Heimisches Räucherwerk

Hollunderblüten
Hollunderblüten, -blätter und -dolden. Copyright: J.E.

Vormittags nach dem Frühstück fahren wir hinaus und genießen den warmen Pfingstmontag. Wir streifen durch den Wald, bewegen uns an Wiesenrändern und zwängen uns durch Buschwerk. Der Hollunder blüht und Frau Holle will besucht werden.

Nach meiner Ernte von Efeublättern und -früchten im März, finden wir jetzt im Mai an der wunderschönen Eiche junge, frische junge Efeublätter, die sich zu sammeln lohnen würden. Doch dafür sind wir diesmal nicht unterwegs, jetzt wartet der Hollunder auf uns. Noch hat die Hauptblütezeit nicht begonnen, aber am Waldrand und an buschigen Lichtungen finden sich so manche blühende Sträucher, die sich zu finden und zu ernten lohnen. Mein Räuchervorrat will unbedingt ergänzt werden und so bin ich voller Ungeduld. Blütenstaub regnet auf mich herab, wenn ich die Dolden schneide, es riecht sehr intensiv und meine Finger und das Taschenmesser werden klebrig. Es ist auch ein kleiner vorsichtiger Kampf gegen Bienen und Hummeln, die mir den Platz streitig machen. J. war aufmerksam gewesen und hatte Tabak mitgebracht. „Wer nimmt muß auch geben“, meint sie, und so streue zum Dank immer ein paar Krümel neben dem besuchten und geernteten Strauch.

Ein Anfang ist gemacht, vielleicht wird die Suche am kommenden Ende die Ernte fortgesetzt. Dann dürfen auch frische Efeublätter mit.

Zu Hause beim Rebeln der Blüten betört mich deren süßer Duft, fast bekomme ich Kopfweh. Ich bin neugierig wie lange der Trockenvorgang dauern wird und zu welch kümmerlichen Resten die frischen Blüten schrumpfen werden.

Efeu, vorsichtig geerntet, am Ende des Winters.

Also, noch einmal: Efeu ist giftig, insbesondere die schwarzen Früchte, deren Einnahme zum Tod führen können. Beim Pflücken mit bloßen Händen spüre ich schon, daß Blätter und Früchte eine leichte Reizung der Haut hervorrufen. Ich hätte daher besser Handschuhe verwendet. Dennoch werde ich einen kleinen Vorrat an Blättern und Früchte von meinem Efeu-Gewächs, das wir nun schon zum zweiten Mal besuchen,  mitnehmen und damit vorsichtig Räucherversuche vornehmen. Vor diesen warne ich hier ebenfalls ausdrücklich. Einen fingerdicken Efeu – Stamm habe ich ebenfalls von einem nicht mehr lebenden Gesträuch entnommen. Ihn werde ich trocknen und nach spezieller Präparation meinem Baum-Ogham hinzufügen. Ich bedanke mich abschließend bei Brighid für die Gaben.

Lange sind wir wieder am Flußufer gesessen und haben dem fließenden Wasser nachgesehen. Auf dem Hobo-Kocher gab es Kaffee, Kakao und sogar Würstchen. Vögel picken von den Efeufrüchten. Sie werden die darin enthaltenen Samen forttragen. Mißtrauisch beobachten uns einige Rabenvögel. Kaum haben wir den Lagerplatz verlassen, kontrollieren neugierig unseren ehemaligen Lagerplatz. Wir streifen die Thur entlang, bis zu dem kleinen Wasserfall, der tosend die Stufe vor der Brücke hinabfällt. Über uns eine verschworene Ruine.

Wir sammeln wieder leere Schneckenhäuser, Treibholz und Stein, nehmen aber auch Müll vom Flußufer mit. Eine Spaziergängerin mit Hund beobachtet uns dabei. Sie erzählt, daß sie die gefundenen Schneckenhäuser zu Hause reinigt und dort mit durchsichtigen Nagellack bemalt, um sie zum Scheinen zu bringen. Sie sitzt am Flußufer auf einem Baumstamm und raucht.

Beim Weitergehen bemerken wir, dass Bärlauch und Himmelschlüssel bereits zu treiben beginnen und sich durch das Laub geschoben haben. Bald ist Ostara, Frühlingsbeginn. Es scheint, als wäre der strenge Februarwinter vorbei. Die Luft ist warm und feucht, manchmal nieselt es ein wenig.

