Segen der Erde (1) – der Film

Immer wieder habe ich im Laufe meines Lebens an das Buch von Knut Hamsun gedacht, für das er 1920 den Nobelpreis bekommen hat: Markens Grøde (dt. Segen der Erde). Vor kurzem habe ich es wiedergelesen, als mir ein alter verstaubter und vergilbter Band in die Hände gefallen ist. Unvergesslich die ersten Seiten des Romans, in denen der „Held“ Isaak das (scheinbar unberührte und herrenlose) Stück Land für sich absteckt und mit den rudimentärsten Werkzeugen (Axt und Messer) das Land urbar macht. Ja, diese Art von einfachem Leben hat mich immer schon angesprochen. Holzschnittartig breitet sich das einfache Leben vor meinem geistigen Auge aus, entfaltet sich ein linearen Lebensentwurf aus der Sicht eines Mannes, der heute wohl kaum als politisch korrekt bestehen kann.

So sperrig dieses Buch geschrieben ist, so erratisch wirkt auch der Stummfilm aus dem Jahr 1921, der auf Youtube nun frei verfügbar ist, und der sich mit seinem Drehbuch eng an den Erzählstrang des Buches hält. Regie führte der Däne Gunnar Sommerfeldt. 1993 wurden die beiden bis dahin vorhandenen Fassungen des Films zusammengeführt und restauriert.

Sehnsüchte nach den einfachen Leben werden wach, wenn auch wissend, wie eng die zivilisationskritische Aussage mit der Verklärung des Bauerntums verknüpft ist, Damit hat schließlich auch die Nazi Ideologie gut zu spielen gewußt. Dennoch: Fasziniert verfolge ich den ethnographischen Aspekt des Films: die Feuerstellen, Werkzeuge, Kuksas, Blockhausarchitektur u.v.a.m Und dann kommt auch noch das Volk der Samen vor. Dazu wird es an anderer Stelle mehr zu erzählen geben.

Trolle

Ich habe gerade das Buch der finnischen Autorin Johanna Sinisalo fertiggelesen und darin ein wunderbares Gleichnis über den Umgang des Menschen mit der Wildnis entdeckt. Wer mag, kann gerne an anderer Stelle nachlesen, was ich dazu geschrieben habe.

Ich hatte beim Lesen des Buches immer wieder das Bedürfnis dieses mythologische Wesen für mich zu visualisieren und obwohl ich ein gutes Gefühl dafür entwickelt habe, wie ein Troll SEIN könnte, ist es mir nicht gelungen, ihn mir bildlich vorzustellen. Beim Suche nach Bildern von Trollen im Web bin ich aber auf ein Werk des norwegischen Malers und Illustrators Theodor Severin Kittelsen (1857 – 1914) gestoßen, dass das Geheimnis zwar nicht lüftet, aber immerhin andeutet:

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Finnish Weird. Auf der Suche nach dem Unerklärlichen.

Im Umfeld des Finnland-Schwerpunktes auf der Frankfurter Buchmesse 2014 ist ein neues Genre promoted worden, jenes des Finnish Weird. Erfunden hat diesen Begriff die finnische Autorin Johanna Sinisalo, die mit ihrem 2005 ins Deutsche übersetzten Buch „Troll: Eine Liebesgeschichte“ selbst den Klassiker zu diesem Genre geschrieben hat.

Ich selbst bin auf den Begriff durch die Lektüre des Buches von Pasi Ilmari Jääskeläinen „Lauras Verschwinden im Schnee“ gestoßen, welches ich an anderer Stelle rezensiert habe. Das Buch hat mich begeistert, weil es als qualitativ anspruchsvolle Literatur die Tür zu einer anderen Welt aufgestoßen hat, welche hinter dem unserer pragmatischen Alltagsroutinen verborgen liegt. Ich glaube, dass es lohnt, sich mit dieser Erweiterung des Realitätsbegriffes zu beschäftigen, in der Literatur und in unserem Alltagsleben. Das ist ja auch immer wieder der Grundtenor dieses Blogs.

Was aber macht das typische von „Finnish Weird“ aus. In einer kürzlich erschienen Broschüre zum Thema nimmt Johanna Sinisalo selbst Stellung dazu. Während im 20. Jahrhundert sich der Realismus der finnischen Literatur als einzig korrekter Weg des Schreibens etabliert habe, sei in den letzten Jahren eine Art Gegenbewegung entstanden. Diese vollziehe ein Pendeln bzw. eine Vermischung der Genren Science Fiction, Horror, Surrealismus, Fantasy und magischen Realismus, grenze sich dabei aber durch ihre Qualitätsansprüche deutlich von skapistischer Fantasyliteratur ab. Auch handle es sich auch nicht um Kinderliteratur im eigentlichen Sinn, welche ja eine ausgeprägte Tradition im skandinavischen Raum besitze. Angeregt zur Begriffswahl sei Sinisalo durch den 2011 uraufgeführten Film „Rare Exports“ von Jalmari Helander geworden, eine skurrile Weihnachtsgeschichte, in dem der „wahre“ Weihnachtsmann im Zentrum steht. Ihr Urteil über diesen Film: „Weird in a very Finnish Way.“ Sinisalo schließt ihren Aufsatz mit der Bemerkung: „We are weird and very proud of it.“

Weiterlesen „Finnish Weird. Auf der Suche nach dem Unerklärlichen.“

Statt Waldeinsamkeit ein Haiku

carl spitzweg: einsiedler, violine spielend.

Irgendwann stoße ich in wikipedia auf den Begriff waldeinsamkeit, hantle mich durch die Gedichte der Romantiker bis ins 20. Jahrhundert, bin entsetzt über die Abgenütztheit der Bilder und kann keine Worte und Reime finden, die das ausdrücken, was der Wald für mich bedeutet.

Und dann ein Haiku von Michael Denhoff, mit dem ich leben kann, aber nicht völlig zufrieden bin:

keine Worte
für das Licht, das
mich streifte