Butchers Crossing: Quälende Routinen in der Wildnis.

Der Exotismus des herkömmlichen Westerngenres bedingt, dass sehr sparsam mit den Alltagsroutinen seiner ProtagonistInnen umgegangen wird. Wenig ist zu lesen über den Alltag der gar nicht so großen Helden, über die Unbequemlichkeiten des Reisens, über die Unattraktivität der Wildnis, über die Arbeit und Mühsal eines Pionierlebens. Das Genre schwankt vielmehr zwischen der Überhöhung der Natur und der Verherrlichung von Helden – selbst wenn es kritisch mit sich selbst umgehen will. Es bemüht Klischees, die immer wieder in unterschiedlichen Ausprägungen und mit ideologischen Hintergründen daherkommen: Rassismus, Zivilisationskritik, Neurdnung des Westens, Gewaltätigkeit, Natursehnsucht. All dies sind Möglichkeiten eines erprobten Genres, das seit 1900 existiert. Western sind Gefäße für die Fantasien ewig pubertierender Männer: das ist zunächst weder gut noch schlecht, auf alle Fälle aber Faktum. Das vorliegende Buch von John Williams ist da völlig anders gestrickt, weil es sich den Klischees entzieht und sein Augenmerk auf etwas anderes lenkt: auf die Mühen des Alltags.

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Zunächst verspricht der Klappentext noch Abenteuer: wieder ein Junge, der auf der Suche nach sich selbst in die Wildnis aufbricht. Das hatten wir doch schon, oder ? Und obwohl Butchers Crossing nicht von sich behauptet, dokumentarisch zu sein, ist es wahrscheinlich historisch gesehen authentischer als viele, die von sich behaupten, dokumentarisch vorzugehen. Wer jemals die Mühen langwieriger Wanderungen oder umständlicher Bergbesteigungen auf sich genommen hat, dem wird es nicht schwerfallen, nachzuvollziehen, was die Wahrheit dieses Buches ausmacht: die Normalität des Lebens und der Alltagsroutinen von vier Männern, die sich zu einer Büffeljagd in die von Menschenhand noch kaum berührten Landschaften von Kansas und Colorado des Jahres 1870 aufmachen. Der Held des Buches ist unter ihnen: der junge Harvard Absolvent William Andrews, der sich mit 600 Dollar in ein Unternehmen eingekauft hat, das die Jagd (The Kill) inmitten unermesslicher Büffelherden der Prärie noch einmal aufleben lassen will; denn auch der Westen beginnt seine Unberührtheit zu verlieren und die Kadaver erlegter Büffel werden bereits mit Fuhrwerken abgeholt, um in der Düngemittelindustrie den letzten Profit aus den Kadavern der Tiere herausschlagen zu wollen. Schnell verstehen wir den Titel des Buches, welches den Namen eines Ortes bezeichnet, der fast ausschließlich vom Handel mit Büffelherden lebt: Butchers Crossing. Dennoch: wer auf die moralinsaure Emphase in der Art der Hollywood – Mythen wie „Der mit dem Wolf tanzt“ gehofft hat, der wird enttäuscht sein. Der 1960 erschienene Roman ist Chronist eines Abgesangs und nicht dessen moralischer Wächter. Das tut gut. Denn niemand kann ernsthaft glauben, dass das Leben in der Wildnis ein schönes, erhebendes, exotisches, von Spannung und Abenteuern durchdrungenes sein kann. Ja, am Anfang steht noch der Rausch des Unbekannten, des hinter der schäbigen Einfachheit des Straßenzugs und jenseits der Stadtgrenzen von Butchers Crossing liegenden, vermeintlichen Abenteuers.

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Doch schon bald verwandelt sich das Prickeln des Unbekannten in die Qualen der Reise: das schmerzhafte Sitzen im Sattel, so lange bis nichts als Taubheit bleibt, die Moskitos am Flußufer, die eintönigen Mahlzeiten (Bohnen natürlich), der quälende Durst, die körperlichen Anstrengungen des Gebirges, das Wetzen der Schlachtmesser, das Töten der Tiere, das prekäre Überleben im Winter, die enttäuschende Rückkehr nach Butchers Crossing. Fast somnambule Zustände werden beschrieben, mit unerbittlicher Akribie und Treffsicherheit.