 

Entdeckung: Polter!

Als Polter (der Polter, seltener das Polter; regional auch Polder) oder Holzpolter wird in der Forstwirtschaft gesammeltes und sortiertes Lang- oder Kurzholz bezeichnet, das nach der Holzernte auf einem Sammel-platz zur Abfuhr bereitliegt, zum Beispiel am Rand von Forststraßen. Meist werden auf einem solchen Polterplatz (Holzlagerplatz) mehrere Polter zusammengestellt, jeweils als Stapel oder als nebeneinanderliegende Baumstämme. Polternummern dienen der Kenn-zeichnung der Polter. Die Bezeichnung hat ihren Ursprung im polternden Geräusch, das beim Abwurf des Holzes auf dem Polterplatz entsteht. Das Zusammen-stellen eines Polters nennt man daher auch poltern.
(Wikipedia)

„Poltern“ – Eigenartige Bezeichnung, denke ich und kucke dann in Wikipedia nach. Wieder etwas gelernt beim heutigen Ausflug an die Thur. Aber daß es Mammutbäume in der Schweiz gibt, hätte ich mir nicht gedacht!

Polter
Polter in der Ostschweiz. Copyright: tinderness

 

Efeu (Gort, Hedera Felix, Ivy) und der Umgang mit ihm

Es ist gar nicht so einfach, sich bei den Pflanzen des Baum-Oghams zurechtzufinden. Das Suchen nach den Spezifikationen der von mir am vergangenen Wochenende gesammelten Efeublätter und -früchte zeigt das wieder einmal deutlich. Dabei stellt sich heraus, daß das Internet manchmal ein denkbar schlechtes Instrument ist, um sich verläßliche Informationen zu verschaffen. Die eklektische und sich sehr oft als prophetisch gerierende Art, mit der manche AnbieterInnen ihre Informationen verbreiten, ist gerade im Fall von giftigen Pflanzen äußerst problematisch. In den meisten Fällen fehlen die notwendigen Quellenangaben. Oft schreibt eine Autorin von der anderen ab und verschweigt dies geflissentlich. Nicht einmal ganze Sätze werden verändert, um den intellektuellen Diebstahl zu verschleiern. Der nach Informationen Suchende scheint aufs bloße Glauben angewiesen zu sein: gerade deshalb ist kritisches Hinterfragen allemal sinnvoll.

Wikipedia ist zwar hinsichtlich der Quellenlage und der verwendeten Informationen im Sinne einer freiwilligen Selbstkontrolle seiner AutorInnen meist gut abgesichert, dennoch empfiehlt sich auch hier oft der kritische Blick. Sehr gut komme ich hingegen mit dem schweizer Heilpflanzenlexikon zurecht – es soll ja auch Positives erwähnt werden.

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Efeu: By Esser, Peter, 1859- Wikimedia Commons

Ich rate dazu, sich ein wissenschaftlich abgesichertes Handbuch über Pflanzenheilmittel anzuschaffen, denen man gültige Aussagen über die pharmakologische Wirkungsweise abgewinnen kann. Schon zum eigenen Schutz sollte man zwischen der pharmakologischen Wirkung einer Pflanze, der historischen Anwendung und dem heutigen Gebrauch in der Volksmedizin und mythisch begründeten Überlieferungen unterscheiden. Das Beispiel Efeu zeigt dies deutlich. Pharmakologische Quellen etwa  weisen darauf hin, daß Efeu eine giftige Pflanze ist, insbesondere seine Früchte. Vor allem Kinder sollten vor der Einnahme geschützt werden. Viele vernünftige Quellen warnen vor der inneren Anwendung, die nur mittels medizinisch getesteter Präparate erfolgen sollte. Efeu wirkt ja schleimlösend und hilfreich bei Erkrankungen des Atemapparates. Die Volksmedizin wiederum empfiehlt Umschläge bei Infektionen der Haut oder Efeusalben bzw. -öle bei der Behandlung von Cellulitis, trotzdem der Umgang mit Efeu zu Hautreizungen führt. Efeublätterumschläge sollen bei Hühneraugen helfen. Aber: wer will an den aus dem Mittelalter überlieferten Praktiken teilhaben, die Efeuabsud gegen die Wirkungen von Alkohol verabreichten?  Auch die allseits verehrte Hildegard von Bingen sollte ja in ihren Hinweisen nicht als sakrosankt gelten. Daß die Priesterinnen des Baccus Mänaden sich einen Trank bestehend aus Efeusud, Kiefernsaft und Fliegenpilzen zubereitet hatten, um ekstatische Visionen zu haben, dem wird man wohl klugerweise auch nicht nahetreten wollen.

