auch mit den Blumen sprechen:
Viele Sorgen tragen sie in kleinen Köpfen.

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