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Schließlich ist ein Jahr ist vergangen und so hätte das Buch in seiner Einfachheit auch enden können. Aber es kommt zur Katastrophe und auf einmal verstehen wir, wie sehr das vergangene Jahr auf den Seelen der überlebenden Männer gelastet hatte.  Ein empfehlenswertes Buch für all jene, die dem westlichen Konzept der Wildnis immer schon mit Skepsis begegnet sind.

In den Sandbergen der March

IF   Mehrere Hinweise haben mich auf die March aufmerksam gemacht. Da war einmal jener ausgezeichnete Universum-Bericht über das einzigartige Ökosystem entlang der March. Dann las ich über das Projekt des Alpen-Karpaten-Korridors, welches den freien Wildwechsel von den Karpaten über die March- und Donauauen bis in die Alpen zu ermöglichen versucht. Unmittelbarer Anlaß war aber der Föhrenwald in den Sandbergen bei Drösing, ganz im Sinne meiner Suchbewegung im Tree – Ogham, wo ich mich nie zwischen Tanne und Kiefer entscheiden hatte können. Nebenbei wollte ich auch noch drei Caches loggen, die in den Marchauen zwischen Sierndorf und Drösing lagen und an denen ich nicht vorübergehen konnte.

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Wie also entstanden diese Sandberge? Auf einem Hinweisschild der Umgebung konnte ich entnehmen: Die Flußniederung der March wurde durch die Hochwasserdynamik in der Vergangenheit immer wieder umgestaltet. Bei Niedrigwasser fielen riesige Sandbänke trocken, aus denen der Wind Feinsedimente aufwirbeln und verblasen konnte. Das feinkörnige Material wurde im Postglazial meist nur über geringe Distanzen verfrachtet und lagerte sich teilweise in Form von Sanddünen ab. Um die Flugsande zu stabilisieren, wurde das Gebiet  „In den Sandbergen“ im 19. und 20. Jahrhundert gr0ßflächig aufgeforstet, so dass die charakteristische Silbergras-Flur allmählich verschwand. Doch nur vorübergehend: Als vor einigen Jahren der Oberboden einer Schlagfläche abgetragen wurde, konnte sich aus den im Sand eingeschlossenen Samen innerhalb weniger Monate wieder eine Silbergras-Flur etablieren.

Diese Geschichte mochte ich, wies sie doch auf die Charaktaristik unserer Kulturlandschaft hin, die so viele mit der „Natur“ verwechselten.

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Nachdem ich längere Zeit die Fichtenwälder durchstreift hatte, machte ich mich querfeldein über die weiten, landwirtschaftlich genutzten (?) Flächen der Au, welche immer wieder von den typischen Kopfweiden durchzogen waren. So landete ich schließlich auf dem Weg nach Drösing. Obwohl es schon spät war, versteckte ich mich rechtsab an einem Altarm der March im Wald, um mit meinen Kocher Tee zuzubereiten. Über mir kreisten Reiher und Schwarzstörch, die böse Geräusche ausstießen. Die Sonne ging unter und Dämmerung brach herein. Es wurde kalt. In der Dunkelheit kam ich am Bahnhof an: überraschenderweise war das Bahnhofsgebäude geöffnet, sodaß ich die halbe Stunde Wartezeit im Warmen verbringen konnte.

2. Feldversuch Brot (Bannock am Stock)

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Letztes mal hatte ich Bannock in der Pfanne gemacht, weil es so stark geregnet hatte und ich keine halbwegs sauberen Holzstäbe im Wald gefunden hatte. Heute hatte ich mehr Glück: mitten im Februar hatte es knappe 15 Plusgrade und wir beschlossen zur Feuerstelle am Fluß zu gehen und Suppe mit Brot zu essen. J. hatte zwei grüne Buchenstöcke gefunden, sie mit ihrem Messer von der Rinde befreit und sie am Feuer erwärmt. Wieder hatten wir die Brotmischung mit Back- und Milchpulver mit uns und wir mischten es mit Öl und Wasser ab, kneteten es zuerst im Plastiksäckchen und dann in der Hand. Wir ließen es ein wenig ruhen, bereiteten in der Zwischenzeit die Suppe und dann ging es daran, den Teig in lange Würste zu kneten. Diese wickelten wir über die Stöcke und ließen sie in sicherer Entfernung vom Feuer langsam von allen Seiten bräunen. Die Geduld lohnt: wenn man mit der Hitze sparsam umgeht und dem Brot Zeit läßt, wird es wirklich gut.