Lassen wir deshalb die Kirche im Dorf. Bedingungslose Experimentierbereitschaft mit Efeu kann im günstigsten Fall enttäuschend, im schlechtesten Fall in der Notaufnahme enden. Verläßliche Informationen sind wichtig.  Martin Koradi hat sehr übersichtlich einige Kriterien aufgelistet, die einem bei der Anschaffung eines seriösen Heilpflanzenbuches unterstützen sollen. Ich empfehle, seinen Hinweisen zu folgen. Doch vermeiden wir gleichzeitig auch ein mögliches Mißverständnis, auf das Wolf-Dieter Storl in seinem Buch Kräuterkunde hingewiesen hat, nämlich die pharmazeutische Wissenschaft gegen die Naturheilkunde auszuspielen.  Selbstverständlich hat die pharmazeutische Industrie in ihrer Lobbying – Arbeit sehr oft die jahrhundertealte (und erfolgreiche) Volksmedizin in Verruf gebracht: so als hätte sie nicht Unschätzbares für die Volksgesundheit geleistet, als ärztliche Versorgung in Europa noch für die Mehrzahl der Bevölkerung nicht verfügbar und leistbar war. Pflanzenheilkunde macht auch heute wieder Sinn, gerade angesichts einer sich umsatzbewußt oft unverantwortlich gebärdenden pharmazeutischen Industrie. Aber man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: und deshalb sowohl bei pharmazeutischen Produkten als auch bei Naturheilkunde die nötige Vorsicht walten lassen.

Dabei haben wir bisher nur von den rein informativen Webseiten gesprochen und nicht von jenen, die mit der Pflanze verbundene Produkte anbieten. Sie sind oft in der Einschätzung der Wirkungen der Pflanzenprodukte widersprüchlich und die Produkte unangemessen teuer. Hier wird mit der Sehnsucht nach Spiritualität geworben, die dabei verwendeten Begriffe sind in höchstem Maße spekulativ: man sollte deshalb immer eine gewisse Vorsicht beim Lesen walten lassen. Spiritualität und Rationalität sind ja per se kein Widerspruch und Spekulation bedeutet nicht Transzendenz.

Daß meine Kritik leicht nachzuweisen ist, sollen einige Beispiele aus dem Angebot von Efeu-Räucherwerk zeigen: Beim Räucherguru wird die Wirkung des geräucherten Efeus als schützend, heilend und lösend angeboten, Spirit-Räucherwerk vermeidet von der Wirkung geräucherten Efeus zu sprechen, sondern sagt lieber unspezifisch Efeu – Energie dazu, welche Angste bearbeiten und verschüttete Potentiale ans Licht bringen sollen; KräuterundGeist verspricht die Herbeiführung von Trancezuständen, die Mondfee preist Efeu – Räucherwerk an, um sich mit Kraft und Freiheit zu erheben. Der zugegeben umfangreich recherchierte Katuschka’s Celtic Garden bietet zur Efeu Räucherung ebenfalls phantasievolles aber zu Hinterfragendes an: Kontakt zu den Ahnen und unserem Unbewußten, aber auch vor bösen Geistern wird gewarnt.

Was kann Efeu – Räucherung also wirklich?  Nur eine eingehende Beschäftigung mit der Pflanze wird dazu die Antwort geben können. Von dem, was die praktische Arbeit im Rahmen des Baum – Ogham ergibt, kann möglicherweise auf die Wirkung der Efeu-Räucherung geschlossen werden. Oft sind aber dann die Ergebnisse sehr individuell und von der eigenen Wahrnehmung abhängig und deshalb nur beschränkt veröffentlichbar. Sie finden vielleicht Eingang in ein spirituelles Tagebuch, wo sie auch ihren angemessenen Platz finden, in Eigenverantwortung und Selbstreflexion. Verallgemeinert können sie nicht werden. Auf welche Räuchertraditionen sollte man sich denn berufen? Umgekehrt, von 100 ml schnell verglühenden getrockneten Efeublättern um 6,20 EURO (sic!) bestimmte spirituelle Ergebnisse zu erwarten, ist sicher der falsche Weg.

