Fast Vollmond und Eamancholl

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Als die Sonne am Horizont noch einmal aufglühte fand ich das Stück Buche, mit der ich endlich mein Tree Ogham fortsetzen konnte. Es ist das dritte Stäbchen in der Reihe und heisst Eamancholl. Lange hatte ich danach gesucht, weil die Buche immer präsenter in meiner Aufmerksamkeit geworden war. Es war logisch, daß nach der Tanne/Fichte/Kiefer und der Stechpalme nun sie kommen sollte: sie waren auch hier im Wald unmittelbare Nachbarn.  Ich hatte Baumperlen geerntet, ihre Blätter gegessen, ihren Stamm berührt und seine glatte Unebenheit ertastet, ihre verwelkten Blätter am Baum und am Boden studiert. Heute war die Nacht im Wald vom Mond durchflutet, der durch die zarten Buchenblätter flutete und sie leuchten ließ im dunklen Gewirr der schwarzen Schatten. Kalt war es, als wir im Wald nach Hause gingen, viel kälter unten gegen das Tal zu als oben auf der Hügelkuppe. Trotzdem fühlte ich mich hier für einige Augenblicke in der Unwirklichkeit des erleuchteten Waldes beheimatet. Der Mond war voller Energie und ließ mich die Grüne Welt spüren, mehr als jemals zuvor.

Ich hatte das Hölzchen geschnitten, es war ein wenig kleiner geraten als die anderen, obwohl ich es mit meiner Hand so wie die anderen gemessen hatte. Das Stäbchen pulsierte in meiner Hand und genau deshalb wußte  ich, dass es das Richtige war. Ich freute mich darauf, mich zuhause näher mit ihm beschäftigen zu können.

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Den Spuren der Stechpalme folgen

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1. DIE UNGELIEBTE: Dort, wo ich sehr hohe Stechpalmen (ganze Bäume!!)  gefunden und auch meinen Ogham Stick geschnitten habe, treffe ich vor wenigen Tagen auf den Bauern, dem der Wald gehört. Es sei ihm, sagt er, bewußt, dass die Stechpalme unter Naturschutz stehe, dass sei ihm aber recht egal. Wenn sie störe, werde sie einfach weggeschnitten. Tatsächlich ist das stachelige Wesen nicht beliebt, es stört, es sticht und kratzt und wächst so schnell und unbändig vor sich hin.  Das mag niemand, wenn der Wald zu pflegen ist. Dieses unangenehme, aggressive Stechen! Nur dort, wo die Tiere ihre immergrünen Blätter nicht fressen können, nämlich in der Höhe, sind sie nicht mit Stacheln bewehrt. Die gute Stechpalme hat auch mir schon mehrmals wehgetan. Doch ist sie schön anzusehen. Die immergrünen Blätter, die roten Beehren, das unter der Rinde verborgene weiße Holz, welches man/frau so gut für Intarsien verwenden kann.

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2. DIE AUFREGEND GEFÄHRLICHE: Fest steht, die roten Beeren, die sich im Winter zeigen, sind giftig. Und auch dem Genuß der Blätter traut die Fachwelt nicht so richtig. Als Arzneimittel werden diese nur in der Schweiz verwendet. Der Baum, so heisst es, sei ein Eindringling aus Südwest- und Westeuropa, und so einem fremd-heimischen Gesellen, dem mißtraut man wohl grundsätzlich. Auf alle Fälle wird vor Selbstmedikation gewarnt. Doch will ich mehr über ihn erfahren. So wende ich mich an seinen nächsten Verwandten, dem Matebaum, aus dessen Blättern in Südamerika ein kräftiger Aufguß bereitet wird. Ich kaufe Matetee und eine weitere Packung vermischt mit Kräutern. Es ist verlockend ihn zu trinken, er belebt mich, läßt aber auch mein Herz ganz stark schlagen. Doch das kann ich jetzt, in diesem Moment, gerade NICHT gebrauchen: das ist bedrohlich und macht mich krank. Ich weiß: mir ist das Gewächs in jedem Fall gefährlich und doch zieht es mich an.

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3. DIE GESELLIGE: Am Anfang meiner Spurensuche im Tree Ogham habe ich mir die Frage gestellt, in welcher Reihenfolge ich die Bäume des keltischen Alphabets besuchen und kennenlernen sollte. Ich begann mit der Tanne, neben ihr sah ich die Stechpalme und ihre Freundin die Buche. Sie wuchsen zusammen und immer deutlicher besser lernte ich auf meinen Streifzügen durch den Wald ihre Lebensgemeinschaft kennen. Eines Tages am Lagerfeuer vermochte ich auch die Energie zu spüren, die zwischen den drei Bäumen herrschte. Ich saß da, hielt den Tannen Ogham Stick in meiner Linken und jenen der Stechpalme in meiner Rechten, fest umschlossen. Vor mir sah ich auf einmal die Buche. In diesem Dreieck floß die Energie, stark und stetig. In der Mitte loderte mein Lagerfeuer. Was ich sonst nur im Vorbeigehen bemerkt hatte, die Einheit von Tanne/Fichte/Föhre, Stechpalme und Buche: sie spürte ich als Brennen und Knistern in meinen Händen und Armen. Ich lernte, dass man sich treiben lassen und dabei offen bleiben muss in der Zuwendung zu den Bäumen.

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Der einsame Baumstrunk

Nur kurz waren wir heute draußen. Wir wollten eigentlich einige Geocaches suchen, um im letzten Moment unsere Bilanz für 2013 aufzubessern und dann im Freien einen Kaffee brühen. Allerdings blieben wir nur kurz, denn nach unserem ersten Fund drängte J. zum Nachhausegehen. Ihr war nicht besonders wohl zumute und sie wollte gerne wieder nach Hause.

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J. kannte den Weg, sie hatte diesen Cache schon einmal aufgesucht, aber keinen Schreibstift mitgehabt und deshalb aufs Loggen verzichten müssen. Quer durch einen Wald aus Tannen und Buchen gingen wir dorthin und fanden letztendlich eine weite Lichtung vor, auf der erst kürzlich Holz geschlagen worden war. Überall glitzerte das helle Holz der Baumstümpfe, die am Boden liegenden dunklen Äste der Tannen mit ihren dunkelgrünen Nadeln waren ein wenig mit Schnee angezuckert, dazwischen trockenes Buchenlaub. Einzig und allein ein mit Efeu überwachsener, mannshoher Baumstrunk war vom Schlag verschont geblieben. Weil in seinem Bauch auch der Cache unversehrt zu finden war, lag nahe, dass die Holzfäller vom Versteck gewußt und deshalb den Strunk verschont hatten.

So stand er da, unversehrt, inmitten eines Baumfriedhofes. Und bald würde er von Dickicht umgeben sein, schwer passierbar und nur mit Mühe auffindbar. Die geschlagenen Baumstämme würden aber schon im frühen Sommer abtransportiert werden, um sie nicht den Borkenkäfern auszusetzen.

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