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Und so saßen wir auf der Bank, diesmal weniger Bushcraft und mehr Kochen an der Brätelstelle. Wir ließen uns von der Sonne liebkosen, lauschten dem Wasser der Murg wie sie über die Steinhindernisse rauschte und sahen den Wanderern zu, wie sie an uns vorbeizogen und freundlich grüßten. Ich hatte zwei Metallfeilen mitgenommen und schärfte mit sorgfältigen Strichen meine Handaxt. Einmal setzte sich ein altes Paar an den Tisch zu uns, um sich von ihrer Wanderung ein wenig zu erholen bevor es an den Aufstieg über den Bergrücken ging. Dann wieder lockte ein Mann seinen Bernhardinerhund mit geworfenen Stöcken ins Wasser der Murg. Ein Wanderer fragte Neugierig nach dem Inhalt der Töpfe. Ein Graureiher flog erschrocken auf. Dazwischen die Ruhe des Waldes.  Kein Herzklopfen und keine Atemnot: warum auch? Im Nu waren Stunden vorbeigegangen.

Video Bushcraft aus Österreich

Statt Fernsehen sehe ich mir immer wieder gerne Videos von Bushcraftern an. Mich interessiert es, was andere im Wald tun und vieles habe ich beim Zusehen gelernt. Zunehmend bin ich auf YouTube auf Vlogs österreichische Vertreter gestoßen und wollte diese auf tinderness vorstellen. Die Qualität der einzelnen Kanäle wird sowieso sofort offenbar, ich habe mir erlaubt, sie nach meinen eigenen Gütekriterien (Ernsthaftigkeit, Originalität und Professionalität) zu reihen.  Ich bin dankbar für weitere Hinweise und Anregungen.

  • Reini Rossmann hat bei 670 AbonentInnen und bietet auf Survival Training in Wien und Tirol auch entsprechende Kurse an. Seine Kenntnisse der Fauna und Flora sind beeindruckend und die Wahl seiner Videos weichen stark vom Feuermachen-Allerlei-Eh-schon-gewußt anderer Kanäle ab. Wer Neues erfahren will und seine Naturkenntnisse stärken, der/die sollte unbedingt abonnieren.
  • Frauen sind in der Bushcraftszene relativ selten anzutreffen, in den Reihen der JägerInnen ebenso.  Alonevolverine1984 (über 8000 AbonentInnen) ist beides und spricht darüber auf ihrem Kanal exzellentes Englisch.  Auf sie bin ich aber vor allem deshalb aufmerksam geworden, weil sie auch Videos über ihre Fails ins Netz stellt, wie eben in ihrem Beitrag Girl vs. Wild (First Bushcraft Night out there).
  • Erfrischend finde ich den Kanal der Natur- und Wildnisschule Nawisho (Knapp 300 AbonentInnen) aus Payerbach an der Rax. Die jungen Leute zeigen vor, wie es gehen könnte. Was mich hier besonders interessiert, sind die Dinge rund ums Filzen und ums Spurenlesen. Neben dem Videokanal gibt es auch eine Website.
  • Blacky170974 (bei 1.300 AbonentInnen) kommt aus dem Bundesland Tirol und trägt mit Begeisterung Ausrüstung des österreichischen Bundesheeres. Sein Kanal bietet Vermischtes, allzu Vermischtes: Reviews, Va’s, Outdoor – Techniken. Gemeinsam mit seinem Freund Enrico (siehe unten) bietet er auf Survival Training Tirol  Überlebenskurse an.
  • Aus der Gegend um Hainburg ist Karl Heger (Selbstbezeichnung Outdoor Carlos, 320 AbonentInnen), ein sehr reger Beiträger. Wer Höhlenerkundungen oder Geocaching interessant findet und ihn gerne auf seinen Familienwanderungen begleitet bzw. seine Leidenschaft des „Käfchentrinkens“ auf Baumtischen teilt, der mag bei diesem Kanal gut bedient sein. Österreich halt, wie es leibt und lebt.
  • Der Rettungsfahrer Enrico betreibt den Youtube Kanal Bushcraft Oberland mit derzeit über 150 AbonnentInnen. Zu ihm fällt mir auch nicht nicht viel mehr ein als zu
  • Styrian Power, der sehr  gerne die österreichische Fahne in Anspruch nimmt. Sein Kanal  hat  rund 900 AbonnentInnen. Für mich sind beide Kanäle entbehrlich.
  • Survivalmike (5700 AbonentInnen) ist der Einzige der Vorgestellten, den man/frau als Urban Prepper bezeichnen könnte: da passt schon der dramatische Ton und das kernig-österreichische Amerikanisch dazu. Ich bin da gar nicht interessiert, weil mir der phantasierte GAU den Buckel runter rutschen kann und ich auch aus diesem Grund kein Bag Out Bag bereithalte. Die Welt ist ohnehin schon hysterisch genug, auch ohne die Importe aus den USA.