Auch was das keltische Baum-Ogham, das heißt die von mir gewählte geistig-spirituelle Seite der Beschäftigung mit einer bestimmten Pflanze betrifft, kommt das angebotene Wissen oft sehr autoritativ einher, kann diesen Anspruch aber nur in wenigen Fällen einlösen. Oft sind willkürliche Informationshappen eklektisch aneinandergereiht und mit scheinbarer Bedeutung versehen worden. Dass die angebotene Meinung, ja sogar die spirituelle Begründung im besten Fall die persönliche Einschätzung (und nicht die Phantasie) des Autors/der Autorin darstellt, liegt auf der Hand. Es nicht als private Meinung auszuweisen, ist jedoch unverantwortlich. Naturreligiosität bedeutet nicht, sich mit selbsternannten Propheten abgeben zu müssen und im Glauben an Unsinn spirituell zu verwildern. Social Media sind keine Autorität, auch wenn sie sich als Instrument der Lebensführung gerieren.  Sich gesichertes Wissen zu erwerben, ist ein langwieriger Prozeß, welcher geeignete Informationen, praktische und spirituelle Erfahrungen und vor allem Zeit zu seiner Verarbeitung erfordert. Nichts geht von Heute auf Morgen! Spiritualität entzieht sich, den Göttern sei Dank, pragmatisch angelegten Input-Output Mechanismen.

Für meine spirituelle Arbeit mit dem keltischen Baum-Ogham (derzeit mit dem Efeu/Gort) benutze ich daher zwei bis drei sauber recherchierte Bücher, die mit Quellenangaben nicht geizen und deren VerfasserInnen auch eine gewisse Fachautorität und spezifische Ausbildung nicht vermissen lassen.

  • Steven Blamires: Baum Magie. Mit dem keltischen Ogham-Alphabet. Heyne Verlag. München, 2003. Das Buch ist mittlerweile vergriffen.
    Der irisch-amerikanische Autor stellt hier nicht nur eine ausführliche, auch historische Einleitung zum Baum-Ogham vor, sondern widmet sich auch ausführlich und systematisch den einzelnen Pflanzen. Er bespricht die Physische Ebene, die Mentale Ebene und die spirituelle Ebene des jeweiligen Baumes/Strauches und widmet sich dann der praktischen Arbeit mit ihr.
  • Wolf-Dieter Storl: Pflanzen der Kelten. Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender. AT-Verlag. Aarau, 2013. Erhältlich auch als Ebook bei Thalia.at. Storls Buch geht weit über den Rahmen des Baum-Ogham hinaus, es behandelt den Kosmos der Kelten von einem ethno-historischen Standpunkt aus, in dem die Pflanzenwelt eine ganz besondere Bedeutung besaß.
  • Danu Forest: Celtic Tree Magic. Ogham Lore and Druid Mysteries. Llewellyn. Woodbury, 2014. Erhältlich bei Thalia auch als Ebook. Schwerpunkt dieses Buches liegt auf der spirituellen Praxis der Arbeit mit keltischen Baumzauber, daneben finden wir aber auch ausführliche Hinweise auf die einzelnen Bäume und Sträucher des Baum-Oghams.

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Ein wenig Grün, aber giftig

Heute am unmittelbaren Ufer der Thur entlang gegangen, um Schwemmholz und schöne Steine zu sammeln. Ein holpriger Weg, über gefrorene Pfützen, Steine und Sandflächen hinweg. Schnee liegt keiner mehr. Natürlich darf auch das Feuer nicht fehlen, das wir unter großer Mühe entfachen. Das Schwemmholz sieht zwar trocken aus, ist aber bretthart gerfroren und enthält viel Wasser. Es ist bitterlich kalt, aber eine wunderschöne Zeit, um Draußen zu sein. Wir sind alleine, sitzen auf einem Baumstamm und sehen der Thur beim Fließen zu. Am Feuer brät die Wurst.