Alles in allem sind interessante Kanäle wirklich rar. Aber das ist wohl in allen Ländern so.

1. Feldversuch Brot (Bannock in der Pfanne)

Bild Die ganze Nacht hatte es geregnet und für den Morgen waren Schneefälle angesagt. Ich wußte also, das es sehr schwierig sein würde ein gutes Feuer zu entfachen und wollte daher ein paar Scheite trockenes Holz von zuhause mitbringen. J. lud mich bei der Beiz auf der Anhöhge aus und ich machte mich auf den Weg zur Feuerstelle, an der ich mein Brot („Bannock“) backen wollte. Ich trug meinen üblichen Rucksack, hatte aber über meinen Bauch noch einen zusätzlichen Rucksack mit Buchenholzscheiten aufgeschnallt. So wankte ich bergan bis ich den Platz erreicht hatte, der in einer kleinen Senke am Waldesrand lag.

Die Methode „Von Nass zu Trocken am offenen Feuer“ besteht darin, mit dem nassen Holz vor Ort einen schönen Stapel in einem Schachbrettmuster zu schichten. Wichtig sind die Zwischenräume, die man freilassen muss, damit sich der Sauerstoff schon entfalten kann und der Zug nach oben entsteht. Darauf kommt in selber Manier das Trockenholz, dann dürre Zweige und darauf entfache ich die Glut. Und schon gibts ein Feuer, dass man nach und nach mit zusätzlichem feuchten Holz, das man vorher an der Feuerstelle antrocknet, füttern kann. Es brennt stundenlang, so man nur will. Während also das Feuer vor sich hin bruzzelte, spannte ich mein Tarp und hängte meine mittlerweilen nassen Kleider darunter auf, wo sie schnell trockneten. Das Tarp staute die Hitze des Lagerfeuers so gut, dass ich es darunter, mit nur zwei Leibchen bekleidet, angenehm warm hatte. Jetzt sollte es ans Brotbacken gehen. Bild Ich hatte mir schon zuhause folgende Brotmischung in einem Plastiksack vorbereitet: 1 Tasse Weizenmehl, 3 Esslöffel Milchpulver, I Esslöffel Backpulver, 1/2 Esslöffel Salz. Mit dem mitgebrachten Pflanzenöl und ein wenig Wasser, das ich vorsichtig angoß, knetete ich im Säckchen die Masse zu einer Kugel, die nur mehr wenig klebte. So konnte ich diese schließlich in meinen bloßen Händen weiterkneten, bis ich einen sehr geschmeidigen Brotteig erhielt. Ich entschied mich für die einfache Variante und sah davon ab, das Brot an Stöckchen zu braten. Ich hätte da mit sehr nassen (und schmutzigen) Ästen hantieren müssen, und das wollte ich diesmal vermeiden. So kam das Brot in die Pfanne und diese auf die Glut. Nach 15 Minuten wendete ich das Brot und ließ es auf seiner anderen Seite weitere 15 Minuten weiterbacken. Wenn das Brot beim Daraufklopfen hohl klingt, dann ist es fertig. Sorgsam gehe man allerdings mit lodernden Flammen um, die verbrennen das Brot nur und nichts ist letzten Endes erreicht. Bannock Während das Brot vor sich hinbuk, briet ich mir vegetarischen Fleischkäse mit Eiern und kochte ein paar Tassen Kaffee. Ein nasses, aber sehr befriedigendes Frühstück war dies, an einem Sonntag, wo viele wegen des schlechten Wetters erst langsam aus den Federn gekrochen kommen. Herzlichen Gruß vom Wald, den man bei allen Wetterlagen genießen sollte. Ach ja, nach drei Stunden Wald packte ich alles zusammen und machte mich zu Fuß bei strömendem Regen auf den Weg nachhause. Der Tag war gemacht!