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Steine und Holz aus der Thur. Copyright: Tinderness

Neues Grün zeigt sich keines, ich bin deshalb begeistert, als ich in einer Mulde ein erfrorenes Schneeglöckchen entdecke. Man möchte es mit Moos bedecken, um es gegen die Kälte zu schützen. Imbolc ist nun schon mehr als drei Wochen vorüber und es scheint, als hätte der „richtige“ Winter erst begonnen. Mir fällt eine Aussage ein, die ich in einem Online Magazin gelesen habe: Früher hat man Winter dazugesagt, heute will man genau wissen, warum es so kalt ist. Beim Gedanken an den ironischen Sager muß ich lächeln.

Thur
An der Thur. Copyright: J.E.

Unruhe überall. Obwohl ich den Aufenthalt draußen genieße, merke ich auch die wilde Energie, die sich hier im Freien entfaltet: Bittere Kälte, unruhiges „flaches“ Feuer, das immer wieder unter lautem, schußähnlichen Krachen explodiert, Rotkehlchen, die uns unruhig flatternd in weitem Bogen umschwirren. Das Holz läßt sich nur schwer zerkleinern, die Würste brennen an. Der Baumstamm, auf dem wir sitzen, strahlt unbarmherzig seine Kälte ab. Wildenten stoben auf und flattern unruhig flußabwärts, auf der Flucht vor uns. Ein kleiner Hund kommt aus dem Unterholz dahergesprungen und kläfft uns an. Er trägt einen Hundemantel in Tarnfarben. Ich verletze mich mit meinem Messer am Finger. Nein, heute ist kein Tag für einen ruhigen, medidativen Aufenthalt am Fluß.

Ein großer grüner Fleck im Dickicht erregt meine Aufmerksamkeit. Es ist Efeu, kleine grüne Blätter und schwarzblaue Früchten auf Dolden. Das Räuchern der getrockneten Blätter soll unser Unbewußtes anregen und uns helfen in die Anderswelt zu blicken. Die schwarzblauen Früchte sind hingegen sehr giftig. Ich sammle Blätter und Früchte in meinem Baumwollsäckchen. Die Pflanze paßt zum heutigen Tag.

Schwerbeladen mit Steinen und Schwemmholz kehren wir nach Hause zurück. Ich breite die gesammelten Blätter und Früchte zum Trocknen aus.

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Efeuernte. Copyright: Tinderness

Usnea Barbata, die Bartflechte

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Usnea Barbata, ein unter den Namen „Old Man’s Beard“ oder Bartflechte bekanntes Gewächs: ein Zwitterwesen, das wegen seiner urtümlich wilden Form auch Eingang in die Fantasywelt der Medienindustrie gefunden hat. In Herr der Ringe tritt uns eine Anleihe an die Baumflechten in Gestalt der Ents entgegen, als große, baumartige Wesen, die geschaffen wurden, um die Wälder von Mittelerde zu beschützen: „Ent, der Erdsproß, alt wie die Berge …“ Ob Tolkien beim Schreiben der Brauch aus Österreich bekannt war, der mittlerweile in das Immateriellen Kulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde, ist nicht bekannt aber möglich. Im Telfer Schleicherlaufen in Tirol wird eine Bartflechte gesammelt und als Kostüm der „Wilden“ verwendet. Laut Berichten benötigt man für das Kostum eines Mannes etwa fünf Jutesäcke voller Baumflechten, die im Kühtai knapp unterhalb der Baumgrenze wachsen. Für das Anbringen der Bartflechten am Kostüm muß sie frisch und feucht sein, sonst würde sie beim Aufnähen brechen. Viel also braucht man von der bedrohten Art, die langsam wächst und in Mitteleuropa vom Aussterben bedroht wird.

Tatsächlich hat die Bartflechte also etwas Dämonisches, Wildes, Unheimliches an sich. Wer sich in Wäldern bewegt, in der die Bartflechten von den Bäumen hängen, wird sich (im besten Fall!) an einen Märchenwald, eher aber an einen Geisterwald erinnert fühlen. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, daß die Flechten im Vergleich zu uns Menschen ein mehr als biblisches Alter erreichen. Manche Flechten erreichen sogar ein Alter von 1000 Jahren – umgekehrt wächst die Flechte allerdings sehr langsam, die Bartflechte ist eine der schnelleren mit etwa 2 cm pro Jahr. Man sollte daher beim Pflücken große Rücksichtnahme nehmen und die Bartflechte nur von umgestürzten oder toten Bäumen entnehmen. Sie einfach als Zunder oder als Faschingsverkleidung abzureißen, kommt Raubbau gleich. Die dunkelbraunen bis schwärzlichen Bärte wirken nur abgestorben, sind aber höchst vital. Insbesondere in Wäldern mit altem und sich wenig veränderndem Baumbestand kommen die Bartflechten häufig vor, insbesondere an Nadel- und Laubbäumen mit saurer Borke.

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Die Bartflechte, neben anderen Gruppen wie Krustenflechten, Bartflechten, Nabelflechten und Strauchflechten) ist ein eigenartiges Wesen: halb Alge, halb Flechte, wächst sie nur mehr an feuchten borealen Standorten mit ausgezeichneter Luftqualität. Eine Selbstmordpflanze: indem sie die Luftfeuchtigkeit aufnimmt, nimmt sie auch darin enthaltene Schadstoffe auf und geht schließlich daran zugrunde. Sie ist deshalb auch in Industriezonen kaum mehr zu finden. Schwefeldioxid, Ozon, Schwermetalle und Stickoxyde sind für ihren rapiden Rückgang verantwortlich. Glücklich also jene Gegenden, wo sie noch wachsen kann: in Lappland etwa, wo sie noch häufig vorkommt.

Und natürlich hat die Pflanze als Heilmittel auch einen unmittelbaren Nutzen für den Menschen. Usnea barbata wird wegen der antientzündlichen Eigenschaften der in ihr enthaltenen Usninsäure in der Homöopathie oder als Flechtenhonig als anthroposophisches Heilmittel gegen die Erkrankung der Luftmittel verwendet. Die Firma Weleda hat derartiges einmal vertrieben.  Vor Selbstmedikation ist allerdings, wie immer, zu warnen. Wie man selbst eine Tinktur herstellen kann, ist auf diesem Blog beschrieben. Eat the weeds beschreibt noch weitere Verwendungsmöglichkeiten, etwa als Nahrungsergänzungsmittel oder Wundheilmittel.

Wie so vieles aus der Natur kann die Bartflechte auch zum Räuchern verwendet werden Entsprechende Literatur schreibt ihr reinigende und stärkende Wirkung zu, bzw. pur oder als Mischung zum Räuchern in den Rauhnächten. Und auch zum Färben von Wolle scheint sie geeignet und gibt ein kräftiges Orange.

 

Die Zähmung des Wildwuchses im Garten.

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Bekannte von mir betreiben ein kleines esoterisches Zentrum und haben vergangenes Wochenende zu einem Gartenputztag eingeladen. Ihren doch sehr weitläufigen Garten nutzen sie auch als Kursgelände, also habe ich ihren Plan nicht so sehr dem Klischee vom Schweizer Putzfimmel als vielmehr einer Betriebsnotwendigkeit zugeschrieben. So sind also sieben Freiwillige zusammen gekommen, um einen zivilatorischen Akt grössten Ausmasses zu setzen und das den ganzen lieben Tag lang.

Er bestand in folgenden Tätigkeiten (Auswahl) : Heckenschneiden, Totholz entfernen, lose Schieferplatten verlegen, Unkraut jäten, Gartenbank Reparatur, Errichtung zweier Andachtsstätten, Dachrinnensäubern, Rechenarbeiten und und und. Als wahre Syssiphusarbeit erwies sich das Entfernen einer Wildrosenhecke,  welche in die lichten Höhen eines Nadelbaumes gewachsen und sich dort rettungslos verfangen hatte. Bei ihrer Zähmung floss trotz der Gummihandschuhe Blut, aber unsere Hartnäckigkeit würde belohnt. Wir fanden ein wundersames Gebilde aus Wärme, Flauschigkeit und strahlendem Grün (siehe Bild).

post scriptum: Simon hat mich dankenswerterweise im Kommentar zu diesem Posting darauf aufmerksam gemacht, daß es sich dabei um einen Schlafapfel handelt. Das aber ist ein anderer Name für die Rosengalle, einem Gebilde der Gemeinen Rosengallwespe. Danke für den Hinweis, Simon.