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Ogham: Tinne – Holly – Stechpalme

Schon bei einem meiner vorigen Ailm – Rituale im Wald hatte ich neben der Buche vor allem die Stechpalme angetroffen, meist in Form zäher und sehr stacheliger Gebüsche. Und eine schmerzhafte Erfahrung hatte ich mit ihr gemacht: denn als ich gierig ein Stück von einem Strauch schneiden wollte, um ein Ogham-Stäbchen zu schnitzen, riß ich mir mit der Säge des Taschenmessers eine tiefe Wunde in meine Hand, die ich wegen des starken Blutdranges sorfort versorgen mußte. Ich empfand dies als Bestrafung für die Respektlosigkeit und Gier, mit der ich diesem Baum begegnet war. Denn die Regel ist, nichts vom lebenden Baum zu schneiden und geduldig nach einem Stück toten aber nicht abgestorbenen Holz zu suchen, um von diesem Stück ausgehend das Ritual zu entwickeln.

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Die Stechpalme ist ein Baum, auch dies eine neue Erfahrung für mich. Bisher hatte ich sie nur als lästiges Gesträuch gesehen.  Als ich heute meinen Tannentee an dem Ort trank, von dem auch mein Ailm – Ogham Stäbchen bezogen hatte, fand ich die ersten, etwa 3 bis 4 Meter hohen Stechpalmen, die weiblichen Pflanzen rote Beeren tragend. Und plötzlich lag ein Zweig vor mir, von dem ich ein Stechpalmen Hölzchen schneiden konnte. Und ich wusste das dies jetzt der richtige Moment war. Denn hier war der Ort, an dem ich mit meinem Ogham Ritual begonnen hatte, die Heimat meiner gefällten Tanne. Und es war die Dreieinigkeit von Buche, Stechpalme und Fichte/Föhre, der ich so oft in letzter Zeit begegnet war und die ich auch an diesem Ort vorfand.

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Ich schnitt das Hölzchen also von dem großen Baum, wie immer eine Handbreit lang, und schnitt dann die Enden mit meinem Messer rund. Ich war froh, den nächsten Schritt getan zu haben und freute mich schon, über die Stechpalme  in meinem Buch zuhause lesen zu können.

Bushcraft im Autoland

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Die letzte Etappe der österreichischen Hauptroute des Sultansweges wollte ich auf der Suche nach weiterführenden Informationen begehen. Weniger aus Liebhaberei, sondern mehr aus der Überzeugung, meine Routenberichte nun bald abschließen zu sollen. Ich hatte es schließlich S. versprochen, der an der holländischen Version der Österreich – Route arbeitet.

Denn schön war diese Etappe wirklich nicht, und das lag nicht nur an dem kalten Wintersturm, der sich bei Minus 9 Grad heftig entlang der Donau Richtung Bratislava bewegte. Die Etappe bewegt sich (notgedrungen) entlang der Achse Wien-Bratislava und von Wolfsthal aus fast nur entlang von Bundesstraßen und Autobahnen. Aber sei es drum: was sein muss, muss sein. Zudem streikten sowohl Tonaufnahmegerät als auch Fotoapparat wegen Unterkühlung der Batterien, aber mein Samsung Mobiltelefon hielt durch, weil ich es eng an meinem Körper trug.  Und das war gut so, denn als ich im slowakischen Teil der Strecke ein wenig vom Fahrradweg in den dichten Auwald auswich, fand ich ein sehr romantisches Naturlager, das ich unbedingt fotografieren musste.

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Wie so oft findet man die schönsten Stellen, wenn man sich im Wald (wie in einem Meer) treiben läßt. So auch hier: plötzlich öffnete sich der Auwald und ich fand ein hübsches Ensemble aus einer mit Plane überdeckten Sitzgruppe, einem mit wildem Buschwerk überdachten Tisch und einem gemauerten Brunnen, der möglicherweise ein Überrest der dort überall vorfindbaren Bunkeranlagen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war.

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Ein wunderbarer Platz und insbesondere das kleine Häuschen war wie geschaffen dafür, mich ein wenig aufzuwärmen und mir Suppe und Kaffee zu kochen. Ein Feuer wagte ich in der Slowakei nicht anzufachen, bediente mich aber zum ersten Mal meines neuen Esbit-Kochers, den ich mir vor kurzem angeschafft habe. Die Brennspiritus – Kocherei ist zwar langweilig und langsam, aber das Kochgeschirr großartig, wenn auch nur für eine Person geeignet.

So saß ich in meinem Hüttchen, von Wind und Kälte geschützt, und ich war froh, den strahlend hellen Tag von diesem geschützten Platz aus genießen zu können.

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Cache In, Trash Out (CITO)

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Heute waren wir zur Abewchslung einamel wieder Cachen – die ersten Funde des Jahres 2013 sollten es werden. Einem Bach entlang, den wir immer wieder kreuzten, ging es zu drei Verstecken, wo wir tatsächlich erfolgreich waren. Schöner jedoch war es, den Wald rund um das enge Bachbett zu genießen. Es war einsam, nur zwei WalkerInnen begegneten wir, die über uns auf dem schmalen Weg ihre Nachmittagsrunde zogen.

Das beschauliche und vorsichtige Suchen (nasse Blätter und schlammig-toniger Untergrund machten den Pfad ein wenig mühsam) hatte jedoch bald ein Ende. Überall Müll: ganz unschweizerisch und wohl auch rücksichtslos. Viele der Petflaschen waren bereits vom Wild angeknabbert worden und das zerkleinerte Plastik lag wohl unverdaut im Magen der betroffenen Tiere. Große Scherben von zerbrochenen Bierflaschen lagen gefährich herum, direkt neben einem Tierpfad und halb verdeckt vom Laub, sodass Verletzungen für die Tiere programmiert waren. Einen ganzen Abfallsack konnten wir füllen, darunter: ein Fußball, ein Mobiltelefon, ein flacher Topf mit Deckel, die Sohle eines linken Sportschuhes, Petflaschen, Dosen, Papier, Plastikplanen, eine kleine Haushaltsleiter, zerbrochene Bierflaschen, Verpackungsmaterial und noch vieles anderes mehr.

Immer wenn ich derartigen Müllhalden in den wenig uns verbliebenen Naturreservaten begegne, erfüllt mich Wut. Aber immerhin: dagegen kann man tatsächlich etwas tun: mit dem immer mitgeführten Müllsack und einem beherzten Griff, auch wenn ich nicht cachenderweise unterwegs bin. Daher kreiere ich eine neue Abkürzung: GITO – GO In Trash Out. Und Facebook Seiten wie diese finde ich dementsprechend nachahmenswert.

Über die Nutzbarkeit der Tanne

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Meine Konzentration auf die Tanne/Fichte hat mich zu Einsichten gebracht: Dinge vielleicht, die ich ohnehin schon gewußt habe, welche ich aber nun einer Zusammenschau konzentriert erkenne. Es geht dabei darum, wie oft und wofür ich sie schon bei meinen Aufenthalten im Freien genutzt habe. Hinzugekommen ist eine neue Einsicht, die ich durch meine Ogham relevanten Rituale gewonnen habe: man sollte Einverständnis mit den Bäumen herstellen, die man für sich nutzen will. Das klingt in Zeiten wie diesen sehr versponnen, wenn nicht gar verrückt. Dazu muss ich sicherlich hier schreiben, um zu erklären, was genau diese Aussage für mich bedeutet.  Doch nun zur Tanne, die ich hier stellvertretend für all Kieferngewächse nehme.

* Es ist schön bei Tannen zu sitzen, die so gerade in den Himmel wachsen, wie ein Rückgrat, das wir in unserem Privat- und Berufsleben so stark vermissen. Es ist aber auch beeindruckend zu sehen, wie Föhrenzweige sich biegen und winden können und trotzdem stark und knorrig daherkommen. Und so nutze ich den Baum um über mich und mein Leben nachzudenken. Aber es gibt natürlich auch banale Dinge, die sich fürs Bushcraften hervorragend nutzen lassen und die mehr auf das Pragmatische und die ganz konkrete Nützlichkeit zielen.

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* Die abgestorbenen Äste an ihren Stämmen dienen ausgezeichnet zum Anfeuern, da sie im Vergleich zum herumliegenden Altholz fast immer trocken sind. Aber Achtung: die Bruchstelle sollte sich nicht direkt am Stamm, sondern eine Handbreit daneben sein.

* Auch die Zapfen lassen sich hervorragend zum Anfeuern verwenden.

* Das Harz, mit denen die Bäume ihre Wunden verschließen kann man dreierlei nutzen. Einmal als sehr guten und lange anhaltenden Brennstoff beim Anfeuern und andrerseits als gutes Antiseptikum bei offenen, auch blutenden Wunden, die man sich im Wald zugezogen hat. Einfach flüssiges Harz auf die Wunde schmieren. Und schließlich kann man damit Kaugummi produzieren – die Anleitung dazu gibts im Youtube Kanal von phreshayr. Wichtig ist dabei, das Harz sehr vorsichtig vom lebenden Baum abzutragen, weil dieses ein wichtiger Schutz für den Baum ist. Um Harz immer bereit zu haben, sammle ich es auf meinen Wanderungen in kleinen Plastikdöschen.

* Eine andere Art, von Tannen Harz zu gewinnen, ist das Aufstechen der sogenannten Harzblasen auf der Rinde des Baumes, von wo sich ein besonders  reines und flüssiges Harz für die Wundversorgung und das Feuermachen gewinnen läßt. Martin Fürst hat in einem Beitrag darauf hingewiesen.

* Tannen oder Fichtennadeln, insbesondere die jungen Triebe im Frühling, machen einen ausgezeichneten Tee. Eine Handvoll dieser Triebe ins kochende Wasser geben, aufkochen und wenige Minuten ziehen lassen, bis sich die Nadeln weissgelb färben. Wer den Absud mit viel Zucker mischt, gewinnt den sogenannten „Wipferlsirup“, der gegen Husten und zur Stärkung der Atemwege verwendet wird.

* Ebenso kann man Kienspan aus den Baumwurzeln herausschneiden, Stücke Holz, an denen sich das Harz so stark eingelagert hat, dass das Holzstück seidig-fett glänzt. Es ist ebenso ein ausgezeichneter Tinder, insbesondere wenn man es vorher mit dem Messer in kleinen Spänen abschabt und auf das kleine Häufchen seinen Zunder richtet.

* Um aus Baumharz Kaugummi zu gewinnen, das ist zwar etwas mühsam, aber Northwest Bushceaft und Survival zeigt, wie das auch mit einfachen Mitteln gelingen kann: How to make spruce pitch gum.

Wer darüber hinaus sich über die Nutzbarkeit der Tanne als heilkräftiger Baum informieren will, der kann dies ja bei Miriam Wiegele tun.

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Ein Text von Thomas Sautner

Es gibt Texte, die den eigenen Erfahrungen so intensiv entsprechen, dass sie fast weh tun. Mit einem Vorabdruck eines Textes von Thomas Sautner in einer im März 2014 erscheinenden Anthologie mit dem Titel  „Mein Waldviertel“ ist es mir so ergangen. Einen Teil davon will ich Ihnen nicht vorenthalten:

Ich pumpe frisches, kaltes Wasser in den granitenen Trog, wasche mir die Hände, Arme, Gesicht und Nacken. Putze mir die Zähne. Nur eines habe ich heute vor: eine ausschweifende Runde durchs Gehölz. Nichts bestimmtes will ich erkunden, einfach mich gehen lassen im Wald.

Ich fülle die alte , blecherne Feldflasche mit Wasser, nehme einen Apfel und schneide einen Ranken Brot ab, stecke alles in meine Jacke und gehe Richtung Sonne. Pfad oder Weg brauche ich nicht. Der Wald selbst ist der Weg. Er ist wie das Meer.